Tageskommentar Rohstoffe: Soja und Raps profitieren vom USDA-Report


Die bullischen USDA-Prognosen für den Sojamarkt haben die Bohnen- und Schrotkurse in Chicago wieder kräftig ansteigen lassen. Auch Raps profitierte davon mit Kursgewinnen auf allen Terminen. Die Weizenmärkte reagierten auf die neuen USDA-Zahlen zwiespältig. An der Matif gab es Kursverluste, an der Chicagoer Börse kleine Notizgewinne. Der Frontmonat Mai ist für Weizen an der Matif ausgelaufen. Die Maiskurse gaben mit der Aussicht auf eine Rekord-Maisernte in den USA nach. Rohöl schloss erneut durchwachsen, der Unterton ist etwas schwächer.
 
Weizen: Die Reaktionen auf Weizenschätzung des USDA fielen differenziert aus. Die Rücknahme der globalen Endbestände um 9,3 Mio. t für die laufende Kampagne kam zwar überraschend, löste aber keinen Kursanstieg aus. An der Matif notierten die Weizenkurse für die neue Ernte etwas schwächer, in Chicago schlossen die Notierungen im grünen Bereich.

Auch die Prognosen für die kommenden Weizenernten bewirken nur verhaltene Reaktionen, obwohl das USDA für 2012/13 mit einer 16,6 Mio. t kleineren Ernte als in der laufenden Kampagne rechnet. Die Rückstufung resultiert in erster Linie aus dem kleineren Ernten in der Schwarzmeerregion. So erwartet das USDA für die Ukraine nur eine Weizenernte von 13 Mio. t und für Kasachstan von 15 Mio. t. Für diese beiden Schwarzmeerländer zusammen zeichnet sich damit eine kleinere Weizenernte von 16,8 Mio. t in der Summe ab. Für die nächste EU-Weizenernte bewegt sich die USDA-Schätzung mit 132 Mio. t auf der konservativen Seite. Andere Analysten stufen die neue europäische Weizenernte mit 133 bis 135 Mio. t etwas optimistischer ein.
 
An der Matif hat sich der Frontmonat Mai vom Börsenparkett verabschiedet. Die Kursverluste für den Mai von 12,75 €/t sind ausschließlich technisch bedingt. In Verbindung mit ähnlichen Kursgewinnen vom Vortag neutralisieren sich die extremen Bewegungen der beiden letzten Handelstage für den Mai in etwa. Neuer Frontmonat ist zwar der August, doch aufgrund seiner geringen Liquidität hat der August-Kontrakt für die physischen Märkte keine Bedeutung. Traditionell orientieren sich die europäischen Weizenmärkten für die neue Ernte am Novemberkontrakt.
 
Die in der laufenden Woche gezogenen Exportlizenzen in der EU über 340.000 t Weichweizen fielen beachtlich aus. In den USA summierten sich die wöchentlichen Exportzahlen für die alte und neue Kampagne auf 550.000 t.
 
Mais: Überraschenderweise hat das USDA die US-Endbestände für Mais zur laufenden Kampagne um 1,3 Mio. t nach oben korrigiert. Zusammen mit der Aussicht auf eine kommende Rekord-Maisernte von 376 Mio. t und einem Bestandsaufbau auf fast 48 Mio. t in den USA drückte dies kräftig auf die Chicagoer Maisnotierungen. Der Juli notierte fast 8 US-$/t schwächer. Damit fiel der Kurs für Juli, dem zurzeit aktivsten Termin in Chicago, erstmals seit Mitte März des Vorjahres mit 231 US-$/t unter die Marke von 6 US-$/Bushel. Von einer Panikreaktion auf die bärischen Aussichten für die kommende Saison war allerdings nichts zu spüren, obwohl die Einschätzungen der Analysten bei weitem übertroffen wurden. Die  Prognose des USDA für die kommende Maisernte geht zudem von äußerst optimistischen Voraussetzungen aus und unterstellt Rekord-Maiserträge von umgerechnet fast 10,4 t/ha.
 
Die Matif regierte auf die schwachen Chicagoer Märkte mit Notizverlusten 1,75 €/t. Für die EU prognostiziert das USDA eine kommende Maisernte von 63,1 Mio. t, die damit 1,5 Mio. t kleiner als im Vorjahr ausfallen könnte. Die EU-Kommission hat für die laufende Woche neue Importlizenzen für Mais über 166.000 t erteilt. Die stetigen Zufuhren von Mais in die EU halten damit an.
 
Sojakomplex: Die Aussichten für den Sojakomplex bleiben nach der Einschätzung des USDA bullisch. Zum einen werden sich die US-Endbestände in der laufenden Kampagne aufgrund der höheren Exporte um 1,1 Mio. t reduzieren. Zum anderen lässt die kommende Saison eine sehr enge US-Sojabilanz erwarten. Obwohl die neue US-Bohnenernte 5 Mio. t größer als im Vorjahr ausfallen könnte, erwartet das USDA zu diesem Zeitpunkt nur noch US-Endbestände von 3,9 Mio. t für 2012/13. Es unterstellt zudem eine weiter steigende Sojabohnennachfrage Chinas mit Rekordeinfuhren von 61 Mio. t und einen Verbrauchsanstieg Chinas auf 74,5 t. Die Chicagoer Börse reagierte auf die bullische USDA-Schätzung mit Kursgewinnen von über 9 US-$/t für Sojabohnen und mehr als 10 US-$/t für Sojaschrot.
 
Für die laufende Kampagne wurden die jüngsten USDA-Prognosen über die südamerikanischen Ernten am Vortag bereits in den Ursprungsländern korrigiert. Die Börse in Rosario hat am Donnerstag die argentinische Sojabohnenernte auf nur noch auf 40,9 Mio. t geschätzt - das USDA geht noch von 42,5 Mio. t aus. Brasilien hat die Schätzung für seine Sojabohnenernte auf 66,7 Mio. t angehoben - die USDA Prognose liegt bei 65 Mio. t.
 
Raps: Mit dem USDA-Report wurde der Rapsmarkt zum Nebenschauplatz. Die Rapskurse an der Matif profitierten jedoch von den festeren Sojabohnenkursen. Etwas getrübt wurde die Stimmung durch die gedrückten Rohölnotierungen. Dennoch zogen die Kurse an der Matif bis zu 4 €/t an. Auch in Winnipeg reagierte Canola-Raps mit Kursgewinnen von 5 Can-$/t für die vorderen Termine auf die festen Aussichten an den Ölsaatenmärkten.
 
Rohöl: Die Rohölnotierungen schlossen fast exakt unter umgekehrten Vorzeichen wie am Vortag. Diesmal gab es ein leichtes Plus für WTI- und ein Minus für Brent-Crudeöl. Die WTI-Kurse profitierten nach schwachem Start von etwas besseren US-Arbeitsmarktzahlen. Zuvor hatten rückläufige Ölimporte Chinas für Preisdruck gesorgt. Die Importe China sind im April auf den niedrigsten Stand seit Dezember gefallen. Die Stimmung am Rohölmarkt ist nach Ansicht der Commerzbank angeschlagen  und es sei kaum eine Rückkehr zu den höheren Preise der Vorwoche zu erwarten, so die Analysten der Bank. Die OPEC hat die Verbrauchsprognose für das laufende Jahr unverändert gelassen. Im laufenden Quartal produziert das Kartell nach eigener Einschätzung 8,3 Prozent mehr Rohöl, als die Nachfrage hergibt. (St)
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