Tageskommentar Rohstoffe: Griechisches Referendum belastet die Märkte

Das vom griechischen Ministerpräsidenten Papandreou geplante Referendum über die Annahme des jüngsten europäischen Rettungsplans für Griechenland hat die Märkte erheblich verunsichert. Die Aktienmärkte notierten  schwächer, der Euro verlor gegen den Dollar und auch die Agrarfutures standen zeitweise unter erheblichem Druck. Der Sojakomplex schloss erneut schwächer. Weizen und Mais konnten sich in Chicago dagegen etwas erholen und schlossen im grünen Bereich. An der Matif hielten sich die Weizennotierungen ebenfalls im Plus. Raps notierte dagegen schwächer. Rohöl gab trotz zwischenzeitlichen größeren Verlusten am Ende nur wenig nach.
 
Weizen: In  Chicago retteten sich die Weizennotierungen mithilfe festerer Maiskurse und Shortabdeckungen noch ins Plus. In Paris hielt sich Weizen trotz der zwischenzeitlich schwachen Chicagoer Notierungen recht gut und schloss mit leichten Kursgewinnen auf allen Terminen. Möglicherweise stützte der feste Dollar unterschwellig den Matifweizen, denn mit einem schwachen Euro verbessern sich die Exportchancen für den europäischen Weizen.
Ägypten hat 180.000 t Weizen in Russland und der Ukraine gekauft. Zweidrittel entfallen auf Russland, das restliche Drittel auf die Ukraine. Der Weizen aus der Ukraine war bei den Geschäft mit 247,92 US-$/t rund 4,50 US-$/t billiger als der russische Weizen.
 
Mais: Nach einer kleinen Tagesrallye drehte sich Mais in Chicago aus dem Minus und schloss mit moderaten Kursgewinnen. Der Markt gilt als zudem als überverkauft. Hinzu kamen kleinere Shortabdeckungen. Immerhin wurden die schwächeren externen Vorgaben der Aktienmärkte, die zeitweise deutlich gefallenen Rohölnotierungen und der feste US-Dollarkurs in den Hintergrund gedrängt. Psychologisch dürften vor allem die Erwartungen an eine Korrektur der US-Maiserträge im kommenden USDA-Report dem Mais geholfen haben. Händler halten eine Reduzierung der US-Mais Endbestände um 2,2 Mio. t für möglich. Die US-Maisernte ist zu 78 Prozent abgeschlossen.
 
Sojakomplex: Der Sojakomplex konnte sich von den Einflüssen der schwachen externen Märkte nur begrenzt freimachen. Die Erholung der Chicagoer Maisnotierungen wirkte sich zumindest in einer Minimierung der Verluste für Sojabohnen und Schrot aus. Dennoch schlossen die Kurse um die 6 US-$/t unter dem Vortag. Sojabohnen haben in den vergangenen drei Tagen mehr als 15 US-$/t und Sojaschrot 14 US-$/t verloren. Schwache Konjunkturdaten aus China und vermehrte Käufe Chinas in Brasilien drückten auf die Stimmung. Üblicherweise ist das Sojabohnenangebot aus Brasiliens in dieser Jahreszeit nicht mehr allzu reichlich. Mit der diesjährigen brasilianischen Rekordernte von 74,5 Mio. t haben sich höhere Lagerbestände angesammelt.
  
Raps: Die zwischenzeitlich schwachen Sojabohnen- und Rohölnotierungen drückten auf die Rapskurse an der Matif. Der neue Frontmonat Februar schloss 4 €/t im Minus. Aus dem abgelaufen Novemberkontrakt werden 1.266 Positionen oder 63.300 t angedient. Dies ist weitaus mehr als üblich. Das Gros der Andienungen entfällt mit 620 Kontrakten auf Gent und mit 559 Kontrakten auf die Mosel. In Deutschland kommen nur 47 Kontrakte in Würzburg und 40 Kontrakte in Magdeburg zur Andienung.
Winnipeg notierte den Canola-Raps unter dem Einfluss des Sojakomplexes bis zu 4,50 Can-$/t schwächer.
 
Rohöl: Die Verunsicherung nach dem von Papandreou geplanten Referendum über die Annahme des Europäischen Rettungspaketes für Griechenland sorgte für Druck an der Aktien- und Finanzmärkten. Mit schwächeren Aktienkursen und dem Anstieg des Dollarkurses fielen die Rohölnotierungen zeitweise deutlicher ins Minus. Bis Börsenschluss reduzierten sich die  Verluste bei WTI-Rohöl auf nur noch 1 US-$/Barrel, Brent Crude Öl schloss neutral. Mit steigender Risikobereitschaft zum Tagesende wurden auch die schwachen Konjunkturdaten aus China wieder ausgeblendet. (St)
stats