Tageskommentar Rohstoffe: Kursverluste nach dem USDA-Report

Obwohl der neue USDA-Report für Weizen und Sojabohnen neutral und für Mais sogar etwas bullisch ausfiel, reagierte die Chicagoer Börse mit Kursverlusten auf die neue Schätzung. Weizen und Sojabohnen gaben in Chicago etwas deutlicher nach und auch Mais konnte sich nicht behaupten. In Paris gab es dagegen für Weizen und Mais ein leichtes Plus. Lediglich der auslaufende Weizen-Novemberkontrakt korrigierte scharf nach unten. Raps bewegte sich mit einem schwächeren Unterton. Rohöl schloss nach wechselhaftem Kursverlauf mit Notizverlusten.
 
Weizen: An der Matif kam es für den November-Weizen zu einer scharfen Korrektur mit einem Kursverlust von über 15 €/t. Der Verlust ist börsentechnisch bedingt und dadurch hat sich die zuletzt größere Preisdifferenz zum Nachfolgetermin Januar wieder nivelliert. An seinen letzten Handelstag dürfte der November-Weizen in Paris nur noch für kurzfristige Überraschungen sorgen.
In Chicago notierte der Frontmonat 5 US-$/t schwächer, die übrigen Termine gaben sogar noch etwas stärker nach. Vor allem ein festerer US-Dollarkurs belastete die Futures. Der USDA-Report gilt als neutral für Weizen und hat die reichliche globale Weizenversorgung mit der großen Welternte von 683 Mio. t nur noch einmal bestätigt. Allerdings sorgten die USDA-Zahlen für die USA für unterschiedliche Tendenzen an den amerikanischen Weizenbörsen. Da die Hard-Red-Winterweizen-Endbestände in den USA angehoben wurden, schloss Kansas mit größeren Verlusten als Chicago. Minneapolis notierte den Sommerweizen aufgrund einer niedrigeren Bestandsschätzung dagegen mit Kursgewinnen.
 
Mais: Der USDA-Report hätte für Mais positive Preissignale erwarten lassen, denn die Erträge der US-Maisernte wurden schärferer als erwartet nach unten korrigiert. Auf die US-Maisernte schlagen sich die niedrigsten Erträge seit sieben Zahlen in einer um 3,1 Mio. t reduzierten Ernteschätzung auf 312,7 Mio. t nieder. Die US-Bilanz bleibt bekanntermaßen äußerst eng.
Die globale Maisbilanz wird sich trotz höherer Ernten in der EU, China und Argentinien weiter verengen und die weltweiten Endbestände gehen in der laufenden Saison voraussichtlich auf knapp 122  Mio. t zurück. Mit einem Verhältnis der Endbestände zum Verbrauch von 14 Prozent bietet die globale Versorgungsbilanz nur wenige Reserven und deckt nur noch einen Monat des weltweiten Maisverbrauchs ab.
Brasilien hat parallel zur USDA-Schätzung eine eigene Prognose für seine Maisernte veröffentlicht und rechnet nun mit einer Ernte zwischen 58,4 bis 59,5 Mio. t. Das USDA geht von 61 Mio. t aus. Die chinesische Maisernte wird nach offiziellen Aussagen Chinas mit 184,5 Mio. t größer ausfallen, als zuletzt geschätzt.
An der Matif notierte Mais bei einem kleinen Plus freundlicher. Laut USDA wird die europäische Maisernte 62,9 Mio. t erreichen. Frankreich rechnet inzwischen allerdings mit einer Maisernte von 15,2 Mio. t, so dass die Maisernte in Europa sogar noch höher als die USDA-Schätzung ausfallen könnte.
 
Sojakomplex: Der Sojakomplex stand schon vor der Schätzung unter Druck und schloss über 7 US-$/t bei der Bohne und rund 5 US-$/t beim Schrot schwächer. Im Report wurden die kommenden US-Endbestände für 2011/12 aufgrund der schleppenden Sojabohnenexporte zwar auf 5,3 Mio. t nach oben korrigiert, doch unterm Strich fielen die USDA-Zahlen eher neutral aus.
Für Brasilien prognostiziert das USDA mit 75 Mio. t erneut eine sehr gute Sojabohnenernte. Die offiziellen brasilianischen Einschätzungen liegen mit 71,5 bis  73 Mio. t allerdings darunter. Die Aussaatbedingungen in Brasilien sind nahezu ideal und im Mato Grosso sind bereits 60 Prozent der Sojabohnen und damit deutlich mehr als in anderen Jahren im Boden.
  
Raps: in Paris schlossen die Rapsnotierungen mit einem leichten Minus. Trotz schwachen Vorgaben des Sojakomplexes und der Rohölmärkte konnten sie sich von ihren größten Tagesverlusten noch etwas erholen. Auch in Winnipeg reagierten die Canola-Kurse kaum auf die schwachen Sojabohnen und schlossen nur minimal schwächer.
 
Rohöl: Nach wechselhaftem Kursverlauf notierte Rohöl schwächer. Die deutlichsten Notizverluste gab es für Brent Crude Öl mit einem Minus von rund 2,70 US $/Barrel. Die WTI-Kurse an der Nymex profitierten kurzzeitig von den rückläufigen US-Beständen an Rohöl, Benzin und Destillaten, schlossen aber ebenfalls schwächer. Der Markt wurde überlagert von der Krise der italienischen Staatsanleihen, die mit einem Risikoaufschlag in Rekordhöhe gehandelt wurden. Der Euro verlor mehr als 2 Prozent gegen den Dollarkurs. Es gibt Befürchtungen, dass die Schuldenkrise in Italien ein Ausmaß erreichen könnte, das alles bisher da gewesene im Euroraum in den Schatten stellen wird. (St)
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