Tageskommentar Rohstoffe: Sojakomplex bleibt im Aufwind

Die Weizennotierungen haben sich sowohl an der Matif als auch an der Chicagoer Börse befestigt. Mais schloss dagegen nur gut behauptet. Die Rapskurse konnten sich nach einer schwächeren Phase mit höheren Sojabohnennotierungen erholen und schlossen ebenfalls fester. Rohöl knüpfte mit Kursgewinnen an den festeren Vortag an.
 
Weizen: In Paris schlossen die Weizennotierungen mit Kursgewinnen bis zu 1,75 €/t für die neue Ernte. Zeitweise lagen die Kurse noch etwas höher. Neben dem festeren Einfluss aus Chicago dürften sich auch die gedrückten Aussichten für die europäische Weizenernte ausgewirkt haben. Strategie Grains hat in seinem neuen Monatsbericht die Einschätzung für die EU-Weizenernte um 4,3 Mio. t auf 126,8 Mio. t zurückgenommen. Damit könnte die Weizenernte in der EU mehr als 2 Mio. t kleiner als im Vorjahr ausfallen. Neben Auswinterungsschäden von im Schnitt 6 Prozent führen die französischen Analysten vor allem Ertragsbeeinträchtigungen durch die zu geringen Niederschläge in Westeuropa an. Auch die europäischen Weizenexporte würden darunter leiden, vermutet Strategie Grains. Es rechnet im kommenden Wirtschaftsjahr nur noch mit Weizenexporten aus der EU von 13,5 Mio. t.
 
Die Chicagoer Börse notierte den Weizen ebenfalls fester. Dort machten Befürchtungen über Frostschäden bei dem Weizen nach dem Kälteeinbruch die Runde und lösten neuerliche Short-Abdeckungen aus.
 
An Exportmärkten hatte die EU in der vergangenen Woche das Nachsehen. Die neu erteilten Exportlizenzen für Weichweizen fielen mit 84.000 t so niedrig wie seit langem nicht mehr aus. In den USA lagen die wöchentlichen Exportzahlen für Weizen mit 542.000 t etwas über dem Schnitt der vergangenen Wochen.
 
Mais: Die Chicagoer Maisnotierungen profitierten vom festeren Weizen konnten sich bei kleinen Kursgewinnen gut behaupten. Auch die stabilen Kassamarktpreise, feste Commodities, gestiegenen Rohölnotierungen ein schwächerer US-Dollarkurs wirkten stützend. Die aktuelle Kältewelle könnte zu Ertragsminderungen bei den US-Maisbeständen führen, wurde gemutmaßt. Über Schäden wurde noch nicht gesprochen. Die wöchentlichen US-Exportzahlen von 976.000 t Mais und Gerüchte um bevorstehende Maiskäufe Chinas kamen den Futures ebenfalls zugute.
An der Matif schlossen die Maiskurse ebenfalls mit einem kleinen Plus. Die stetigen Maiseinfuhren in die EU halten an. In dieser Woche hat die EU-Kommission neue Importlizenzen über 115.000 t erteilt.
 
Sojakomplex: Der Sojakomplex bleibt im Aufwind und von einer Konsolidierungsphase war nichts zu spüren. Die Sojabohnenkurse zogen mehr als 7 US-$/t, die Sojaschrotkurse sogar 8,50 US-$/t an. Neue Käufe Chinas, ansehnliche wöchentlichen US-Exportzahlen von 646.000 t und eine generell feste Stimmung sorgten für den Kursanstieg. Die Getreidebörse in Buenos Aires hat die argentinische Sojabohnenproduktion um 1 Mio. t auf 44 Mio. t nach unten korrigiert. Diese Schätzung liegt 1 Mio. t unter der jüngsten Prognose des USDA.
 
Raps: Bei Raps sorgten zunächst Gewinnmitnahmen für Preisdruck, doch mit Eröffnung der Chicagoer Börse und festeren Sojabohnennotierungen drehten die Kurse ins Plus. Der Mai stieg wieder auf knapp 500 €/t, für die neue Ernte gab es Kursgewinne bis zu 2,25 €/t.
In Winnipeg notierte Raps ebenfalls deutlich fester und bei Kursgewinnen von bis zu 6,30 Can-$/t war der Einfluss des Sojakomplexes noch stärker zu spüren.
 
Rohöl: Die Rohölnotierungen knüpfen an ihre Vortagsgewinne an. Diesmal gab es für Brent Crude Öl mit einem Plus von rund 1,50 US-$/Barrel die deutlicheren Zugewinne. Festere Finanzmärkte werden als Auslöser genannt. Fundamentale Gründe fehlen, denn die Rohölmärkte sind nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur IEA so gut versorgt wie seit 2009 nicht mehr. Die Förderung der Opec-Länder ist zudem auf den Höchststand seit drei Jahren gestiegen. Zum Wochenende werden die Atomgespräche mit dem Iran wieder aufgenommen. Der Ausgang könnte die weitere Tendenz der Rohölpreise beeinflussen. Obwohl die G8-Nationen den Iran eindrücklich aufgefordert haben, die Chancen zu nutzen, rechnen internationalen Beobachter kaum mit einem Einlenken der Mullahs und der iranischen Regierung. (St)
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