Tageskommentar Rohstoffe: Sojanotierungen geben erneut nach


Die Konsolidierungsphase am Sojamarkt gewinnt etwas an Konturen. Die Notierungen für Sojabohnen und Sojaschrot gaben deutlich nach. Die Rapskurse in Paris und Winnipeg zeigten sich gegen die Sojaschwäche immun. An der Matif schloss Raps mit Kursgewinnen. Weizen und Mais notierten wie drüben etwas fester. Rohöl gab weiter nach und scheint sich kurzzeitig in eine Korrekturphase zu bewegen.  
 
Weizen: Die Terminmärkte für Weizen blieben ohne nennenswerte Anregungen. In Chicago profitierte Weizen zunächst von den festen Maiskursen, gab seine Gewinne aber zu einem großen Teil wieder ab. Mithilfe von Shortabdeckungen blieb es bei Börsenschluss bei einem überschaubaren Plus. An der Matif profitierte Weizen von den festeren Vorgaben aus Übersee. Vor allem die neue Ernte konnte mit Kursgewinnen bis 3,75 €/t punkten.
In Kanada wird das Canadian Wheat Board, das Vermarktungsmonopol für Westkanada, zum 1. August seine Arbeit einstellen. Im Markt gibt es vage Befürchtung, dass dies einen negativen Einfluss auf die Exportqualität des kanadischen Weizens haben könnte.
 
Mais: An der Chicagoer Börse stiegen die Maisnotierungen nach Gerüchten über weitere Maiskäufe Chinas kräftig an. Mit dem schwachen Sojakomplex und gedrückten externen Vorgaben gaben sie ihre Gewinne größtenteils wieder ab und schlossen nur mit einem überschaubaren Plus. Auch die knappen US-Maisbestände für die laufende Kampagne rückten wieder in den Vordergrund. Vom morgigen USDA-Report erwartet der Markt eine Rücknahme der US-Endbestände um etwa 1 Mio. t auf 19 Mio. t. Erstmals wird das USDA aber auch eine Bilanz für die kommende Saison veröffentlichen. Aufgrund der kräftig gestiegenen Maisanbaufläche in den USA gibt es Schätzungen, dass die US-Endbestände in der kommenden Saison auf etwa 43 Mio. t ansteigen könnten.
Die Maisnotierungen an der Matif ließen sich von den zwischenzeitlich sehr festen Chicagoer Kurse zu Notizgewinnen von bis zu 2,75 €/t animieren.
 
Sojakomplex: Der Sojakomplex zollte dem überkauften Markt mit aggressiven long-Liquidationen Tribut. Die Bohnen- und Schrotnotierungen gaben für Juli 10 US-$/t nach. Inzwischen sind erste deutlichere Korrektursignale spürbar. Die offenen Positionen für Sojabohnen haben sich am Vortag in Chicago stärker reduziert. Seit Anfang Mai sind die Sojabohnenkurse um fast 26 US-$/t und die Sojaschrotnotierungen um 16,50 US-$/t gefallen. Die rückläufigen Sojaschrotnotierungen kommen an den europäischen Märkten nur abgeschwächt an, denn ein gestiegener US-Dollarkurs kompensiert einen Großteil der Notizverluste.
 
Aufgrund der kleineren Bohnenernten in Südamerika rechnet Oilworld in den kommenden beiden Monaten mit einer Verschiebung der Sojabohnennachfrage in die USA. Dies begrenze das Abwärtspotenzial bei den Bohnennotierungen, vermuten die Hamburger Analysten. Für die argentinische Sojabohnenernte hat Oilworld seine Schätzung auf 41 Mio. t nach unten korrigiert. Dies ist keine Überraschung, denn andere Prognosen gehen bereits von einer Ernte von 40 Mio. t oder darunter aus. Für Brasilien stabilisieren sich die Ernteschätzungen. Brasilianische Analysten und Oilworld haben sich auf 65 Mio. t Sojabohnen eingeschossen.
 
Raps: Die Rapskurse an der Matif erwiesen sich am Vortag äußerst renitent gegen die schwachen Vorgaben vom Sojakomplex. Die Rapspreise schlossen bis zu 4,25 €/t im Plus. Die schwachen Vorgaben der Sojabohnen ließen die Spitzengewinne allerdings etwas abschmelzen. Mit dem auf und ab der Vortage nimmt die Volatilität an den Ölsaatenmärkten zu.
Auch in Winnipeg wollte Canola-Raps die Talfahrt der Sojabohnen nicht mitmachen und notierte nur für den Frontmonat Juli leichte Kursverluste.
 
Rohöl: Die Rohölnotierungen setzen ihre Abwärtsbewegung fort. Zeitweise sah es nach einem weiteren Einbruch aus, denn Brent Crude Öl purzelte bis zu 3 US-$/Barrel. Bis Börsenschluss reduzierten sich die Verluste allerdings deutlich. Die Aussagen des saudiarabischen Ölministers, dass die Ölpreise immer noch etwas so hoch seien, drückten neben dem festen US-Dollarkurs auf die Notierungen. Die großen Lagerbestände in den USA und das Überangebot am globalen Markt scheint den Anlegern inzwischen den Appetit auf Spekulationen mit Rohöl zu verderben. Auch wenn der Atomstreit mit dem Iran unterschwellig weiter schwelt, lässt er sich derzeit kaum noch als Preisargument verwenden. (St)
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