Tageskommentar Rohstoffe: Niedrigere russische Bestände geben Weizen Auftrieb


Sehr niedrige Getreidebestände in Russland haben die Börsen in Chicago und in Paris zu Kursgewinnen für Weizen animiert. Die Maisnotierungen schlossen ebenfalls fester. Im Sojakomplex gaben Bohnen und Schrot nach. Raps schloss knapp behauptet. Der Kursanstieg bei Rohöl setzt sich fort.
 
Weizen: Nach einer Schätzung von SovEcon sind die Getreidebestände der russischen Landwirtschaft Anfang August auf den niedrigsten Wert seit 2006 gefallen. So sollen nur noch 15,7 Mio. t Getreide auf den russischen Betrieben lagern. Dies wären 18 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Weizenbestände taxieren die russischen Analysten auf 10,6 Mio. t. Die niedrigen Getreidebestände werden auf aggressive Käufe und einen harten Wettbewerb der Exporteure zurückgeführt.
Die Börsen reagierten auf die Meldung aus Russland mit Kursgewinnen. An der Matif zogen die Weizennotierungen 3,50 €/t und in Chicago 5,50 US-$/t an.

Strategie Grains hat seine Schätzung für die europäische Weizenernte um 1,9 Mio. t auf 133 Mio. t nach oben korrigiert. Für Weichweizen erwarten die französischen Analysten eine europäische Ernte von 125,3 Mio. t. Sie sehen ähnlich wie das USDA ein Exportpotenzial von 16,4 Mio. t für Weizen aus der EU.
Die EU-Kommission hat in der laufenden Woche 292.000 neue Exportlizenzen für Weichweizen erteilt. Davon wurden 85.000 t in Deutschland gezogen.
 
Mais: Die Chicagoer Maisnotierungen profitierten von höheren Weizennotierungen und schlossen mit leichten Kursgewinnen. Über die ersten Maiserträge im Süden der USA gibt es widersprüchliche Aussagen. Entgegen den Meldungen zum Wochenbeginn sollen die Erträge in den frühen Erntegebieten doch erheblich schlechter ausfallen als erwartet.
Ein großes brasilianisches Handelshaus hat angekündigt, dass es Mais in die USA exportieren will. Dies hieße zwar „Eulen nach Athen tragen“, doch Brasilien hat eine Rekord-Maisernte von knapp 73 Mio. t mit einem erheblichen Exportüberschuss eingefahren, während die Maisbilanz in den USA durch die Dürre äußerst knapp wird.

An der Matif bewegt sich bei Mais außer den Notierungen nur sehr wenig. Die Kurse zogen zwar bis zu 3,50 €/t an, doch dahinter stand erneut nur ein minimales Handelsvolumen. Die Maisfutures in Paris scheinen derzeit kaum jemand zu interessieren. Dabei hat Strategie Grains in seinem neuen Monatsbericht die Schätzung für die europäische Maisernte auf 58,1 Mio. t zurückgenommen. Aufgrund der niedrigen Erträge in Südeuropa könnte die diesjährige europäische Maisernte danach 12,5 Prozent kleiner als im Vorjahr ausfallen.
 
Sojakomplex: Der Sojakomplex schloss schwächer. Bei Sojabohnen drückten Gewinnmitnahmen auf die Kurse. Ein Sturm-System soll für reichlichere Niederschläge in zentralen Teilen des Mittleren Westens gesorgt haben. Die Wettermodelle für August sehen für die US-Bohnenernte derzeit eher vorteilhaft auf, doch immerhin sollen noch rund 30 Prozent der Bestände unter stressigen äußeren Bedingungen leiden. Die wöchentlichen US-Exportzahlen von 1 Mio. t Sojabohnen fielen überraschend hoch aus.
Argentinien beziffert seine diesjährige Sojabohnenernte offiziell auf 40,1 Mio. t. Dies sind 900.000 t weniger als die USDA-Schätzung. Damit werden sich die Anfangsbestände der neuen Kampagne entsprechend reduzieren.
 
Raps: Nach einer Sitzung mit wechselnden Vorgaben schlossen die Rapsnotierungen für die beiden vorderen Termine mit einem leichten Minus. Am Markt scheint sich eine abwartende Haltung bemerkbar zu machen - man wartet auf neue Vorgaben aus den USA und vom Sojakomplex.
In Winnipeg schlossen die Canola-Kurse mit einem überschaubaren Plus.
 
Rohöl: Der Aufwärtstrend bei Rohöl hält an. Festere Aktienmärkte, positive Daten vom US-Immobilienmarkt, ein etwas schwächerer US-Dollarkurs und der Atomstreit mit dem Iran waren die Argumente für den neuerlichen Preisanstieg. Die Commerzbank hält den Preisanstieg bei dem derzeitigen Überangebot an den globalen Rohölmärkten für nicht gerechtfertigt. (St) 
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