Tageskommentar Rohstoffe: Kräftige Kursgewinne an den Terminmärkten


In Chicago geben die Sojabohnen und Mais in dem ‚hot and dry‘-Szenario den Takt vor. Es bleibt im Mittleren Westen der USA die kommenden Tage sehr heiß und trocken. Bohnen und Schrot schlossen erneut mit kräftigen Kursgewinnen. Auch Mais notierte deutlich fester. Die Weizennotierungen marschierten in dem festen Umfeld mit. Die Kursgewinne beim Weizen fielen an den US-Börsen stärker aus als an der Matif. Raps legte erneut kräftig zu und es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wann die Augustnotierung an der Matif die Marke von 500 €/t knackt. Von Chicago lassen sich heute keine zusätzlichen Impulse erwarten, denn die US-Börsen sind feiertagsbedingt geschlossen. Die Rohölnotierungen zogen an und orientieren sich wieder nach oben.
 
Weizen: Die Weizenkurse an der Matif profitierten von festeren Vorgaben aus Chicago und zogen bis zu 4 €/t für die vorderen Termine an. Die offenen Positionen steigen mit den anziehenden Notierungen. Die EU-Kommission schätzt die europäische Weichweizenernte auf 126,1 Mio. t und befindet sich damit im Rahmen der übrigen Prognosen. Sie geht davon aus, dass sich die europäische Weizenbilanz zum Ende des Wirtschaftsjahres mit Endbeständen von 10,4 Mio. t gegenüber dem Vorjahr leicht verknappen könnte.
 
In Chicago legten die Weizennotierungen rund 10 US-$/t zu. Weizen marschierte mit Mais und Sojabohnen mit. Die US-Sommerweizenbestände bieten noch ein positives Bild, auch wenn die Bonitierung für die guten Kategorien um 6 Prozent zurückgenommen wurde. Am Wochenanfang wurden noch 71 Prozent der US-Sommerweizenfelder mit gut bis exzellent klassifiziert.
 
Die Analysten von SoftEcon haben die Schätzung für die russische Weichweizenernte auf 48,5 Mio. t nach unten korrigiert. Als Grund nennen sie die schlechten Erträge in Südrussland, die in wichtigen Anbauregionen 23 Prozent unter die Vorjahreswerte fallen. Die gesamte russische Getreideernte schätzen die Analysten zwischen 80,5 und 85 Mio. t (Vorjahr 94 Mio. t) ein. Die Ukraine ließ offiziell verlauten, dass sie bisher keine Exportbeschränkungen für die neue Saison geplant hat. Indien hat 2 Mio. t Weizen für den Export in Übersee genehmigt.
 
Mais: Die Maiskurse in Chicago bewegen sich mit dem ‚hot and dry‘-Szenario weiter nach oben. Es gilt inzwischen als sicher, dass die US-Maisbestände schon zum Teil geschädigt sind. Die kommenden Tage soll es sehr heiß und trocken im mittleren Westen bleiben mit Temperaturen bis 38° und mehr. Anschließend soll es zwar etwas kühler werden, doch größere Niederschläge lassen sich nach den Wettermodellen kaum erwarten. Inzwischen befinden sich 25 Prozent der US-Maisbestände in der Blütephase und die Bestände leiden unter Wassermangel. Im Markt rechnet man mit schlechteren Bonitierungen der US-Feldbestände in der kommenden Woche.
 
An der Matif zogen die Maisnotierungen für November 2,50 €/t an. Für die Folgetermine gab es  allerdings bei kleinem Geschäft noch deutlichere Notizgewinne. Die EU-Kommission rechnet mit einer europäischen Maisernte von 66,8 Mio. t. Die Schätzung wurde zwar nach oben korrigiert, doch danach würde die europäische Maisernte rund 900.000 t kleiner als im Vorjahr ausfallen. Bei Gerste erwartet die Kommission dagegen mit 55,5 Mio. t ein deutlich besseres Vorjahresergebnis (51,3 Mio. t).
 
Sojakomplex: Der Sojakomplex gibt an der Chicagoer Börse den Takt an. Die Sojabohnennotierungen zogen einmal rund 14 US-$/t an, Sojaschrot legte im Schnitt etwa 13 US-$/t zu. Eine Wetteränderung in Maisgürtel ist in den kommenden Tagen nicht in Sicht. Es gilt als sicher, dass die Bonitierungen der Sojabohnen-Feldbestände in der kommenden Woche weiter nach unten korrigiert werden.
 
Raps: An der Matif bleiben die Rapsnotierungen im Aufwind. Die beiden vorderen Termine zogen 8 €/t an, der August schloss bei 497,75 €/t. Nach den sehr festen Vorgaben der Sojabohnen vom Vortag dürfte der Sprung auf oder über die Marke von 500 €/t für August unmittelbar bevorstehen. Die EU-Kommission rechnet mit einer europäischen Rapsernte von 18,8 Mio. t und befindet sich damit am oberen Ende der der Schätzungen. In Winnipeg zogen die Canola-Notierungen auf allen Terminen an.
 
Rohöl: Am Rohölmarkt scheint sich eine Trendwende anzubahnen. Die WTI- und Brent Crude Notierungen zogen mehr als 3 US-$/Barrel an. Brent Crude Öl konnte sich wieder auf über 100 US-$/Barrel hocharbeiten. Spekulationen über eine lockerere Geldpolitik der EU-Zentralbank und in China sowie ein kurzfristiger Rückgang der US-Rohöllagerbestände nach dem Tropensturm der Vorwoche werden als Auslöser genannt. Wichtiger dürfte jedoch eine stärkere Risikobewertung durch den Iran sein. Seit Anfang dieses Monats ist das EU-Embargo gegen den Iran in Kraft getreten. Der Iran will die Straße von Amos für Schiffe aus den Ländern blockieren, die am Embargo teilnehmen. Bei einem Manöver haben die iranischen Revolutionsgarden erfolgreich mehrere Mittelstrecken- und eine Langstreckenrakete getestet. In Norwegen führt zudem der Streik der Ölarbeiter zu ersten Verzögerungen bei den Rohlieferungen. (St)
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