Tageskommentar Rohstoffe: Korrektur beim Sojakomplex setzt sich fort

Der Sojakomplex ist dabei, weitere Wetterprämien auszupreisen. Die Kurse für Sojabohnen und Sojaschrot wurden erneut zurückgenommen. Die Stimmung färbte in abgeschwächter Form auch auf die Chicagoer Getreidenotierungen ab. Die Notizverluste bei Mais und Weizen hielten sich in überschaubarem Rahmen. Vor dem USDA-Report am kommenden Freitag standen in Chicago kleinere Gewinnmitnahmen der Tagesordnung. An der Matif bewegten sich Weizen und Raps im neutralen Bereich. Die Weizenmärkte werden derzeit von Spekulation über mögliche Exportrestriktionen Russlands bestimmt. Rohöl zog auf den höchsten Stand seit zwei Monaten an.
 
Weizen: Mit minimalen Kursgewinnen für die beiden vorderen Termine schlossen die Weizenkurse an der Matif gut behauptet. In Chicago gaben die Weizenkurse unter dem Einfluss der etwas schwächeren Maisnotierungen und Gewinnmitnahmen leicht nach.

Da die Weizennotierungen in Paris in den vergangenen Wochen nur halb so stark gestiegen sind, wie in Chicago, empfiehlt die US-Investmentbank Goldman Sachs ihrer Klientel ein Engagement für den März-Weizen an der Matif. Sie sieht aufgrund der schwachen Getreideernten am Schwarzen Meer Potenzial für Export-Restriktionen Russlands und der Ukraine. Die Bank rechnet nur mit einer russischen Weizenernte von 43 Mio. t und mit Getreideexporte Russlands von 6,5 Mio. t.
Niedrigere Schätzungen für die russische Getreideernte haben Hochkonjunktur. Am Vortag hatten die Analysten von SovEcon die russische Getreideproduktion nur noch auf 72 bis 75 Mio. t taxiert und das Potenzial für die russischen Getreideexporte auf 8,5 Mio. t zurückgestutzt.
 
Mais: Kleinere Gewinnmitnahmen und schwächere Vorgaben vom Sojakomplex drückten etwas auf die Chicagoer Maisnotierungen. Der Markt fokussiert sich auf den USDA-Report am kommenden Freitag und die Schätzung der US-Maisernte. Man spricht über durchschnittliche Ertragserwartungen von 127 Bushel/acre und eine US-Maisernte von 279 Mio. t.
Auch in der Ukraine sollen die Maisbestände zurzeit unter Hitze und Wassermangel leiden. Argentinien wird seine Maisanbaufläche voraussichtlich um 20 Prozent zu Gunsten des Sojabohnenanbaus einschränken.
An der Matif notierte Mais unter dem Einfluss von Chicago etwas schwächer.
 
Sojakomplex: Die Korrekturphase beim Sojakomplex hielt nach Gewinnmitnahmen und Long-Liquidationen  weiter an. Immerhin haben die Bohnenkurse seit Monatsanfang rund 33 US-$/t und die Sojaschrotnotierungen mehr als 25 US-$/t verloren. Die Korrekturen ändern aber wenig an der festen Grundstimmung am Sojamarkt.
Die Wetteraussichten verheißen auch für die kommende Woche Regenfälle in weiten Teilen des mittleren Westens. Vor allem im Norden und Osten des Maisgürtels profitieren die Sojabohnenfelder von den Niederschlägen.
In Südamerika liegen die Bohnenbestände in den wichtigsten Exportländern Brasilien, Argentinien und Paraguay nach Einschätzungen von Oilworld zurzeit mit 45,5 Mio. t rund ein Drittel unter denen des Vorjahres. Die Versorgung bleibt eng.
 
Raps: Die Rapskurse an der Matif ließen sich am Vortag vom schwachen Sojakomplex wenig beeindrucken und schlossen neutral. Nach dem Auslaufen des Frontmonats und mit der Rapsernte in Westeuropa haben sich die Börsenaktivitäten abgeschwächt. Am Wochenanfang lagen die Handelsvolumina deutlich unter dem Schnitt der Vorwochen. Die offenen Positionen bleiben dagegen auf einem recht stabilen Niveau.
In Winnipeg zollten die Canola-Kurse den Sojakomplex Tribut und schlossen mehr als 15 Can-$/t im Minus.
 
Rohöl: Die Rohölnotierungen sind nach deutlicheren Kursgewinnen auf den höchsten Stand seit zwei Monaten gestiegen. Brent Crude Öl sprang wieder über 110 US-$/Barrel. Kurzfristige Versorgungsprobleme beim der Nordsee-Ölsorte Brent, feste Aktienmärkte, ein schwächerer US-Dollarkurs und eine geopolitische Risikoprämie für den mittleren und Nahen Osten gaben weiteren Auftrieb. Die spekulativen Anleger sind zudem wieder an die Rohölmärkte zurückgekehrt. Der Beginn der Hurrikan-Saison könnte für weitere Kurssprüngen sorgen. (St) 
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