Tageskommentar Rohstoffe: Heftige Turbulenzen an einer volatilen Matif

Unmittelbar nach der Eröffnung der Matif brachen die Kurse für Weizen, Raps und Mais ein, erholten sie jedoch wieder schnell. Nach einem äußerst volatilen Handelstag und neuen Umsatzrekorden schlossen die Weizen- und Maisnotierungen sowie die Rapsfutures in Paris nur mit einem leichten Minus. In Chicago ebbte die Liquidationswelle ab und Weizen und Mais notierten im Plus. Der Sojakomplex konnte einen Teil der Vortagsverluste wieder wettmachen. Das Chaos in Libyen lässt die Rohölpreise weiter steigen.
 
Weizen: Die Turbulenzen an der Matif lassen sich kaum nachvollziehen. Wie auf Knopfdruck brachen die Weizenkurse am Mittwoch auf allen Terminen kurz nach der Eröffnung ein. Der März fiel über 16 €/t ins Minus. Die Panikverkäufe gingen mit einem erheblichen Umsatzvolumen einher. Die Börse spielte verrückt, doch nach einer Stunde war der größte Spuk vorbei und die Kurse begannen sich zu regenerieren. In einem volatilen Kursverlauf bewegten sich die Notierungen dann bis zu 6 €/t ins Plus, um mit leichten Kursverlusten zu schließen. Der lebhafte Handel hielt bis zum Börsenschluss an und resultierte in einem Rekordumsatz von mehr als 3,4 Mio. t Weizen. Der turbulente Kursverlauf und das extrem hohe Handelsvolumen lässt vermuten, dass auch ‚Daytrader‘ als Käufer und Verkäufer im Tagesverlauf am Werk waren.  
In Chicago schlossen die Weizenkurse nach einem volatilen Verlauf mit einem leichten Plus. Die offenen Positionen haben sich weiter reduziert. Nach dem Einbruch des Vortags galten die Futures als überverkauft und es kam zu einer technischen Gegenreaktion. Ein schwächerer US-Dollarkurs stabilisierte zusätzlich.  
Die lebhafte Nachfrage nach Weizen an den Weltmärkten hält an. Ägypten hat 235.000 t Weizen in den USA und Frankreich gekauft. 120.000 t davon sollen auf französischen Weizen entfallen. Saudi Arabien hat einen Tender über 275.000 t Weizen geöffnet und ist erstmals in diesem Jahr als Käufer aufgetreten. Pro Jahr wollen die Saudis nach eigener Einschätzung 2 Mio. t Weizen importieren. Tunesien ist auf der Suche nach 75.000 t Weizen.
 
Mais: Die Maisnotierungen an der Chicagoer Börse legten über 4 US-€/t zu. Man besann sich wieder auf die enge Maisbilanz und der Einbruch des Vortages wurde als überzogen bewertet. Für die kommenden Woche rechnen Chicagoer Händler wieder mit neuen Hochs für die Maisfutures. Da die offenen Positionen bei Mais um 40.000 Kontrakte abgebaut wurden, ist der Kursanstieg bemerkenswert.
An der Matif brachen die Maisnotierungen unisono mit Weizen ein und fielen bis zu 17 €/t ins Minus. Bis Börsenschluss reduzierten sich die Verluste auf 2,25 €/t für den März. Das Handelsvolumen von über 5.100 Mais-Kontrakten sah rekordverdächtig aus.
 
Sojakomplex: Mit Kursgewinnen von 8 US-$/t für die Bohnen und von fast 6 US-$/t für Schrot konnte sich der Sojakomplex vom Absturz des Vortages etwas erholen. Die Verkaufswelle ebbte ab, obwohl sich die offenen Positionen weiter abbauten. Für den Preisanstieg dienten wieder die alten Argumente wie die enge US-Sojabilanz oder dass die Sojapreise steigen müssten, um beim Flächenwettbewerb mit Mais mithalten zu können.
 
Raps: Beim Raps waren die Turbulenzen am stärksten ausgeprägt. Die Kurse fielen morgens rapide und bis über 26 €/t ins Minus. Auch hier war der größte Druck nach knapp einer Stunde vorbei und die Kurse zogen wieder an. Der weitere Handel war äußerst volatil, es ging hoch und runter. Bis zum Börsenschluss wurden 766.000 t Raps umgesetzt und die Rapsnotierungen schlossen gegenüber dem Vortag knapp behauptet. Erklärungsansätze waren gesucht. Die erhebliche Volatilität weckt Erinnerungen an das Frühjahr 2008, als die Rapsnotierungen an der Matif im Tagesverlauf bis zu 30 €/t schwankten. Allerdings lässt sich das Umfeld nicht mit 2008 vergleichen. Die Rapsbilanz bleibt eng, auch wenn die fundamentalen Daten eingepreist sein sollten.
In Winnipeg legten die Canola Futures nach schwachem Start eine Rallye hin und schlossen für die alte Ernte mehr als 16 Can-$/t im Plus.
 
Rohöl: Die bürgerkriegsähnlichen Zustände und das Chaos in Libyen treiben die Rohölpreise weiter stramm nach oben. Brent Crude Öl notiert heute Morgen höher als 115 US-$/Barrel und WTI-Rohöl bewegt sich über 100 US-$/Barrel. Die Furcht vor einem Übergreifen der Unruhen auf Saudi Arabien, die Emirate oder Kuwait sitzt tief und es zeichnet sich ein weiterer Anstieg der Rohölpreise ab. (St)
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