Tageskommentar Rohstoffe: Soja- und Maiskurse springen auf neue Rekordhöhen


Der Sojakomplex hat seine Rally mit kräftigen Kursgewinnen fortgesetzt und notierte neue Allzeithochs. Auch die Maisnotierungen sprangen kräftig nach oben und zogen die Weizennotierungen in Chicago mit. An der Matif legten Weizen, Mais und Raps ebenfalls deutlich zu. Rohöl bewegt sich weiter nach oben. Die Chicagoer Börse war in Kaufstimmung und die offenen Positionen für Weizen, Mais und Soja nahmen signifikant zu. Heute Morgen scheinen sich die Börsenkurse eine Atempause gönnen zu wollen.
 
Weizen: Für Weizen war die Nachrichtenlage dünn. Die Stimmung bleibt fest. In Chicago ließen die Zugewinne bei Soja und Mais auch die Weizennotierungen steigen. An der Matif notierte der Novemberweizen mit Unterstützung aus Übersee 4,75 €/t höher.
  
Der Iran hat sich in der Vorwoche still und heimlich am Weltmarkt mit mindestens 400.000 t Weizen versorgt. Als Herkünfte werden die EU und dort besonders baltische Länder sowie die Schwarzmeerregion genannt. Auch deutscher Weizen soll dabei gewesen sein. 
Der Iran gilt als eines der traditionellen Lieferländer der deutschen Exporteure. Weizen und Nahrungsmittel sind vom Boykott im Zuge des Streits um das iranische Atomprogramm nicht betroffen. In diesem Jahr hat der Iran eine sehr schlechte Getreideernte eingefahren und erst kürzlich ein Bartergeschäft über die Lieferung von 1 Mio. t Weizen mit Pakistan abgeschlossen. Mit Indien sollen die iranischen Einkäufer derzeit Gespräche über die Lieferung von 3 Mio. t Weizen führen.
 
Mais: Die miserablen Maiserträge bei der Erntebereisung im Mittleren Westen der USA zeigten gestern weitere Wirkung. Die Situation scheint dramatischer zu sein als gedacht. In Chicago zogen die Maisnotierungen weiter an und die Schlusskurse stiegen auf ein Rekordniveau. Neue Allzeithochs sind angesichts der schwachen Ernteaussichten in den USA nur eine Frage Zeit.

Die Erntebereisung wies für Süddakota nur Durchschnittserträge von 74,3 Bushel/acre aus. Danach wird die diesjährige Ernte dort gerade einmal die Hälfte des Dreijahresdurchschnitts erreichen. Für Ohio wurden die Erträge auf 110,5 Bushel/acre im Schnitt taxiert und lässt die niedrigste Maisernte seit zehn Jahren erwarten. Die Schätzungen der Ernte-Scouts liegen erheblich unter den USDA-Schätzungen vom August-Report.

Die Matif schloss sich der festen Stimmung mit Notizgewinnen von 4,50 €/t an.
 
Sojakomplex: Die Sojanotierungen in Chicago schossen erneut den Vogel ab. Die Bohne markierte neue Allzeithochs. In nur zwei Tagen haben die Kurse für Sojabohnen knapp 32 US-$/t und für Sojaschrot 27 US-$/t zugelegt. Die Rally ist noch lange nicht zu Ende. Am Vortag hatten die Bohnenkurse die wichtige charttechnische Linie von knapp 17 US-$/ Bushel durchbrochen. Nach Ansicht von Analysten ist damit der Weg zu 18 $/Bushel (661 US-$/t) frei. An der Chicagoer Börse wurden regelrechte Panikkäufe beobachtet.

Nach den Ergebnissen der Erntebereisung im Mittleren Westen sind die Aussichten auf eine noch halbwegs ordentliche Sojabohnenernte in den USA getrübt. Der Schotenansatz der Sojabohnenpflanzen erreicht teilweise gerade einmal die Hälfte der üblichen Werte. Da die Schotenbildung abgeschlossen ist, können Regenfälle nur noch die Größe der Sojabohnen beeinflussen.
 
Raps: Die äußerst festen Vorgaben vom Sojakomplex brachten die Rapsnotierungen an der Matif 6 €/t nach oben. Im Vergleich zu Chicago zogen die Rapsnotierungen damit eher moderat an. Nach Abschluss der europäischen Rapsernte ist die Aufwärtsbewegung beim Raps kein Selbstläufer mehr. Für weitere Kursgewinne werden anscheinend kräftige Impulse vom Sojakomplex benötigt.
In Winnipeg zogen die Canola-Kurse bis zu 8 Can-$/t an.
 
Rohöl: Rohöl setzte die Aufwärtsbewegung fort. Weitere Risikoprämien für den Nahen und Mittleren Osten sowie das kleinere Angebot an Nordseeöl dienen als unveränderte Argumente für die hohen Rohölpreise. Zusätzliche Impulse kamen vom schwächeren US-Dollarkurs und durch Erwartungen an einen neuerlichen Rückgang der US-Rohöllagerbestände. (St) 
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