Tageskommentar Rohstoffe: Herbe Notizverluste in Chicago

Ein schwaches externes Umfeld, gedrückte Rohölpreise und Liquidationen der Fonds drückten die Kurse an der Chicagoer Börse recht deutlich in den roten Bereich. Die größten Notizverluste musste der Sojakomplex einstecken, aber auch Weizen und Mais ließen Federn. An der Matif kamen Weizen, Mais und Raps ebenfalls nicht ungeschoren davon, doch die Kursverluste bewegten sich noch im moderaten Rahmen. Rohöl gab seine Vortagsgewinne wieder weitgehend ab.
 
Weizen: In Paris standen die Weizenkurse während der gesamten Sitzung unter Druck und schlossen 3,50 €/t schwächer. Die Unsicherheiten an den Finanzmärkten und schwachen Vorgaben aus Übersee haben auch an der Matif zu einem Abbau des Kontraktbestandes geführt. Seit Mitte vergangener Woche gingen die offenen Positionen um rund 11.400 Kontrakte zurück.
In Chicago folgte Weizen den rückläufigen Soja- und Maisnotierungen und musste Kursverluste von 7 US-$/t einstecken. Fundamental gab es nichts neues, als Argumente durften wieder einmal die unsicheren globalen Konjunkturaussuchten und die europäische Schuldenkrise herhalten.
 
Mais: Beim Chicagoer Mais das gleiche Bild: schwache externe Märkte und rückläufige Rohölnotierungen drückten die Kurse wer als als 8 US-$/t nach unten. Mit der schwachen Stimmung an allen Märkten liquidierten die Fonds weitere Positionen, zumal sich der saisonale Erntedruck zu verschärfen scheint. In der kommenden Woche soll es mit der Maisernte im Mittleren Westen richtig losgehen.
An der Matif gaben die Maisnotierungen Hand in Hand mit Weizen 3,50 €/t nach.
 
Sojakomplex: Der Sojakomplex in Chicago kam regelrecht unter die Räder. Die Bohnenkurse gaben mehr als 14 US-$/t und die Sojaschrotnotierungen 12 US-$/t nach. Nach dem jüngsten Preiseinbruch fielen die Sojabohnenkurse auf den niedrigsten Stand seit Mitte Dezember vergangenen Jahres. Der zunehmende Erntedruck verstärkte noch die generell schwache Stimmung. Die spekulativen Fondsgesellschaften sind weiterhin dabei, ihr Engagement im Sojakomplex zu verkleinern. Einschätzungen, dass die Exportpipeline für Sojaschrot aus Südamerika nicht mehr so stark gefüllt sein soll, könnte den Kurseinbruch noch etwas abgemildert haben.
 
Raps: Mit einem Minus von 3,50 €/t fielen die Verluste für Raps gegenüber den anderen Märkten noch vergleichsweise moderat aus. Als die Bohnenkurse in Chicago kräftig in den Keller rauschen, hatte die Matif allerdings ihre Tore schon geschlossen. Dadurch lassen sich heute möglicherweise noch stärkere Nachwehen und eine schwächere Eröffnung bei den Rapsfutures erwarten.
In Winnipeg schlossen die Canola-Notierungen unter dem Einfluss der schwachen Sojakomplexes um die 8 Can-$/t niedriger.
 
Die Aussichten für die kommende europäische Rapsernte werden zurzeit sehr differenziert beurteilt. Während Frankreich mit einer leichten Flächenausdehnung rechnet und sich die Bestände gut entwickelt haben, sieht es in Deutschland nicht so gut aus. Die Schätzungen der Rapszüchter von einer 10 Prozent rückläufigen deutschen Rapsanbaufläche werden im Markt für realistisch gehalten. In Norddeutschland kam die Rapsaussaat mit erheblicher Verspätung in den Boden und lässt gedrückte Erträge erwarten. Für Großbritannien geht man im Markt von einer größeren Anbaufläche aus.
                                                                      
Rohöl: Die Rohölnotierungen bewegen sich weiterhin im auf und ab, gaben aber bei Börsenschluss mehr als drei US-$/t nach. Es fehlten positive Einflüsse und die Hoffnungen auf eine schnelle Lösung der Europäischen Finanzkrise haben sich wieder in Luft aufgelöst. Hinzu kam, dass die Rohöllagerbestände in USA wieder angestiegen sind und zusammen mit höheren Vorräten an Benzin und Derivaten keine Anzeichen auf eine Konjunkturbelebung geben. (St)
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