Tageskommentar Rohstoffe: Matif entzieht sich festeren Vorgaben aus Chicago


An der Matif wollte keine Stimmung aufkommen. Die festeren Vorgaben aus Chicago blieben ohne Wirkung. In Chicago schlossen Weizen, Mais mit Kursgewinnen. Sojabohnen und Sojaschrot legten ebenfalls zu. Der Aufwärtsschwung der Bohne ließ bereits nach. An der Matif gab es dagegen nur eine Nullnummer für Raps. Vor den Weizennotierungen der alten Ernte stand in Paris ein rotes Vorzeichen. Die Agrarfutures hoben sich von der schwachen Tendenz der übrigen Commodities ab. Rohöl brach regelrecht ein. Die elektronischen Vorgaben aus Chicago deuten heute Morgen auf eine gedrückte Markteröffnung hin.  
 
Weizen: Die Weizennotierungen in Paris ignorierten die festeren Vorgaben aus Chicago. Sie zeigten wenig Bewegung und lassen keine nachhaltige Aufwärtsdynamik erkennen. Die Kurse bewegten sich im Tagesverlauf zwar überwiegend im grünen Bereich, doch bei Börsenschluss stand ein Minus von 1,25 €/t an der Märznotierung. Die neue Ernte notierte dagegen etwas fester und trug den gestiegenen Kassapreisen Rechnung. Die offenen Positionen für Weizen bauen sich an der Matif rapide ab. In nur zwei Tagen hat sich das Kontraktvolumen um 20.000 Positionen reduziert. Es sieht so aus, als werfe der demnächst auslaufende Märzkontrakt bereits seine Schatten voraus.
 
Die Chicagoer Weizenkurse profitierten von kleineren Shortabdeckungen und besser Stimmung an den Exportmärkten mit überschaubaren Kursgewinnen. So hat Ägypten 60.000 t Weizen in den USA geordert. Die Musik spielt jedoch in China. Die chinesischen Weizenkäufer haben in den vergangenen Tagen kräftig zugeschlagen und 400.000 t Weizen in Australien, 100.000 t in Kanada und 350.000 t in den USA gekauft. Agenturberichten zufolge taxieren europäische Händler die Käufe Chinas in den USA sogar auf 400.000 bis 500.000 t Weizen. US-Weizen ist zurzeit der günstigste Weizen internationalen Markt und die USA haben reichlich Weizen für den Export übrig.
 
Mais: In Chicago konnte sich Mais kurzfristig von seinem negativen Trend befreien und verbuchte kleinere Notizgewinne. Die externen Faktoren wie ein festerer US-Dollarkurs, gefallene Rohölnotierungen und schwächere Commodities blieben ausgeblendet. Die Chicagoer Händler sehen aufgrund der Verladeprobleme in Südamerika kurzfristig etwas bessere Chancen für den US-Mais an den Exportmärkten. Die offenen Maispositionen in Chicago haben sich auf einen Schlag um mehr als 19.000 Kontrakte reduziert. Möglicherweise steht dies in einem Zusammenhang mit Liquidationen eines in Not geratenen Rohstofffonds, denn auch bei Sojabohnen und Weizen haben sich die offenen Positionen in Chicago zur Wochenmitte abgebaut.  
In Paris hielten sich die Maisnotierungen im Gegensatz zum Weizen und notierten 1,25 €/t im Plus.
 
Sojakomplex: Die Sojarally in Chicago ging zwar weiter, doch das Tempo wurde etwas langsamer. Die Sojabohnen konnten ihre Tagesgewinne nicht halten. Sojaschrot legte allerdings mit einem Plus von knapp 9 US-$/t eine starke Vorstellung hin. Die Schrotkurse profitierten auch von Spread-Geschäften gegen schwächere Rohölnotierungen.
Die Stimmung beim Sojakomplex bleibt kurzfristig fest, denn die USA können möglicherweise länger als gedacht von den Lieferverzögerungen in Südamerika profitieren. Die bekannten Logistikprobleme Brasiliens scheinen sich in diesem Jahr noch zu verschärfen. Neben Sojaverladungen stehen noch umfangreiche alterntige Maisexporte an, die die Häfen und die Logistikschiene verkommt verstopfen. Inzwischen soll sich vor den brasilianischen Häfen ein ‚Line up‘ von Schiffen mit einer Fachkapazität von 11 Mio. t gebildet haben.
 
Für Argentinien werden die Schätzungen der kommenden Sojabohnenernte zunehmend korrigiert. Satellitengestützte Auswertungen der argentinischen Sojabohnenbestände lassen eine Ernte von unter 50 Mio. t erwarten und liegen in Linie mit Oilworld und der Getreidebörse in Buenos Aires. Die  Wetteraussichten in Argentinien sind für die kommenden Tage nicht eindeutig und die Wettermodelle teilweise widersprüchlich.
 
Raps: Dem Raps fehlt es an Aufwärtsdynamik. Die Notierungen in Pariser taten sich zur Wochenmitte äußerst schwer, dem festen Sojakomplex zu folgen. Zwar gab es zeitweise ein leichtes Plus, doch bei Börsenschluss schlossen die kommenden drei Termine mit einer Nullnummer. Das Volumen war unterdurchschnittlich und die gedrückte Stimmung an den Kassamärkten schlug sich auch auf die Aktivitäten an der Matif nieder.
Auch in Winnipeg gingen die Canola-Notierungen auf Distanz zum Sojakomplex. Sie hielten aber ihre leichten Kursgewinne.
 
Rohöl: Bei Rohöl kam es  zu einem regelrechten Einbruch. Innerhalb von 10 Minuten fielen die Notierungen für WTI und Brent Crude Öl 2 US-$/Barrel nach unten. Gerüchte, dass einem großen Rohstofffond die Luft ausgehen soll, lösten den Einschnitt aus und lasteten auch auf anderen Commodities und den Aktienmärkten. Es wurde spekuliert, dass der in Schwierigkeiten geratene Fond massive Liquidationen vornehmen müsse. (St)
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