Tageskommentar Rohstoffe: Russlands Exportstopp lässt Weizenpreise explodieren


Der russische Exportstopp für Getreide hat an den Terminmärkten einen rasanten Anstieg der Weizennotierungen ausgelöst. In Chicago schlossen die Kurse im Limit up und an der Matif legten die Notierungen zwischenzeitlich im zweistelligen Prozentbereich zu. Die elektronische Börse in Chicago deutet heute Morgen eine Fortsetzung der turbulenten Preisentwicklung für Weizen an. Die Mais- und Sojanotierungen schlossen in Chicago nur mit moderaten Notizgewinnen. An der Matif legte Mais dagegen deutlicher zu. Mit knapp zweistelligen Notizgewinnen setzte Raps seine Aufwärtsbewegung fort.
 
Weizen: Die Chicagoer Börse hat auf den befristeten Stopp der russischen Getreideexporte mit einem Kursfeuerwerk reagiert. Die Kurse schlossen für den Frontmonat September im Limit up und schöpften mit einem Plus von 22 US-$/t die höchstmöglichen täglichen Kursgewinne aus. Der Dezember schloss nur knapp darunter. Auch die Weizenbörsen in Kansas und Minneapolis schlossen im Limit up. Heute Morgen zeichnet sich bei den vorbörslichen sehr festen Notierungen der Chicagoer Börse erst einmal eine Fortsetzung des Preisanstiegs ab. Vor dem Wochenende lassen sich aber auch Gewinnmitnahmen nicht ganz ausschließen.
In Paris verlief die Entwicklung ähnlich turbulent. Die Notierung für November zogen zwischenzeitlich bis zu 26 €/t an. Nachdem sich der Markt etwas beruhigt hatte, fielen die Kurse nach einsetzenden Gewinnmitnahmen etwas zurück. Mit einem Plus von über 14 €/t für November blieb der Preisanstieg beachtlich. Mit 73.000 Kontrakten und einem Gesamtvolumen von 3,65 Mio. t hat der Weizenhandel an der Matif einen neuen Tages-Umsatzrekord aufgestellt.
Der russische Exportstopp soll erst einmal von Mitte August bis Ende des Jahres gelten und wird zu Verwerfungen an Exportmärkten führen. Russland ist einer der größten Weizenexporteure auf dem Weltmarkt und hat im vergangenen Jahr 17,5 Mio. t Weizen exportiert. Profitieren dürften erster Linie die USA. Die wöchentlichen US Exportzahlen von 854.600 t deuten den Trend schon an. In der EU wurden in dieser Woche Exportlizenzen über 312.000 t Weichweizen vergeben.
 
Mais: In Chicago ließen sich die Maisnotierungen zwar zunächst vom Weizen beeindrucken, zum Börsenschluss gab es aber nur moderate Notizgewinne. Die Wetteraussichten für den Mais sind gut und private Schätzungen lassen eine sehr gute Maisernte erwarten. Dennoch dürfte es nur eine Frage der Zeit bleiben, wann sich Mais den Weizenmärkten anschließt. Es scheint sich etwas zusammen zubrauen, denn in den vergangenen beiden Tagen haben die offenen Positionen für Mais in Chicago um 61.500 Kontrakte zugenommen.
An der Matif gab es Kursgewinne von 10,50 €/t für die Notierungen der neue Ernte. Der Augustkontrakt hatte seinen letzten Handelstag und schloss nach deutlichen Kursgewinnen knapp unter 217 €/t. Auch bei Mais dürfte es an der Matif mit fast 3.500 Kontrakten einen neuen Rekordumsatz gegeben haben.
 
Sojakomplex: Beim Sojakomplex hat sich die erste Euphorie über die Weizenkurse relativiert und die Kurse schlossen trotz fester Eröffnung nur moderat im Plus. Der Sojakomplex zeichnet sich durch einen stetigen Aufwärtstrend aus und baut seine Kursgewinne unspektakulär aus. Allerdings hätten die sehr guten US-Exportzahlen von 1,17 Mio. t stärkere Reaktion erwarten lassen. China hat 455.000 t US-Sojabohnen gekauft, die in den Exportzahlen noch nicht einmal enthalten sind. Brasilien hat seine abgeschlossene Sojabohnenernte mit 68,5 Mio. t etwas nach unten korrigiert.
 
Raps: Die Rapsnotierungen an der Matif bleiben in Aufwärtsbewegung. Kursgewinne von mehr als 14 €/t ließen sich bis Börsenschluss allerdings nicht halten. Dennoch zogen die Notierungen für November um 9,75 €/t bei sehr gutem Volumen an.
In Winnipeg orientierten sich die Canola-Notierungen am Sojakomplex. Sie wiesen nur ein leichtes Plus aus, da der Sojakomplex nicht gewillt war, dem Weizen zu folgen.
 
Rohöl: Rohöl hielt sich nach leichten Notizverlusten bei 82 US-$/Barrel. Schwache Daten vom US-Arbeitsmarkt drückten auf die Notierungen. (St)
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