Tageskommentar Rohstoffe: Russlands Getreideernte bleibt im Fokus

Die Weizennotierungen in Chicago und an der Matif profitierten erneut von Unsicherheiten über die russische Getreideernte und vom kleineren globalen Weizenangebot. Sie schlossen fester. Mais beendete die Sitzung in Chicago neutral. Der Sojakomplex legte wieder zu, während Raps neutral schloss. Rohöl notierte durchwachsen. Die Vorgaben aus Chicago deuten heute bei Ölsaaten auf eine freundliche Tendenz hin.
 
Weizen: Die russische Getreideernte bleibt im Fokus der Märkte. In Chicago und an der Matif schlossen die Weizennotierungen zum dritten Mal hintereinander im Plus. Die Matif notierte den November-Weizen 3 €/t höher als am Vortag. Russland geht zwar offiziell von einer unveränderten Getreideernte von 75 bis 80 Mio. t aus, doch der Markt scheint wenig Vertrauen in die Zahlen zu haben. Es gibt weiterhin Spekulationen über mögliche Exportrestriktionen Russlands im Spätherbst dieses Jahres. Auch die Weizenernte in der Ukraine könnte mit 13 Mio. t rund 2 Mio. t kleiner ausfallen, als das USDA zuletzt schätzte, wird gemutmaßt.

Die fundamentalen Daten bleiben fest, denn nach einer Einschätzung der Rabobank wird die Weizenernte in China mit 105 Mio. t etwa 13 Mio. t kleiner als die USDA-Schätzung ausfallen. Hinzu kommt die Trockenheit in Südwestaustralien, wo sich im Zuge des El-Niño-Effekts ein größeres Problem anbahnt. Nach Wettermodellen soll sich Trockenheit in Australien in den kommenden beiden Monaten noch verstärken.
 
Mais: Die Maisnotierungen Chicago schlossen neutral. Neue Impulse erwarten Händler erst wieder mit aussagefähigen Ergebnissen aus der US-Maisernte. Nach einer Einschätzung der Rabobank werden die Maispreise bis in den Sommer 2013 sehr hoch bleiben. Eine nennenswerte Verbrauchseinschränkung lasse sich durch das Ethanol-Mandat der USA und die schlechte Futterversorgung der US-Farmer nach der Dürre nicht absehen. An der Matif profitierte Mais vom festen Weizen und schloss 2,50 €/t für November fester.
 
Sojakomplex: Der Sojakomplex legte zum Börsenschluss deutlich zu. Die Novemberbohne notierte 7,50 US-$/t im Plus, die Sojaschrotnotierungen zogen für den Winter mehr als 11 US-$/t an. Feste Kassapreise durch Exportverladungen, gute Crush-Margen bei der Sojabohnenverarbeitung sowie spekulative Käufe durch die Aussicht auf knappe US-Bohnenbestände unterstützen den Komplex. Trotz der hohen Sojabohnenpreise bleibt die globale Nachfrage nach Sojabohnen unverändert hoch und China ist mit Käufen permanent am Markt.
 
Raps: Von den späten Kursgewinnen konnten die Rapsnotierungen an der Matif nicht mehr profitieren. Mit durchwachsenen Schlusskursen endete die Sitzung neutral. Das Handelsvolumen war nur unterdurchschnittlich. Es hat den Anschein, als warte der Rapsmarkt auf neue Impulse. Die offenen Positionen haben sich seit Tagen nicht mehr bewegt. In Winnipeg gaben die Canola-Notierungen zum Wochenschluss leicht nach.
 
Rohöl: Brent Crude Öl schloss mit technischen Kursverlusten, bedingt durch den Wechsel des Frontmonats von September auf Oktober. WTI-Rohöl legte dagegen zu. Schwächetendenzen lassen sich zurzeit keine erkennen. Die Commerzbank mutmaßt, dass sich die Ölpreise angesichts der schwächelnden globalen Konjunktur ihrer Schmerzgrenze nähern. In USA soll es zudem Überlegungen geben, die strategischen Reserven anzuzapfen, um einen weiteren Anstieg der Rohölpreise dämpfen. (St) 
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