Tageskommentar Rohstoffe: Russische Ernteschätzungen bringen Weizenkurse auf Fahrt


Die Weizennotierungen an der Matif und in Chicago haben sich nach zurückgenommenen Schätzungen für die russische Getreideernte befestigt, zwischenzeitlich sogar recht deutlich. Mais blieb ohne Impulse und schloss leicht schwächer. Auch dem Sojakomplex fehlten Anregungen, die Kurse schlossen nur wenig verändert. Für Raps hat sich die Kurskorrektur fortgesetzt. Die Rohölnotierungen waren rückläufig.
 
Weizen: Nach der Veröffentlichung von neuen Schätzungen über die russischen Getreideernte gerieten die Weizenpreise hüben wie drüben in Fahrt. An der Matif stiegen sie zwischenzeitlich sprunghaft um über 9 €/t an und kurzfristig auf den höchsten Stand seit September 2008. Sie gaben zwar den größten Teil ihrer Notizgewinne wieder ab, schlossen aber 3,25 €/t fester. Damit hievte sich die November-Schlussnotierung auf über 180 €/t.
Zuvor hatten die Analysten von SovEco die russische Getreideernte auf nur noch 70 bis 75 Mio. t heruntergestuft.  Auch die optimistische Lobbyistengruppe der Russischen Getreideunion hat ihre Schätzung auf 75 bis 78 Mio. t nach unten korrigiert. Gerüchte, dass Russland durch die niedrige Getreideernte Exportrestriktionen beabsichtige, heizten die Marke zusätzlich an. Von offizieller russischer Seite wurde ein möglicher Exportstopp dementiert.
In Chicago eröffnete Weizen nach den russischen Schätzungen sehr fest, gab aber auch dort einen Teil der Gewinne ab und schloss moderat im Plus.
 
Mais: Die Chicagoer Maisnotierungen stehen im Zeichen eines Wettermarktes, doch diesmal mit geänderten Vorzeichen. Die guten Wachstumsbedingungen lassen keine Spekulationen auf eine schwache Maisernte zu. Schwächere Rohölnotierungen drücken zusätzlich auf die Preise und Weizen konnte die Maisnotierungen nicht mit nach oben ziehen.
An der Matif profitierten die Maispreise mit Kursgewinnen von 2 €/t für den August und mit einem leichten Kursanstieg für November von den festeren Weizennotierungen.
 
Sojakomplex: Die Nachrichtenlage bei Sojabohnen bleibt dürftig, das Wetter für die US-Bohnen vorteilhaft und die Aktivitäten unspektakulär. Die Sojabohnen schlossen mit einem geringfügigen Minus. Die Augustnotierung blieb einstellig und unter 10 $/ je Bushel (367 US-$/t). Sojaschrot notierte knapp im grünen Bereich und profitierte von schwächeren Sojaölnotierungen.
 
Raps: Die Kurskorrektur am Rapsmarkt sich fortgesetzt. Nach einem Minus von 4 €/t für August und November hat das Chartbild einen Knick bekommen. Nach dem vorangegangenen stammen Preisanstieg ist die Konsolidierung nicht ungewöhnlich. Substanziell bleibt der Rapsmarkt fest, auch wenn sich die Notierungen seit Beginn der Korrektur zur Monatsmiete um 18 €/t abgeschwächt haben.  Der Preisrückgang ging parallel mit einem starken Abbau der offenen Positionen von etwa 12.800 Kontrakten einher. Damit lassen sich die zumindest ein Teil der Notizverluste mit Gewinnmitnahmen erklären.
Auch in Winnipeg hat Canola-Raps seinen Höhenflug eingestellt und notierte dreimal in Folge schwächer. Am Vortag gaben die Kurse um 2,20 Can-$/t nach.
 
Rohöl: Schwache US-Konjunkturdaten brachten die Rohölnotierungen an der Nymex wieder ins Rutschen und ließen sie unter 77 US-$/Barrel schließen. Der Tropensturm Bonnie ist ohne Schäden an den Ölförderanlagen Golf von Mexiko abgedreht und wirkte zusätzlich belastend. (St)
 
stats