Tageskommentar Rohstoffe: Rapsnotierung steigt auf höchsten Stand aller Zeiten


Der Höhenflug der Börsennotierungen hält an. In Chicago machten der Sojakomplex, Mais und Weizen weitere Sprünge nach oben. Die Sorge um niedrige Mais- und Bohnenerträge nimmt zu, denn die Wetteraussichten im Mittleren Westen lassen kein Ende der Stresssituation erkennen. Der Zustand der US-Mais- und Sojabohnenpflanzen hat sich schon fast dramatisch verschlechtert. Dies lässt weitere Kurssprünge nach oben erwarten.
Die europäischen Märkte bewegen sich mit diesem Szenario ebenfalls nach oben, denn auch in Westeuropa werden schon erhebliche Qualitätseinbußen bei der Weizenernte befürchtet. Die Getreideernten am Schwarzen Meer werden zudem stetig weniger. Raps kletterte an der Matif auf die höchste Notierung aller Zeiten. Rohöl hielt die Aufwärtstendenz bei.
 
Weizen: In Chicago zogen die Weizennotierungen über 13 US-$/t an. An der Matif sprangen die Weizenkurse über die nächste Zehnerhürde und schlossen für November bei 264 €/t. Die Rallye erhält auch Treibstoff durch ernsthafte Befürchtungen über die Qualität der europäische Weizenernte. Nach dem Dauerregen sehen Analysten in Nordfrankreich, Großbritannien und Irland einen massiven Krankheitsdruck in den Weizenbeständen. Die französische Weizenernte liegt erheblich hinter dem Stand der Vorjahre zurück und gerade einmal 3 Prozent der Flächen sollen geräumt sein. Im Vorjahr waren es zu dieser Zeit schon fast die Hälfte. In Deutschland drohen bisher noch keine erkennbaren Qualitätseinbußen, denn der Weizen ist in der Entwicklung hinter den Vorjahren zurück.

Das russische Landschaftsministerium erwartet offiziell nur noch eine Weizenernte von 45 Mio. t. Analysten sehen bereits das Risiko, dass Russland im diesem Jahr erneut einen Exportstopp verhängen könnte. In Australien wurden die Ernteprognosen für die nächste Weizenernte auf 24 bis 26 Mio. t zurückgenommen. Dort könnte die Ernte im kommenden Jahr 4 bis 5 Mio. t kleiner als in beiden Vorjahren ausfallen.
 
Mais: Trotz kleiner Regenfälle in den östlichen Teilen des US-Maisgürtels bleiben die äußeren Bedingungen im zentralen Teil des Mittleren Westens äußerst ungünstig. Die Chicagoer Maisnotierungen sprangen über 14 US-$/t nach Norden. Die Wetteraussichten verheißen kaum Niederschläge und Temperaturen bis zu 39 °C in der Spitze. Die Ertragsaussichten für die US-Maisernte schwinden, denn in der nachbörslichen Erntebonitierung wurde der Zustand der guten bis exzellenten Feldbestände um dramatische 9 Prozentpunkte abgewertet. Die kräftige Korrektur dürfte weitere Kurssprünge auslösen.
  
Auch an der Matif hält der Höhenflug der Maiskurse an. Die August legte 8,50 €/t zu und die Kurse sind auf dem besten Weg zu neuen Höchstständen. Allerdings kommt für den in kürze auslaufenden August auch Technik ins Spiel. Der November zog über 7 €/t nach oben.
 
Sojakomplex: Zum Wochenanfang startete der Sojakomplex mit einem Plus von mehr als 14 US-€/t für Sojabohnen und für Sojaschrot. Der größte Teil der US-Bohnenfelder blieb am Wocheenende trocken. Für die nächsten 14 Tage sind überdurchschnittliche Temperaturen und kaum Niederschläge in Aussicht. Analysten halten die Ertragsprognose des USDA von 40,5 Bushel/acre für die US-Sojabohnenernte inzwischen zu hoch. Die wöchentliche Bonitierung der US-Sojabohnenbestände für die Kategorien gut bis exzellent wurde um 6 Prozentpunkte zurückgenommen.

Ein kleiner Lichtblick für das kommende Jahr kommt aus Brasilien. Dort erwartet man eine kräftige Ausdehnung der Sojabohnenfläche und unter normalen Wetterbedingungen eine Rekordernte von 83 Mio. t. Damit könnte Brasilien erstmals die USA als größten globalen Sojabohnenproduzenten ablösen.
 
Raps: Die Rapsnotierungen flogen auf Rekordhöhe. Im Laufe der Sitzung markierten sie an der Pariser Börse mit 526,50 €/t den höchsten Stand aller Zeiten. Bei Börsenschluss lagen die Notierungen allerdings etwas darunter.
Großbritannien hat nach Einschätzung des britischen Getreideamtes HGCA zwar die Rapsanbaufläche um 4,5  Prozent gegenüber dem Vorjahr ausgedehnt, erwartet aber aufgrund der ungünstigen Wetterbedingungen keine Rekordernte.
In Winnipeg schossen die Canola-Kurse im zweistelligen Bereich nach oben.
 
Rohöl: Bei Rohöl setzte sich zum Börsenschluss eine festere Tendenz durch. Die WTI-Kurse profitierten von festeren Konjunkturdaten aus den USA. Bei Brent Crude Öl werden wieder Risikoprämien eingepreist, zumal der Iran weiter mit dem Säbel rasselt. Die vereinigten Arabischen Emirate haben eine Pipeline in Betrieb genommen, mit denen Sie die Krisen-gefährdete Straße von Hormus umgehen können. (St) 
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