Tageskommentar Rohstoffe: Roter Tag auf allen Märkten

Die Terminmärkte standen von Schweinehälften bis zu Edelmetallen unter kräftigen Preisdruck. Gewinnmitnahmen und Liquidationen ließen Raps und Sojabohnen mit deutlichen Kursverlusten schließen. Nach den strammen Kursgewinnen der Vorwochen war eine kleine Korrektur schon beinahe überfällig. Auch Mais und Weizen gaben in dem schwachen Umfeld nach. Rohöl notierte ebenfalls schwächer. Heute Morgen sehen die Vorzeichen in Chicago wieder neutraler bis freundlich aus.
 
Weizen: In dem schwachen Umfeld aller Commodities konnten sich die Weizennotierungen noch am besten aus der Affäre ziehen. An der Matif gab es Notizverluste von knapp 2 €/t für die alte Ernte, in Chicago gaben die Kurse 3,50 US-$/t nach. Die Vorgaben aus Übersee bestimmten den Kursverlauf an der Pariser Börse. Fundamental dürften die größer als erwarteten Auswinterungsschäden in Europa den Notierungen für die neue Ernte zugute kommen. In Chicago resultierte der Druck auf die Weizenpreise auch aus den ausgezeichneten Wetteraussichten für die heranwachsende US-Weizenernte. Die Bonitierung der Feldbestände in den wichtigen Anbauregionen für Hard-Red-Winterweizen wurde nach oben korrigiert.
 
Marokko wird sich in diesem Jahr in die Reihe der größeren Weizenimporteure einreihen. Der Winter war ungewöhnlich trocken und seit September fiel in Marokko nur die Hälfte der üblichen Niederschlagsmenge. Man rechnet damit, dass die marokkanischen Weizenimporte in dieser Kampagne auf ein neues Rekordniveau von 5,6 Mio. t steigen. Davon könnte der europäische Weizen profitieren, für den Marokko ein klassisches Absatzgebiet ist.
 
Mais: Die breit basierte Commodityschwäche drückte die Maiskurse in Chicago über 6 US-$/t nach unten. Die Fonds liquidierten umfangreiche Positionen und nahmen Gewinne mit. Die offenen Positionen reduzieren sich seit einigen Tagen. Es finden erste Positionsbereinigungen vor dem Schlüssel-Report des USDA Freitag kommender Woche statt, in dem erstmals eine dezidiertere Anbauschätzung für die Sommerkulturen veröffentlicht wird. Auch schwächerer Konjunktursignale aus China drückten auf die Maisnotierungen. Anzeichen für chinesische Maiskäufe in den USA waren zudem weit und breit nicht zu sehen.
Mit Kursverlusten von 2,50 €/t beendete Mais an der Matif seine Sitzung.
 
Sojakomplex: Die schwachen Vorzeichen vom Vortag setzen sich beim Sojakomplex verstärkt fort. Mit einem Minus von knapp 8 US-$/t kam es nach der stramme Rallye der Vorwochen erstmals seit Ende Januar zu einer etwas deutlicheren Kurskorrektur bei Sojabohnen. Das schwache Gesamtumfeld, Befürchtungen über verhaltene Sojabohnenkäufe Chinas, Liquidationen und Gewinnmitnahmen bestimmten die Sitzung. Die Sojabohnenfutures haben in den vergangenen Wochen einen enormen Kapitalzufluss verzeichnet und die netto-Longpositionen bewegen sich in rekordverdächtigen Größenordnungen. Der Markt gilt als überkauft. Die Sojaschrotnotierungen gaben fast 6 US-$/t nach. In Argentinien dauert der Streik der LKW-Fahrer weiterhin an.
 
Raps: Die schwachen Bohnenkurse schlugen dem Matif-Raps kräftig aufs Gemüt und sorgten für Kursverluste bis zu 6,25 €/t. Nach dem kräftigen Preisanstieg vorangegangen Wochen war eine kurzfristige Korrektur eigentlich überfällig. Die fundamentalen Daten bleiben fest, weitere Gewinnmitnahmen lassen sich auf dem hohen Niveau jedoch kaum ausschließen.
Die Canolakurse in Winnipeg brachen mit den Bohnennotierungen ein und gaben mehr als 10,0 Can-$/t nach.
 
Rohöl: Die Ankündigung Saudi-Arabiens, seine Fördermenge auszuweiten, ließ die WTI-Notierungen bis knapp 2,50 US-$/Barrel im Minus schließen. Brent Crude Öl notierte ebenfalls schwächer. Saudi-Arabien will mit einer höheren Fördermenge für einen „gerechten“ Rohölpreis von um die 100 US-$/Barrel sorgen. Um die Produktion zu steigern, sollen stillgelegte Ölfelder wieder geöffnet werden. Nach eigener Einschätzung können die Saudis in kurzer Zeit ihre derzeitige Ölförderung von 9,9 Mio. t pro Tag um 2 Mio. Barrel täglich erhöhen.
Die Ölförderung Libyens hat sich sehr schnell erholt und die Exporte liegen mit 1,4 Mio. Barrel Rohöl am Tag sogar etwas höher als vor dem Bürgerkrieg. Der Ölmarkt ist sehr gut versorgt, doch die Finanzanleger lassen sich nicht sonderlich von fundamentalen Daten beeindrucken. Angesichts der angekündigten höheren Ölförderung Saudi-Arabiens blieben die Reaktionen an den Rohölbörsen doch sehr überschaubar. (St)
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