Tageskommentar Rohstoffe: Sojakomplex korrigiert Preise scharf nach unten


Größere Auflösungen von Long-Positionen haben den Sojakomplex unter starken Druck gesetzt. Die Preise für Bohnen und Schrot gaben kräftig nach. Die Rapsnotierungen der Matif konnten sich dagegen bei einem leichten Minus gut aus Affäre ziehen. Die Weizennotierungen schlossen durchwachsen. Schwächeren Kursen in Chicago standen gut behauptete Notierungen an der Matif gegenüber. Mais notierte uneinheitlich. Die Unsicherheit über die europäischen Finanzmärkte ließ die Rohölnotierungen weiter fallen.
 
Weizen: In Chicago macht sich bei Weizen zunehmender Erntedruck breit. Die Kurse gaben weiter nach und ein fester US-Dollarkurs verstärkte die Tendenz. Die Weizenernte in den USA kommt bei ordentlichen Weizenerträgen gut voran. Das Trockenheit-Szenario für Europa und Russland entspannt sich zudem zusehends und bietet derzeit keine bullischen Argumente. Die Ukraine erwartet offiziell trotz der großen Auswinterungsschäden die drittgrößte Getreideernte seit 20 Jahren. Die Aussicht auf eine Ernte von fast 50 Mio. t Getreide basiert allerdings auf einer sehr große Maisernte.
 
An der Matif hielt sich der Weizen dagegen im Plus. Der schwächere Euro wirkte sich positiv aus, denn damit verbessert sich die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Weizenexporte. In dieser Woche hat die EU-Kommission 178.000 t neue Weichweizenlizenzen erteilt. Damit haben die Weichweizenexporte der EU im laufenden Wirtschaftsjahr 12 Mio. t überschritten. Dem stehen auf der Importseite allerdings beachtliche Einfuhren von 5,2 Mio. t gegenüber.
 
Mais: Im Gegensatz zu den schwachen Sojabohnen konnten sich die Maisnotierungen in Chicago einigermaßen behaupten. Für die beiden vorderen Termine setzte sich der schwächere Trend der Vortage zwar mit leichten Notizverlusten fort, die Termine ab Herbst mit hellgrünen Vorzeichen. Die Regenfront im mittleren Westen scheint weniger Niederschläge zu bringen, als gedacht. Hinzu kommen große Fragezeichen an den Rekorderträgen, die das USDA für die kommende US-Maisernte unterstellt hatte. In China soll es in Maisanbaugebieten zu trocken sein und auch dies dürfte sich stützend auf die Maiskurse der neuen Ernte niedergeschlagen haben. Die Ukraine erwartet eine Rekord-Maisernte von 26 bis 27 Mio. t und rechnet mit Maisexporten von 14 bis 15 Mio. t. Im Vorjahr hatte die Ukraine 22,7 Mio. t Mais geerntet.

An der Matif schloss Mais mit überschaubaren Kursgewinnen. Die stetigen Maisimporte in die EU halten an. In dieser Woche hat die EU-Kommission neue Importlizenzen für Mais über 158.000 t erteilt. Damit summieren sich die europäischen Maiseinfuhren in diesem Wirtschaftsjahr auf mehr als 5,3 Mio. t. Nach Abzug der Maisexporte steht unterm Strich ein Importüberschuss von 2,5 Mio. t.
 
Sojakomplex: Nach größeren Long-Liquidationen der Fonds brachen die Sojabohnenkurse mit einem Minus von 12 US-$/t regelrecht ein. Die Fonds sollen sich am Vortag von 8.000 Sojabohnenkontrakten getrennt haben. Mit den neuerlichen Einbruch summieren sich die Kursverluste für Sojabohnen seit der Preisspitze Ende April auf fast 60 US-$/t. Die Schrotnotierungen gaben am Donnerstag in Chicago ebenfalls kräftig nach - mit 17 US-$/t sogar stärker als die Bohnen. Verhaltener Nachfrageimpulse aus China, schwache US-Konjunkturdaten, die Unsicherheit über europäischen Finanzmärkte und die gedrückte Stimmung an nahezu allen Rohstoffmärkten lösten die neuerliche Korrektur aus.
 
Raps: In Paris kamen die Rapsnotierungen mit maximalen Kursverlusten von 1,25 €/t recht gut weg. Da sich der der Einbruch der Sojabohnen in Chicago erst zu vorgerückter Stunde verschärfte, könnten Nachwehen des schwachen ‚Soja-Vortages‘ die Rapsnotierungen in Paris zunächst belasten. Auch die schwächere Tendenz für Rohöl scheint sich heute Morgen fortzusetzen. Dennoch zeigt sich Raps kurzfristig etwas widerstandsfähiger gegen die technischen Kurskorrektur und für Sojabohnen an der Chicagoer Börse, denn auch in Winnipeg hielten sich die Notizverluste für Canola-Raps in Grenzen.
 
Rohöl: Die Rohölnotierungen fallen weiter. Die Verschärfung der Finanzkrise in Europa, höhere Lagerbestände in den USA und gedrückte Konjunkturaussichten setzen den Kursen weiter zu. Allein diesem Monat gaben die Brent Crude Notierungen um 15 Prozent nach und fielen unter 102 US-$/Barrel. In den USA sind die wöchentlichen Rohöllagerbestände um 2,2 Mio. t gestiegen und bewegen sich auf den höchsten Stand seit 22 Jahren. Die europäische Schuldenkrise wertet den US-Dollarkurs gegenüber dem Euro auf und ein fester Dollar belastet in der Regel die Rohölnotierungen. Der Streit um die Atomanlagen mit dem Iran ist völlig im Hintergrund getreten könnte aber jederzeit wieder aufflammen, vermuten Analysten der Commerzbank. (St)
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