Tageskommentar Rohstoffe: Höchst volatile Reaktion auf neue Ernteschätzungen

Der neue USDA-Report hat für einen denkwürdigen Börsentag gesorgt und höchst volatile Reaktion an den Terminmärkten ausgelöst. Obwohl die neuen Ernteschätzungen durchweg bullisch ausfielen, reagierten die Börsen uneindeutig. Die Kurse bewegten sich in sehr großen Bandbreiten zwischen deutlichem Plus und kräftigem Minus und ließen keine Orientierung zu. Die einzige Gemeinsamkeit bestand in der starken Volatilität und einem Anstieg der offenen Positionen der wichtigen Chicagoer Agrarfutures. Bei Börsenschluss blieb es in Chicago für Mais und Sojabohnen bei einem deutlicherem Minus, die Weizenkurse konnten sich noch in positives Terrain retten.
 
Auch an der Matif kam es während der Sitzung zu erheblichen Kursschwankungen bei Weizen und Raps. Für Weizen fielen die Kursverluste nur moderat aus, Raps gab deutlicher nach. Erst die nächsten Tage werden ein klareres Bild geben, wie der Markt die USDA-Schätzungen verarbeitet. Rohöl bewegt sich seit einigen Tagen im Zickzackkurs. Am Vortag ging es wieder nach oben.
 
Weizen: In Chicago konnten sich die Weizennotierungen nach äußerst volatilen Handel noch von den  Tiefstständen erholen und schlossen mit leichten Kursgewinnen. Shortabdeckungen nach dem USDA-Report und Gewinnmitnahmen im Zuge von nachgebenden Maisnotierungen wechselten sich ab. Fast erwartungsgemäß hat das USDA die Ernteschätzung für die Schwarzmeerregion zurückgenommen. Die geschätzte russische Getreideernte von 49 Mio. t brachte nach den bisher bekannt gewordenen Analysen keine große Überraschung. Die Rückstufung der russischen Weizenexporte auf 12 Mio. t für diese Kampagne übertrifft allerdings die bisher niedrigsten Prognosen.
 
Obwohl das USDA die globale Weizenbilanz und die Endbestände auf 182 Mio. t nach unten korrigiert hat, lässt sich aus der Statistik rechnerisch keinen Engpass herauslesen. Das weltweite Verhältnis von Endbeständen zum Verbrauch liegt bei Weizen auch nach den schwächeren Weizenmärkten am Schwarzen Meer noch bei recht komfortablen 26,8 Prozent und ist alles andere als Besorgnis-erregend.
 
An der Matif färbten die volatilen Chicagoer Notierungen ab. Die Kurse stiegen teilweise bis knapp 8 €/t ins Plus und notierten der Börse Ende 1,75 €/t für den November schwächer. Die USDA Schätzung für die europäische Gesamt-Weizenernte inklusive Durum mit 133,1 Mio. t liegt in Linie mit Coceral-Zahlen.
 
Mais: Mais wurde in Chicago in einer Bandbreite von 25 US-$/t gehandelt und schloss mit Kursverlusten, obwohl die Schätzung für Mais bullisch ausfiel. Die durchschnittlichen Erträge wurden stärker nach unten korrigiert, als von vielen im Markt erwartet wurde. Auch die geschätzten US-Endbestände für die kommende Saison von 30 Mio. t lagen niedriger, als im Vorfeld geschätzt wurde und lassen Einschnitte bei der Verfütterung und für die US-Ethanolproduktion erwarten. Die Wetteraussichten für den mittleren Westen sind durchwachsen, im zentralen Maisgürtel soll es erst einmal trocken bleiben, nur im Südosten und Süden stellen die Wetterfrösche aber Niederschläge in Aussicht. Bei fehlenden flächendeckenden Niederschlägen dürften weitere Abwärtskorrekturen für die US-Maisernte folgen.
 
An der Matif sprangen die Maisnotierungen zeitweise fast 9 €/t nach oben, stürtzen aber auch wieder schnell ab. Mit einem kleinen Plus konnten sie sich bei Börsenende zumindest behaupten.
 
Sojakomplex: Auch beim Sojabohnenhandel ging es in Chicago turbulent zu. Es ging kräftig hoch und runter und nach kurzem Höhenflug fielen die Kurse zeitweise regelrecht in den Keller, um bei Börsenschluss zumindest ihre größten Verluste noch etwas zu nivellieren. Mit einem Minus von 6 US-$/t für die Novemberbohne und mehr als 8 US-$/t für die Schrotnotierungen Winter überwogen wie schon am Vortag Konsolidierungsansätze und Gewinnmitnahmen.

Mit 83 Mio. t erwartet das USDA eine etwas kleinere US-Sojabohnenernte als im Vorjahr. Die US-Bohnenfläche wurde zwar im dem vorangegangenen Flächenreport nach oben korrigiert, doch die reduzierten Durchschnittserträge für die US-Sojabohnen von 40,5 Bushel/acre zehren den Flächengewinn auf. Nach den neuen USDA-Zahlen lässt sich eine sehr enge Bilanz für Sojabohnen und das niedrigste Verhältnis von Endbeständen zum Verbrauch in den USA seit 1964/65 erwarten. Auch global bleibt die Bilanz eng, denn mit den kleineren Sojabohnenernten in Südamerika wird sich der Fokus der internationalen Märkte auf die US-Bohnen richten. Für China erwartet das USDA weiterhin einen Importbedarf an Sojabohnen von 61 Mio. t und 4,5 Mio. t mehr als im Vorjahr.  
 
Raps: Die Rapskurse in Paris bewegten sich in einem nervösen Handel ebenfalls in einem munteren auf und ab. Nach schwachem Start und Gewinnmitnahmen vor der Veröffentlichung der USDA Zahlen sprangen sie mit Bekanntwerden der neuen Schätzung nach oben, fielen wieder ab und notierten bei Börsenende 5,50 €/t für November und Februar schwächer. Die Handelsaktivitäten am Terminmarkt bleiben weiterhin äußerst rege.
In Winnipeg schloss Canola-Raps ebenfalls mit roten Vorzeichen.
 
Rohöl: Rohöl bewegt sich seit einigen Tagen in einem auf und ab und in einer Seitwärtsbewegung. Am Vortag gab es ein Plus von über 2 US-$/Barrel für Brent Crude Öl. Als Auslöser wird ein ungewöhnlich hoher Rückgang der wöchentlichen US-Rohöllagerbestände von 4,7 Mio. t angeführt. Die soll der höchste wöchentliche Rückgang seit fast fünf Jahren sein. Andererseits stiegen die US-Benzinbestände wieder an. Analysten messen den Preissprüngen nur kurzfristiges Potenzial zu, denn der globale Rohölmarkt ist nach wie vor überversorgt und in USA liegen die Rohölbestände unverändert auf dem höchsten Stand seit 22 Jahren. (St)
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