Tageskommentar Rohstoffe: Massive Kurseinbrüche am zweiten Tag in Folge

Die Agrarmärkte standen einen weiteren Tag unter massiven Druck. Gewinnmitnahmen und Liquidationen ließen die Chicagoer Soja-, Weizen- und Maisnotierungen zeitweise bis ins Limit down - das sind die höchstmöglichen Tagesverluste - abstürzen. Von den Tiefstständen konnten sich die Notierungen zwar erholen, doch bei Soja und Weizen blieb es bei kräftigen Notizverlusten. Heute Morgen scheint der turbulente Spuk erst einmal vorbei zu sein und die Liquidationswelle abzuebben. In Paris wurden die Weizen, Raps-und Maiskurse von dem Chicagoer Sog mitgerissen und brachen ebenfalls kräftig ein. 

Die Korrektur an den Terminmärkten war zwar äußerst heftig, angesichts der vorangegangenen strammen Kursanstiege jedoch nicht einmal sonderlich dramatisch. Die weitere Richtung an den Märkten wird das Wetter vorgeben. Im Norden und Osten des Dürre-geplagten Mittleren Westen der USA werden zwar stärkere Niederschläge erwartet, doch die Wettermodelle sind widersprüchlich. Für den westlichen und zentralen Mais- und Sojagürtel sieht es derzeit kaum nach einer nachhaltigen Änderung der Großwetterlage aus und die Rally ist nach Ansicht von Analysten noch nicht vorbei.
 
Weizen: Dem massiven Druck aus Chicago hatte die Matif wenig entgegenzusetzen und die Weizennotierungen stürzten zwischenzeitlich bis zu 17 €/t ab. Die nahen Termine schlossen 14 €/t schwächer. In einer turbulenten Sitzung wurden an der Matif über 3,8 Mio. t Weizen gehandelt und das Handelsvolumen dürfte einen neuen Rekord erreicht haben. Verschärft wurde die extrem schwache Stimmung noch durch leichten Erntedruck. Die Weizenernte in Frankreich soll nach ersten Erkenntnissen gute Erträge und gute Qualitäten bringen.

In Chicago stürzten die Weizennotierungen mit dem Einbruch in den übrigen Märkten bis zum Limit down ab und mussten phasenweise die höchstmöglichen täglichen Notizverluste einstecken. Bei Börsenschluss stand immer noch ein kräftiges Minus zu Buche. In den beiden turbulenten Vortagen hat die Chicagoer September-Notierung 24 US-$/t verloren.
 
Mais: Auch die Chicagoer Maisnotierungen fielen im Sog der Gewinnmitnahmen zwischenzeitlich bis zum Limit down. Mit Ausnahme des Septembers gab es bei Börsenschluss jedoch nur kleine Notizverluste und es zeichnet sich bereits wieder eine Stabilisierung ab. Die temporären Kurseinbrüche an Vortagen haben die offenen Positionen bei Mais nicht tangiert - sie sind sogar noch angestiegen. Ein Sturmtief hat im nördlichen und östlichen Teil des Maisgürtels zwar für Regen gesorgt, doch für die meisten Feldbestände bringen die Niederschläge allenfalls etwas Linderung.
An der Matif legte Mais einen turbulenten Handelstag mit Rekordumsätzen von über 6.200 Kontraktabschlüssen hin. Die Kurse brachen mit den Weizenpreisen und Chicagoer Vorgaben ein und gaben bei Börsenschluss bis zu 14 €/t nach.
 
Sojakomplex: Wie schon am Vortag führte der Sojakomplex die Abwärtsspirale an der Chicagoer Börse an. Zeitweise fielen die Notierungen ins Limit down und blieben auch bei Börsenschluss in tiefroten Bereich stecken. In nur zwei Tagen haben die Bohnen in Chicago 43 US-$/t und die Schrotnotierungen 38 US-$/t verloren. Die Regenfälle im nördlichen und östlichen Maisgürtel schüren etwas Hoffnung auf Erholung der US-Bohnenbestände. Es muss allerdings reichlich regnen, denn die Bonitierungen der Sojabohnenbestände liegen ebenso wie beim Mais auf dem schlechtesten Stand seit 1988.
Nach dem strammen Kursanstieg der Vortage wirken die kräftigen Notizverluste nicht einmal dramatisch, auch wenn sich der Sojakomplex auf einer unteren Etage wiederfindet. Im Gegensatz zu den anderen Futures ging die Liquidationswelle bei Sojabohnen mit einem signifikanten Rückgang der offenen Positionen einher.
 
Raps: Für Raps gab es mit dem Einbruch am Sojamarkt und nach Gewinnmitnahmen nicht zu holen und die Kurse fielen sang- und klanglos in den Keller. Der August schloss mit einem Minus von über 19 €/t, zeitweise fielen die Kurse sogar über 22 €/t. Die schärfste Korrektur seit langer Zeit hatte die Zahl der offenen Positionen allerdings kaum tangiert und bot Chancen für neue Kontraktengagements. Auch in Winnipeg gab der Sojakomplex das Abwärtstempo vor und die Canola-Kurse rauschen mehr als 23 Can-$/t runter.  
 
Rohöl: Bei den Turbulenzen an den Agrarmärkten wurde Rohöl zum Nebenschauplatz. Die Notierungen konnten mit einem leichten Plus schließen. Positive Konjunkturdaten aus China lenken von der Euro-Krise und dem zurückgestuft Ranking für Deutschland, Niederlande und Luxemburg ab. (St) 
stats