Tageskommentar Rohstoffe: Niederschläge belasten die Weizennotierungen

An der Matif schlossen die Weizennotierungen für die neue Ernte erneut schwächer. Die Bedingungen für die europäische Weizenernte haben sich nach den jüngsten Niederschlägen deutlich verbessert. In Chicago hielten sich die Weizenkurse in einer Gegenreaktion auf die Vortagsverluste im grünen Bereich. Die Maiskurse für die alte Ernte notierten etwas fester. Der Sojakomplex legte einen weiteren Konsolidierungstag mit überschaubaren Kursverlusten hin. Raps schloss ebenfalls schwächer. Die Rohölnotierungen gaben stärker nach.
 
Weizen: Die Weizennotierungen an der Matif gaben für die alte Ernte geringfügig und für die neue Ernte bis zu 3 €/t nach. Die ergiebigen Regenfälle im April haben die Aussichten für die europäischen Weizenernten fast überall verbessert. Das französische Agraramt AgriMer hat die die Bonitierung der Weizenbestände in Frankreich gegenüber der Vorwoche nach oben korrigiert und bewertet 65 Prozent der Felder mit gut bis exzellent. Die FAO hat die kommende europäische Weizenernte inklusive Durum auf 135 Mio. t geschätzt und liegt damit in Linie mit anderen Prognosen. Die Weizenexporte aus der EU haben sich in der Vorwoche abgeschwächt. Die vergebenen Exportlizenzen für Weichweizen fielen mit 164.000 t unterdurchschnittlich aus.
 
In Chicago konnten sich die Weizennotierungen als Gegenreaktion auf die strammen Verluste des Vortrags zumindest in den grünen Bereich retten. Die Aussichten für die US-Weizenernten sind ausgezeichnet. Bei der Erntebereisung im Kansas wurde das sehr hohe Ertragspotenzial erneut bestätigt. Auch die Sommerweizenbestände sind sehr gut in die neue Saison gestartet.
 
In Indien zeichnet sich eine Rekordweizenernte von 91 Mio. t ab, die die Vorjahresernte um fast 13 Prozent übertrifft. Die FAO hat ihre Einschätzung für die globale Weizenernte um 15 Mio. t auf 675 Mio. t nach unten korrigiert. Damit würde die diesjährige Ernte 25 Mio. t kleiner als im Vorjahr ausfallen. Mit einem Verhältnis von Endbeständen zum Verbrauch von 21,7 Prozent lassen sich nach der Prognose auf dem Globus keine Versorgungsprobleme erwarten.
 
Mais: Mit unterschiedlichen Vorzeichen schlossen die Maisnotierungen Chicago für die alte und neue Ernte. Die alte Ernte notierte bei der engen US-Maisbilanz etwas fester. Die neue Ernte gab leicht nach, denn die Wachstumsbedingungen für die US-Maisernte sind mit wärmeren Temperaturen und Regen ausgezeichnet. Die mit fast 3,5 Mio. t höchsten wöchentlichen Exportzahlen seit 1991 lösten keine Euphorie aus, denn sie beinhalten die schon in der Vorwoche bekannt gewordenen umfangreichen Exporte. Sie waren bereits eingepreist. Die brasilianische Maisernte wird nach Einschätzung des US-Landwirtschaftsattaches in Brasilien mit 64,5 Mio. t besser ausfallen, als zuletzt geschätzt.
An der Matif schloss sich Mais der schwächeren Tendenz des Weizens an.
 
Sojakomplex: Der Sojakomplex legte einen weiteren Konsolidierungstag in einem überkauften Markt ein. Nach überschaubaren Liquidationen gaben die Kurse sowohl für Sojabohnen als auch für Sojaschrot etwas nach. Auch negative charttechnische Signale belasteten die Kurse, denn die Bohnen haben die psychologische Marke von 15 US-$/Bushel nicht halten können. Selbst die ausgezeichneten Exportzahlen von 1,7 Mio. t Sojabohnen für die alte und neue Ernte konnten die Stimmung nicht heben. Man geht davon aus, dass China den größten Teil seiner Importe für diese Kampagne in den Büchern hat und in Kürze Sojabohnen aus den staatlichen Beständen für den Binnenmarkt freigeben wird.
 
Raps: Der Rapsmarkt bleibt in sich fest, auch wenn die Kurse am Donnerstag für die neue Ernte mit schwächeren Sojabohnenkursen bis zu 4 €/t nachgegeben. Dennoch ist die heimische Ölsaat kein Selbstläufer mehr und der Einfluss der Sojabohnen und auch der Finanzmärkte bleibt auf dem hohen Niveau stark spürbar.
In Winnipeg gaben die Canola-Notierungen ebenfalls nach.
 
Rohöl: Die Rohölkurse fielen für beide Ölsorten weit mehr als 2 US-$/Barrel ins Minus. Einschätzungen der Europäischen Zentralbank über unsichere konjunkturelle Entwicklungen in Europa und fehlende Hinweise auf weitere geldpolitische Maßnahmen waren der Schlüsselfaktor für die Korrektur. Hinzu kamen schwache US-Konjunkturdaten und die Nachwirkungen der weiter angestiegen Rohölbestände in den USA. (St)
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