Tageskommentar Rohstoffe: Kurskorrekturen drücken auf Chicagoer Notierungen


Der Sojakomplex wurde erneut kräftig durchgeschüttelt und schloss mit deutlicheren Verlusten. Auch die Weizen-und Maisnotierungen an der Chicagoer Börse standen unter Druck. Auslöser waren wie schon Vortag weniger die Wettermärkte, sondern externen Faktoren. Die Finanzmärkte reagierten enttäuscht auf die Pläne der Europäischen Zentralbank, den Kauf von neuen Staatsanleihen an Bedingungen für die Krisenländer zu knüpfen. Die euphorische Stimmung an den Terminmärkten scheint sich deutlich abgekühlt zu haben. Die kleinere US-Maisernte könnte schon weitgehend eingepreist sein. An der Matif distanzierten sich Weizen und Mais von der schwächeren Entwicklung in Übersee. Die Rapsnotierungen gaben allerdings erneut nach. Rohöl notierte schwächer.
 
Weizen: An der Matif ließen sich die Weizennotierungen von den schwachen Vorgaben aus den USA nicht ins Bockshorn jagen und konnten sich trotz zwischenzeitlicher kleiner Schwächen gut behaupten. Die EU-hat in dieser Woche neue Exportlizenzen über 134.400 t Weichweizen erteilt.
In Chicago gaben die Weizennotierungen erneut nach und haben in drei Tagen 20 US-$/t verloren. Externe Faktoren wie die schwachen Finanz- und Aktienmärkte sowie ein fester US-Dollarkurs werden als Hintergrund genannt.
 
Die Stimmung an den internationalen Weizenmärkten ist etwas zwiespältig. Aus Russland kommen etwas schwammige Schätzungen und Aussagen über die Getreideernte des Landes. Am Vortag machten Zitate aus Regierungskreisen die Runde, wonach Russland mit einem Exportpotenzial von 10 bis 12 Mio. t Getreide rechnet, falls die Getreideernte 75 bis 80 Mio. t erreichen sollte. In Argentinien haben ergiebige Regenfälle die Aussichten für die nächste Weizenernte verbessern. Australien leidet dagegen unter Trockenheit.
Für China zeichnen sich nach Einschätzung der Auslands-Abteilung des USDA eine erheblich kleinere Weizenernte ab, als zuletzt erwartet. Mit 108 Mio. t könnte die chinesische Weizenernte auf den niedrigsten Wert seit sieben Jahren fallen, schätzen die USDA-Mitarbeiter. Für Russland erwarten sie eine Weizenernte von 47 Mio. t.
 
Mais: Die Maisnotierungen an der Chicagoer Börse gaben zum dritten Mal hintereinander nach. Der schwache Sojakomplex und externen Faktoren belasteten. Die ersten Analysten gehen zudem davon aus, dass die Schäden an der US-Maisernte inzwischen weitgehend eingepreist sein könnten. Der weitere Witterungsverlauf ist für die US-Maisernte kaum noch ertragsrelevant. Der Fokus des Marktes richtet sich auf die absehbaren Nachfragebeschränkungen und den neuen USDA-Report am Freitag der kommenden Woche.
 
An der Matif hielten sich die Maisnotierungen ganz passabel und schlossen für die neue Ernte etwas fester. Für die laufende Woche hat die EU-Kommission 127.800 neue Importlizenzen für Mais erteilt. Auf der Exportseite der EU fallen vor allem die hohen Gerstenexporte von fast 845.000 t in dieser Kampagne auf. Deutschland war in dieser Woche zwar mit keiner größeren Menge dabei, doch bisher wurden bereits 238.400 t Gerstenlizenzen für den Export in Deutschland gezogen.
 
Sojakomplex: Die Sojanotierungen in Chicago bleiben äußerst volatil. Schwächere Finanzmärkte und externe Einflüsse führten erneut zu heftigen Verlusten bei Bohnen und Schrot. Am stärksten betroffenen ist der Frontmonat August. Die Aussicht auf leichte Regenfälle im zentralen und östlichen Maisgürtel drückte zusätzlich auf die Stimmung. Die Luft scheint erst einmal raus zu sein und die extrem bullische Stimmung dürfte sich nach den Korrekturen dieser Woche abgekühlt haben. Nichtsdestotrotz sehen Analysten der Rabo-Bank weiterhin ein Potenzial für die Sojabohnenpreise von 20 US-$/Bushel oder umgerechnet 735 US-$/t.
Argentinien hat bekräftigt, dass es keine höheren Exportsteuern für Sojabohnen auflegen wird.
 
Raps: Mit den turbulenten Sojabohnenpreisen gaben auch die Rapssaatkurse an der Matif nach. Zeitweise fielen die Notierungen bis knapp 7 €/t ins Minus, konnten aber zumindest ihre größten Verlusten bis Börsenschluss etwas reduzieren. Mit der Rapsernte und den Korrekturen bei Sojabohnen dürfte der Höhenflug der Kurse erst einmal beendet sein. Nach dem Auslaufen des August-Kontrakts scheint die Börse noch nach einer Orientierung zu suchen, denn das Handelsvolumen war in den Vortagen deutlich kleiner als in den vorangegangenen Wochen.
Die Canolakurse in Winnipeg schlossen ebenfalls im roten Bereich.
 
Rohöl: Die Enttäuschung der Finanzanleger über die Statements der Europäischen Zentralbank schluge sich über schwache Aktienmärkte und einen gestiegenen US-Dollarkurs negativ auf die Rohölnotierungen nieder. Vor allem die WTI-Notierungen gaben mit knapp 1,80 US-$/Barrel deutlicher nach. Die EZB ist zwar bereit, neue Staatsanleihen der Krisenländer zu kaufen, knüpft den künftigen Erwerb aber an Bedingungen. Sie fordert von den betroffenen Ländern den Abbau ihrer Haushaltsdefizite und verlangt strukturelle Verbesserungen. (St)
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