Tageskommentar Rohstoffe: Neuer Schub für die Weizenpreise

Die anhaltende Kältewelle in Europa hat den Weizenpreisen an der Matif zu einem weiteren Schub nach oben verholfen. Auch in Chicago notierte Weizen fester. Mais schloss in Übersee dagegen neutral. An der Matif ließen sich die Maisnotierungen vom festen Weizen inspirieren. Der Sojakomplex schloss ohne größere Kursveränderungen. Die Rapsnotierungen für die neue Ernte ziehen weiter an. Viele Agrarfutures profitierten von den jüngsten Kursanstiegen mit einem deutlichen Kapitalzufluss. Rohöl schloss uneinheitlich. Die Nordsee-Ölsorte Brent legte durch die unsichere Situation am Persischen Golf erneut zu.
 
Weizen: Die eisigen Temperaturen in Europa haben die Weizenpreise erneut ansteigen lassen. Erstaunlicherweise kam die Bewegung aus dem vorderen Markt, denn die Notierungen für die alte Ernte zogen bis zu 5 €/t und damit deutlicher als die Kurse für die neue Ernte an. Die Novembernotierung hat sich inzwischen aber auch auf über 200 €/t hochgearbeitet. Damit haben sich die Matifnotierungen auf den höchsten Stand seit knapp acht Monaten befestigt. Technische Chartsignale und Glattstellungen dürften am Vortag die Weizennotierungen zusätzlich unterstützt haben, denn die offenen Positionen gingen um 6.000 Kontrakte zurück.   Der Frost hat zu einem kräftigen Anstieg des Kontrakt-Engagements geführt. Von Ende Januar bis heute Morgen haben sich die offenen Positionen für den Matif-Weizen um 12.000 Kontrakte erhöht. Die Auswirkungen der Kältewelle lassen sich zwar noch nicht beurteilen, doch die Gefahr von Auswinterungsschäden bleibt sehr groß. In weiten Teilen Europas ist keine oder nur eine dünne Schneedecke auf den Feldern vorhanden.
 
In Chicago zogen die Kurse etwas an, wobei sich die Börse diesmal von Europa inspirieren ließ. Die netto Shortpositionen der spekulativen Fonds sind nach dem CoT-Report in der Vorwoche überraschenderweise gesunken, und zwar recht deutlich. Die nichtkommerziellen Teilnehmer haben ihre Position innerhalb einer Woche um über 21.000 Kontrakte abgebaut. Damit relativiert sich die Möglichkeit von überraschenden Preisausschlägen nach oben etwas.
 
Mais: Die Maisnotierungen blieben bei überschaubaren long-Liquidationen ohne größere Anregungen und schlossen in Chicago neutral. Doch das Interesse an den Maisfutures wächst. Am Vortag stiegen die offenen Positionen bei Mais erneut signifikant an. Seit Anfang Februar haben sie sich sogar um mehr als 43.000 Kontrakte erhöht. Am Donnerstag veröffentlicht das USDA seine neue Ernteschätzung. Man rechnet damit, dass die US-Maisbestände im Gegensatz zur Vormonatsschätzung nach unten korrigiert werden. Auch für südamerikanische Maisernten erwartet man eine Anpassung nach unten.
Der feste Weizen inspirierte auch die Maiskurse an der Matif bei recht gutem Geschäft zu Notizgewinnen bis 2,75 €/t.
 
Sojakomplex: Nach einer wechselhaften Sitzung stand bei Sojabohnen ein leichtes Plus und für Sojaschrot ein kleines Minus an der Anzeigetafel. Die Börsenhändler setzen aufgrund der kleineren südamerikanischen Sojabohnenernten auf verstärkte Nachfrage nach US-Bohnen. Die wöchentlichen Exportanmeldungen von 1 Mio. t scheinen dem Recht zu geben. Auch der Sojakomplex profitiert zurzeit vom Kapitalzufluss. Seit Anfang Februar stiegen die offenen Positionen um rund 13.000 Kontrakte an. Vom USDA-Report am Donnerstag erwartet der Markt eine Rückstufung der südamerikanischen Sojabohnenernten sowie der globalen und den US-Bohnenbestände.
 
Raps: Raps hält weiterhin seinen Kurs nach Norden. Vor allem die neue Ernte holt zurzeit kräftig auf. Der November schloss 3,25 €/t fester. Aber auch die alte Ernte schloss mit Kursgewinnen und der Mai notierte bereits über 450 €/t. Die Aktivitäten Matif scheinen sich auf die klassischen Teilnehmer zu konzentrieren, denn die offenen Positionen bewegen sich nicht nennenswert. An den Kassamärkten werden die Margen der Ölmühlen immer dünner.   
Canola Raps hat sich in Winnipeg ebenfalls befestigt.
 
Rohöl: Rohöl schloss wie so oft an den Vortagen mit unterschiedlichen Vorzeichen. Für WTI-Rohöl gaben die Kurse knapp 1 US-$/Barrel nach, für Brent Crude legten sie mehr als 1 US-$/Barrel zu. In die schwächeren WTI-Kurse sollen Sorgen über die Finanzkrise in Europa eingeflossen sein. Brent Crude Öl profitierte dagegen von der Kältewelle in Europa und von einer weiteren Risikoprämie, da der Iran hat mit einem Präventivschlag gegen Israel gedroht hat. (St)
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