Tageskommentar Rohstoffe: Neue Runde beim Preisauftrieb eingeläutet


An den Terminmärkten sorgte eine neue Runde des Preisauftriebs für sehr hohe Kursgewinne für Getreide- und Ölsaaten. Die Notierungen für Sojabohnen- und Sojaschrot, Weizen und Mais schossen an der Chicagoer Börse gleichermaßen in die Höhe. Nach dem vorangegangenen Unabhängigkeitstag in den USA scheint sich bei sehr hohen Temperaturen einiges aufgestaut zu haben, dass sich in einem explosionsartigen Kursanstieg an den Börsen auflöste. Das trockene und extrem heiße Wetter im Mittleren Westen soll noch ein paar Tage anhalten. Erst in der nächsten Woche soll es etwas abkühlen und Chancen für Niederschläge geben. Parallel zu dem neuen Preissprung stiegen die offenen Positionen der großen Chicagoer Agrarfutures kräftig an. Dies lässt vermuten, dass wie zu Beginn der Rallye in der vorletzten Juniwoche die Fonds verstärkt in die Agrarfutures eingestiegen sind. Inzwischen gelten die Chicagoer Futures allerdings als überkauft und könnten anfällig für kurzfristige Korrekturen werden.  An der Matif schlossen Weizen, Mais und Raps ebenfalls mit kräftigen Notizgewinnen. Die offenen Positionen stiegen für alle Produkte weiter an. Rohöl notierte durchwachsen und tritt als Einflussfaktor für die Agrarmärkte etwas in den Hintergrund
 
Weizen: An der Matif hat sich der Aufwärtstrend beim Weizen nach deutlichen Kursgewinnen fortgesetzt. Die Notierungen zogen für November über 6 €/t an. Sie profitierten auch von den festeren Chicagoer Märkten, waren aber schon vor der Öffnung der Chicagoer Börse auf den Weg nach oben. In Chicago sprangen die Weizenkurse knapp 14 US-$/t nach oben.
 
Neben der Getreideernte am Schwarzen Meer rückt der Zustand der Sommerweizenbestände mehr in den Fokus. Die Ernteerträge in der Schwarzmeerregion enttäuschen weiterhin bei Weizen. Die Wetterprognosen lassen am Schwarzen Meer in den kommenden beiden Wochen zudem kaum Niederschläge erwarten. Nach der Hitzeperiode befürchtet man inzwischen schon für einen Drittel der russischen Sommerweizenbestände Ertragseinbußen. In den USA leiden die Sommerweizenbestände unter Hitzestress. Für die europäische Weizenernte sieht es nicht ganz so schlecht aus, doch in Frankreich gibt es nach Regenfällen und unsicheren Wetteraussichten Befürchtungen über die Weizenqualitäten.
 
Die europäische Exportsaison für Weizen ist abgeschlossen. Die EU hat im Wirtschaftsjahr 2011/12 in der Summe 12,5 Mio. t Weichweizen exportiert (Vorjahr 18,5 Mio. t). Dem stehen Importe von 5,3 Mio. t in dieser Kampagne gegenüber, so dass sich ein Netto-Exportsaldo von 7,2 Mio. t ergibt. Die Weizenexporte einschließlich Mehl und Durum summierten sich in der EU im abgeschlossenen Wirtschaftsjahr auf gut 14,7 Mio. t (Vorjahr 21,5 Mio. t).
 
Mais: Mit dem heißen und trockenen Wetter verringern sich auch die Ertragsaussichten für die US-Maisernte weiter. Erste Analysten sehen das Ertragspotenzial nur noch bei 145 bis 150 Bushel/acre. Die FAO hat ihre Schätzung für die US-Maisernte auf 350 Mio. t nach unten korrigiert und die nächste USDA-Schätzung dürfte in eine ähnliche Richtung gehen. Die Maiskurse in Chicago reagierten mit einem kräftigen Kursanstieg von über 19 US-$/t für den Juli. Dies wäre normalerweise ein Limit up, doch für die Frontmonate gelten die täglichen Preislimits nicht.
 
An der Matif legten die Maisnotierungen eine beachtliche Rallye hin, und schlossen 9 €/t für die beiden vorderen Termine fester. Die Handelsaktivitäten mit mehr als 5.200 Kontrakten fielen für Mais ungewöhnlich hoch aus und lassen einen neuen Umsatzrekord vermuten. Die EU hat im abgelaufenen Wirtschaftsjahr 6,1 Mio. t Mais importiert. Nach Abzug der Eporte ergibt sich ein Netto-Einfuhrsaldo von 3,06 Mio. t.
 
In der Ukraine hat das offizielle ‚Wetterzentrum‘ seine Ertragsprognose für die kommende Maisernte auf 20 bis 21 Mio. t zurückgenommen. Die Schätzung des ukrainischen Agrarministeriums lag zuletzt noch bei 25 Mio. t.
In Brasilien ist dagegen die Maisernte besser ausgefallen als zuletzt erwartet, denn die offizielle Ernteschätzung wurde um 2 Mio. t auf 69,5 Mio. t angehoben. Damit hat Brasilien 12,1 Mio. t Mais mehr als im Vorjahr geerntet.
 
Sojakomplex: Beim Sojakomplex fielen die Notizgewinne erneut am höchsten aus. Die Bohnen legten um die 20 US-$/t zu, Sojaschrot notierte im vorderen Bereich sogar noch höher. Die Julinotierung sprang über 16 US-$/Bushel und setzte eine neue Landmarke. Die Tageshöchstpreise für die Julibohne lagen nicht mehr allzu entfernt vom Rekordwert des Jahres 2008. Die offenen Positionen haben sich parallel dazu signifikant vergrößert. Ähnlich wie beim Mais sollen sich die Fonds in den vergangenen Tagen bei der Rallye zurückgehalten haben. Der neuerliche starke Anstieg der offenen Positionen lässt jedoch einen erneuten Einstieg der Fonds vermuten.
Brasilien hat das offizielle Ernteergebnis seiner Sojabohnenernte von 66,4 Mio. t endgültig bestätigt.  
 
Raps: Nach dem Durchbruch über die 500-Euro Marke sprangen die Rapsnotierungen an der Matif wie entfesselt nach oben. Zusätzliche Munition erhielten sie vom rasanten Anstieg der Sojabohnennotierungen. Der August-Raps notierte 8 €/t fester, für die Termine der neuen Jahr zogen die Kurse sogar fast 12 €/t an. Der Preissprung ging einher mit einem äußerst lebhaften Handelsvolumen und einem Zuwachs der offenen Positionen.
In Winnipeg schlossen sich die Canola-Notierungen dem sehr festen Umfeld an.
  
Rohöl: Die Rohölnotierungen schlossen durchwachsen. Die WTI Notierungen gaben leicht nach. Brent Crude Öl legte dagegen etwas zu und konnte sich auf über 100 US-$/t hocharbeiten. Der Streik der norwegischen Ölarbeiter soll sich verschärfen und nach Agenturberichten droht ein längerer Streit. Die Produktion auf den Ölplattformen wurde bereits heruntergefahren. Hinzu kommt eine stärkere Risikobewertung im Atomstreit mit dem Iran.
Der Einfluss der Rohölnotierungen auf die Agrarmärkte ist mit den Wettermärkten in den Hintergrund getreten. Die Commerzbank bewertet den Agrarsektor derzeit als „Überflieger“ an den Rohstoffmärkten. (St)
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