Tageskommentar Rohstoffe: Rapskurse brechen mit Sojabohnen ein

Die scharfe Korrektur beim Sojakomplex hat sich fortgesetzt. Die Sojanotierungen gaben erneut kräftig nach und ließen auch die Rapskurse an der Matif einbrechen. Weizen und Mais scherten sich die Turbulenzen an den volatilen Ölsaatenmärkten wenig und schlossen in Chicago gut behauptet. An der Matif gaben die Weizenkurse etwas nach. Rohöl hat seine Abwärtsbewegung fortgesetzt.
 
Weizen: Mit den Aussichten auf bessere Weizenernten in Europa standen die Notierungen an der Matif unter leichtem Druck und gaben etwas nach. Auch die schwächere Stimmung an den Finanzmärkten drückte etwas auf die Stimmung. Nach Einschätzungen von Händlern soll der europäische Weizen trotz des schwachen Euros zurzeit wenig konkurrenzfähig gegenüber dem US-Weizen sein.
In Chicago schlossen die Weizenkurse für die vorderen Termine gut behauptet. Bei einem festeren US-Dollarkurs blieb der Handel ohne nennenswerte Impulse. Die wöchentlichen US-Exportanmeldungen von 762.000 t fielen besser als erwartet aus. Die Fonds haben ihre netto-Shortpositionen gegenüber der Vorwoche weiter ausgebaut. Der Zustand der US-Winterweizenbestände hat sich etwas verschlechtert. Gegenüber der Vorwoche wurde die Bonitierung ‚gut bis exzellent‘ um 3 Prozent zurückgenommen.
 
Mais: Auch bei Mais fehlten die Anregungen. Die Notierungen schlossen mit einem leichten Plus. Ein überverkaufter Markt überwog die bärischen Einflüsse der guten Wetterbedingungen auf den US-Maisfeldern. Die Maisaussaat ist gut vorangekommen und am Wochenanfang waren in den USA bereits 87 Prozent der geplanten Flächen bestellt. Auf mehr als der Hälfte davon ist der Mais bereits aufgelaufen.
An der Matif gaben die Maiskurse für Juni 1,50 €/t nach. In Frankreich ist die Maisaussaat ebenfalls gut vorangekommen und zu etwa dreiviertel abgeschlossen.
 
Sojakomplex: Neuerliche Positionsbereinigungen setzen den Sojakomplex massiv unter Druck. Die Bohnen schlossen bis zu 10 US-$/t schwächer, zwischenzeitlich war das Minus noch größer. Die Sojaschrotnotierungen gaben ebenfalls nach. Der Abbau der netto-long-Position aus der Vorwoche hat sich zum Wochenanfang fortgesetzt. Im Markt rechnet man mit einer sehr frühen Weizenernte und einem verstärkten Nachbau von Sojabohnen nach Weizen. Zusätzlicher Druck auf den Sojakomplex kam durch die schwachen externen Märkte und Commodities auf. Zügig vorangekommen ist die Bohnenaussaat in den USA. Am Wochenanfang waren 46 Prozent der Sojabohnen bereits im Boden. China will seine Sojabohneneinfuhren im Mai wieder forcieren und erwartet eine Importmenge von 5,6 Mio. t im laufenden Monat. Dies wäre ein Plus von 15 Prozent gegenüber dem Vormonat.
 
Raps: Mit den Turbulenzen am Sojamarkt brachen die Rapsnotierungen an der Matif zeitweise regelrecht ein. Bei Börsenschluss stand ein Minus von 13,50 €/t an der August-Notierung. Zwischenzeitlich waren die Verluste sogar noch größer. Die rückläufigen Rohölnotierungen verstärkten den Druck auf den Rapsmarkt zusätzlich. Die kräftige Korrektur kam bei einem sehr guten Handelsvolumen zustande.
In Winnipeg bewegten sich die vorderen Kursverluste für Canola-Raps auf ähnlichem Niveau wie in Paris.
 
Rohöl: Der Abwärtstrend beim Rohöl hat sich fortgesetzt. Seit Anfang Mai bewegen sich die Rohölnotierungen nur nach unten, von  minimalen Abweichungen abgesehen. Schwache Aktienmärkte und die erneut eskalierende Schuldenkrise in Europa drückten auf die Kurse, die zeitweise kräftig nachgaben. In Griechenland ist eine Lösung der Krise und eine Regierungsbildung nicht in Sicht. Spanien gerät immer stärker ins Visier der Finanzmärkte. Hinzu kamen Äußerungen aus Saudi-Arabien, nach denen die Saudis den Preis für Brent Crude Öl auf 100 US-$/Barrel herunterdrücken möchten. Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur IEA übersteigen die globalen Fördermengen die Nachfrage um 1,5 Mio. Barrel/Tag. Die Commerzbank macht in erster Linie den massiven Ausstieg der spekulativen Anleger aus den Rohöl-Futures für den Preisrückgang verantwortlich. (St)
stats