Tageskommentar Rohstoffe: Sojabohnen erhalten kräftigen Dämpfer

18.12.2009 Der weitere Anstieg des US-Dollarkurses und erhebliche Gewinnmitnahmen haben dem Sojakomplex einen kräftigen Dämpfer versetzt. Auch Weizen und Mais mussten in Chicago Notizverluste einstecken. An der Matif gab es bei Weizen, Mais und Raps nur ein leichtes Minus. Heute Morgen sieht bei der Vorbörse in Chicago schon wieder etwas freundlicher aus.
 
Weizen: Den Weizennotierungen in Chicago machte vor allem der festere Dollarkurs zu schaffen. Die Weizenkurse gaben um knapp 7 US-$/t nach. Der Dollar hat gegenüber dem Euro in den vergangenen 10 Tagen rund 5 Prozent gutgemacht und ist auf den höchsten Stand seit drei Monaten gestiegen. Finanzexperten halten inzwischen einen Durchbruch des Dollarkurses für möglich. Der unmittelbare Einfluss eines festen US-Dollarkurses auf die Rohstoffpreise hat sich in den vergangenen Wochen zwar etwas relativiert, dennoch drückt ein fester Dollar tendenziell auf die Rohstoffpreise.
Die Matif sah keine Notwendigkeit, den Vorgaben Chicagos zu folgen. Weizen schloss nur leicht im Minus. Die wöchentlichen EU-Exportlizenzen für Weichweizen fielen mit 256.000 t erneut unterdurchschnittlich aus. In Deutschland wurden gerade einmal 16.100 t Lizenzen gezogen. Der festere Dollarkurs verbessert allerdings die Exportaussichten der EU, denn im internationalen Weizengeschäft wird auf Dollarbasis abgerechnet.
 
Mais: An der Chicagoer Börse schlossen sich die Maisnotierungen der breiten Schwäche der Commodities an und gaben über 5 US-$/t nach. Damit fiel die Märznotierung unter die psychologische Marke von 400 Cents/Bushel. Selbst die großen wöchentlichen US-Exportzahlen von 1,2 Mio. t Mais brachten keinen positiven Impuls. Das Wetter in mittleren Westen ist überwiegend trocken und die restliche Maisernte geht weiter. Nach Kommentaren an der Chicagoer Börse wollen allerdings viele Farmer in Nord-Dakota ihren Mais über den Winter auf dem Feld lassen. In diesem US-Bundesstaat waren am vergangenen Sonntag gerade einmal 60 Prozent der Maisernte eingebracht. Argentinien hat die Maisanbauflächen für dieses Jahr um 100.000 ha auf 3,16 Mio. nach oben korrigiert.
An der Matif schlossen die Maisnotierungen neutral.
 
Sojakomplex: Den Sojakomplex hat es am deutlichsten erwischt: Die Sojabohnennotierungen verloren fast 14 US-$/t, die Schrotkurse fielen fast 11 US-$/t zurück. Das schwächere Umfeld löste eine regelrechte Verkaufswelle und Gewinnmitnahmen bei den Fondsgesellschaften aus. Die offenen Positionen der Sojabohnen haben sich schlagartig um fast 20.000 Kontrakte abgebaut. Nach den stetigen vorangegangenen Kursgewinnen ist eine Gegenreaktion und Gewinnmitnahmen vor Weihnachten nicht ungewöhnlich. Die elektronische Börse in Chicago deutet schon wieder auf eine Erholung hin. Die Exportaussichten bleiben eine fundamentale Stütze für den Sojakomplex. Die wöchentlichen Exportzahlen lagen bei 945.000 t Sojabohnen, von denen China allein 668.500 t gekauft hat.
Argentinien wird weniger Sojabohnen anbauen und hat die Anbaufläche noch einmal um 300.000 ha auf  18,2 Mio. ha nach unten korrigiert. Im Spätherbst hatte man noch 19 Mio. ha erwartet.
 
Raps: Vom Absturz Sojabohnenkurse konnten die Rapsnotierungen an Matif nicht unberührt bleiben. Das Minus von 1,50 €/t für Februar und Mai hielt sich in überschaubarem Rahmen. Man darf gespannt sein, ob die Matif beim Raps heute nachkorrigieren wird, oder ob sich die etwas stabilere Tendenz behaupten kann. Zuletzt hatten sich die Rapsnotierungen zwar nicht freudig nach oben bewegt, doch in einer Seitwärtsbewegung mit freundlicherem Unterton gut gehalten.
In Winnipeg reagierte Canola mit einem Minus von 6 Can-$/t auf den Einbruch der Sojabohne. Ein schwacher Kurs des kanadischen Dollars und verhaltene Verkäufe der Farmer hielten den Druck in Grenzen. Die kanadischen Rapsexporte sollen trotz des Import-Embargos Chinas zudem zufriedenstellend laufen.
 
Rohöl: Rohöl trug am Vortag wenig zur Commodity-Szene bei. Der festere Dollar drückte zwar kurzfristig die Kurse an der Nymex etwas nach unten, doch bis Börsenschluss konnten sie sich wieder erholen. Nach Ansicht von Analysten bleibt der Rohölmarkt vorerst unter Druck. (St)
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