Tageskommentar Rohstoffe: Rekordverdächtige Weizenumsätze an der Matif


Die Terminmärkte haben sich nach dem kräftigen Preisanstieg vom Wochenbeginn wieder etwas beruhigt. Die Weizenkurse in Chicago und in Paris hielten ihre Aufwärtstendenz bei und schlossen mit kleinen Kursgewinnen. Bei Mais setzte sich die Rallye fort, speziell für die Wintertermine. Der Markt geht weiterhin von einer reduzierten Ertragserwartung für die US-Maisernte aus. Der Sojakomplex legte einen Konsolidierungstag an und schloss nach Gewinnmitnahmen schwächer. Die Rapskurse konnten sich trotzdem für die vorderen Termine im grünen Bereich halten. Brent Crude-Rohöl legte zu.
 
Weizen: An den Weizenmärkten gab es keine neuen Nachrichten. Die freundlichere Tendenz hat sich weiter fortgesetzt. An der Matif legte der November leicht zu. Das Geschäft an der Pariser Börse brummt, die Aktivitäten sind äußerst lebhaft. Am Montag und am Dienstag wurden in der Summe 6,6 Mio. t Weizen gedreht. Ein Kuriosum am Rande ist der Kursgewinn von 6,50 €/t für den August-Termin, hinter dem allerdings nur vier gehandelte Kontrakte standen. Der August als Börsentermin für den Weizen wird in diesem Jahr letztmalig notiert.
 
In Chicago konnten sich die Weizennotierungen mithilfe von Shortabdeckungen mit überschaubaren Kursgewinnen behaupten. Am Freitag veröffentlicht das USDA eine neue Bestandes- und Flächenschätzung. Es wird erwartet, dass die US-amerikanischen Sommerweizenflächen etwas größer ausfallen könnten, als im März prognostiziert. Kanada wird heute eine neue Flächenschätzung vorlegen. Der Markt geht davon aus, dass die kanadischen Weizenflächen zugunsten der Rapsaussaat reduziert wurden.
 
Mais: In Chicago setze Mais seine Rallye für die neue Ernte fort. Der Dezember notierte knapp 12 US-$/t im Plus. Die Kurse stiegen auf den höchsten Stand seit neun Monaten. Reduzierte Ertragserwartungen für die US-Maisernte führten zu weiteren Risikoprämien. Gewinnmitnahmen zu Börsenbeginn und möglicherweise Shortabdeckungen zum Börsenschluss ließen die offenen Positionen der Chicagoer Maisfutures deutlicher zurückgehen. Die Wetteraussichten für weite Teile des mittleren Westens bleiben für die kommenden 6 bis 10 Tage überwiegend heiß und trocken.
An der Matif konnte sich Mais nach leichten Kursgewinnen behaupten. Der Handel mit Maisfutures hat sich in den vergangenen beiden Tagen deutlich belebt. Die 4.800 gehandelten Kontrakte vom Vortag sind für Mais ungewöhnlich viel und stellen einen Umsatzrekord in diesem Jahr dar. Die Liquidität des Matif-Maiskontraktes ist weitaus kleiner als Raps und erst recht nicht vergleichbar mit dem äußerst liquiden Weizenkontrakt.
 
Sojakomplex: Gewinnmitnahmen vor dem Flächen- und Bestandsreport des USDA am kommenden Freitag setzen die Sojabohnen- und Sojaschrotnotierungen unter Druck. Die Schrotnotierungen gaben sogar mehr als 6 US-$/t nach. Man erwartet, dass die US-Sojabohnenfläche größer ausfallen könnte, als das USDA im März geschätzt hatte. Die Wetteraussichten in weiten Teilen des mittleren Westen bleiben ‚hot and dry‘, doch in einigen Teilen soll es ab Montag etwas kühler werden und es könnte etwas regnen. Die kritische Phase für die Ertragsbildung beiden US-Sojabohnen setzt erst Ende Juli und im August ein und die gegenwärtigen Wettermarktnotierungen beruhen mehr auf Spekulationen als auf konkreten Befürchtungen.
 
Raps: Die Rapsnotierungen standen zunächst unter Druck, konnten sich aber bis Börsenschluss von den schwachen Vorgaben des Sojakomplexes lösen. Der August notierte 3,75 €/t fester. Möglicherweise gab es etwas Unterstützung von den festeren Rohölnotierungen. Auch die später als erwartete EU-Rapsernte könnte sich positiv auf den Frontmonat ausgewirkt haben, denn die Termine im neuen Jahr gaben leicht nach.
In Winnipeg notierte Canola-Raps zur neuen Ernte etwas schwächer.  
 
Rohöl: Die Notierungen für Brent Crude Öl zogen vor dem Start des EU-Embargos für Öllieferungen aus Iran um 2 US-$/Barrel an. Das Embargo tritt zum 1. Juli in Kraft und damit kam wieder mehr Unsicherheit in die Märkte. Vor dem Atomstreit mit dem Iran und dem Embargobeschluss hatte die EU 5,7 Prozent ihrer Öllieferungen aus dem Iran bezogen. Der Iran hatte knapp ein Viertel seiner Ölproduktion in die EU geliefert. Auch Südkorea wird zum 1. Juli seine Öleinfuhren aus Iran komplett einstellen. Ähnlich wie die EU hat Südkorea den Bezug von iranischem Öl bereits seit Monaten stetig zurückgefahren. WTI-Öl gab seine Tagesgewinne nach schwächeren Konsumdaten aus den USA wieder weitestgehend ab. (St)
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