Tageskommentar Rohstoffe: Sojakurse steigen auf neuen Rekord

Der Höhenflug von Getreide und Ölsaaten hält an. In weiten Teilen des Mittleren Westens sind keine Regenfälle und Niederschläge in Sicht. Allenfalls die Temperaturen bewegen sich wieder auf erträgliche Werte zu. Der Wettermarkt hat die Agrarrohstoffe im Griff und an den Börsen stiegen die Notierungen auf neue Rekordwerte an oder stehen kurz davor. Nach strammen Kursgewinnen auf breiter Ebene markierten die Sojabohnennotierungen an der Chicagoer Börse ein neues Allzeithoch. Die Rapskurse an der Matif bewegen sich nach einem kräftigen Kursanstieg ebenfalls in rekordverdächtigen Höhen. Mais zog in Chicago bis zum höchstmöglichen täglichen Kursanstieg an und bewegte sich zeitweise im Limit up. Die Weizennotierungen schlossen hüben wie drüben ebenfalls mit deutlichen Kursgewinnen. Rohöl setzte seine Kursschwankungen der Vortage fort, diesmal mit grünen Vorzeichen.
 
Weizen: Mit einem Plus von 6,75 €/t setzen die Weizennotierungen an der Matif ihren Aufwärtstrend fort. Kurzzeitig sprang der November Kurs sogar über 250 €/t. Äußerst feste Vorgaben aus Chicago und die jüngsten Überschwemmungen im russischen Krasnodar waren die Auslöser. Agenturberichte sprechen von Schäden an der Infrastruktur und einem Ausfall von 10.000 bis 20.000 ha Agrarflächen in der betroffenen Region. Dabei soll es sich überwiegend um Sonnenblumensaat, aber auch um Getreidefelder handeln.
 
Auch in Chicago stiegen die Weizenkurse kräftig an, konnten aber ihre Höchstnotierungen nicht ganz halten. Chicago stand vor allem unter dem Einfluss des sehr festen Mais. Die Bonitierung für die US-Sommerweizenbestände in den Kategorien gut bis exzellent wurde um 5 Prozent nach unten korrigiert, doch Zweidrittel der US-Sommerweizenfelder bieten noch ein ansprechendes Bild.
 
Mais: Der ausgebliebene Regen in weiten Teilen des Mittleren Westens ließ die Maisnotierungen zeitweise bis zum höchstmöglichen täglichen Preislimit von 15,75 €/t ansteigen. Die Schlussnotierung lagen etwas darunter. Die Hälfte der US-Maisbestände steht in der Blütenphase und die Böden in weiten Teilen des mittleren Westen sollen so trocken sein wie noch nie. Erste Analysten sprechen bereits schon von durchschnittlichen Maiserträgen von unter 140 Bushel/acre. Die wöchentliche Bonitierung der guten bis exzellenten Feldbestände wurde um 6 Prozent nach unten korrigiert. Nur noch 40 Prozent der Pflanzen fallen in diese Klassen. 30 Prozent der Maisbestände sehen sogar "schlecht bis sehr schlecht" aus. Die Aussicht auf eine schwächere Maisernte löste am Wochenanfang aggressive Käufe in Chicago aus. Die offenen Positionen erhöhten sich signifikant.
In Paris sprangen die Maisnotierungen in einem lebhafteren Handel bis zu 7 €/t nach oben.
 
Sojakomplex: Die Sojabohnen punkteten erneut mit den höchsten Kursgewinnen. Die Sojabohnennotierung für Juli markierte mit einem Schlusskurs von 16,65 US-$/Bushel ein neues Allzeithoch und übertrafen den Spitzenwert des Extremjahres 2008 knapp. Der Mittlere Westen bleibt vorerst trocken und Aussicht auf einzelne Schauer soll es nur im Südwesten oder im Süden geben. Die Bonitierung der US-Sojabohnen in den Klassen gut bis exzellent wurde erneut um 5 Prozent nach unten korrigiert. Wie beim Mais bieten nur noch 40 Prozent der Bohnenbestände ein positives Bild. Auf 27 Prozent der Felder werden die Bohnen mit "arm bis sehr arm" qualifiziert.
 
Raps: Auch die Rapsnotierungen befinden sich nach kräftigen Kursgewinnen auf dem Weg zu neuen Rekordständen. Der August legte 11 €/t zu und schloss mit 519,25 €/t nur knapp unter dem höchsten börsennotierten Schlusskurs von 19. Januar 2011. Zum Allzeithoch fehlten nur 2,50 €/t. Mit den sprunghaft angestiegen Sojabohnennotierungen wird der Preisanstieg bei Raps zum Automatismus. Der Sprung der Vorwoche über die 500-Euro Marke scheint aber auch psychologische Dämme weggespült zu haben. Die höheren Rohölnotierungen gaben zum Wochenanfang noch zusätzliche Unterstützung.
 
Rohöl: Die Rohölnotierungen schwanken weiterhin - diesmal standen die Vorzeichen auf grün. Der Streik der norwegischen Ölarbeiter ließ die Brent Crude-Ölnotierungen mehr als 2 US-$/Barrel ansteigen. Der streikbedingte Förderausfall in Norwegen soll etwa 1,2 Mio. t Rohöl/Tag betragen. Heute treten die Aussperrungen in Kraft. Analysten rechnen damit, dass der norwegische Staat in kürze in den Arbeitskampf eingreift. Die Commerzbank hält den Preisanstieg durch den Streik nur für temporär, denn der Rohölmarkt sei weiterhin überversorgt. Nach Schätzungen von Opec-Mitgliedern fördert die Organisation täglich 1,5 Mio. t mehr als die Zielvorgaben vorsehen. (St)
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