Tageskommentar Rohstoffe: Sorgen über Trockenheit in Westeuropa wachsen


Die Weizennotierungen in Chicago machten nach Shortabdeckungen einen Sprung nach oben. Auch in Paris konnten die Weizenkurse davon profitieren. Die Befürchtungen über Einbußen bei den Wintergetreideernten in Westeuropa nehmen zu. Die Maisnotierungen Chicago schlossen ebenfalls fester. Der Sojakomplex und Raps setzen ihren Anstieg ohne Umwege fort. In Chicago steigen die offenen Positionen für Mais und Soja weiterhin signifikant an. Rohöl notierte etwas schwächer.
 
Weizen: An der Matif war bei Weizen lange wenig los, doch die festeren Chicagoer Notierungen brachten auch die Weizenkurse in Paris auf Trab. Die alte Ernte schloss mit Kursgewinnen von 3,50 €/t. Es macht sich ein zunehmendes Trockenheits-Szenario für Süd- und Westeuropa breit. Neben Spanien und Portugal sind auch in im östlichen Großbritannien und weiten Teilen Frankreichs die Böden zu trocken. Der Verband der europäischen Mischfutterhersteller ‚Fefac‘  und das französische Analystenhaus Strategie Grains sprechen bereits von einem bedrohlichen Wasserdefizit in Nordafrika und Westeuropa. Man befürchtet Einbußen bei den Wintergetreideernten. So hat Strategie Grains die Schätzung für die europäische Weizenernte auf 131 Mio. t nach unten korrigiert. Die Auswinterungsschäden scheinen zudem generell größer zu sein, als es zunächst den Anschein hatte. Allein Frankreich rechnet mit Auswinterungen im Wintergetreide zwischen 5 und 20 Prozent.
 
In Chicago machten die Weizennotierungen nach Shortabdeckungen ein Sprung nach oben und schlossen über 7 US-$/t fester. Das aufkommende europäische Trockenheitsszenario war auch in Übersee spürbar.
 
An den Exportmärkten werden die Weizenausfuhren aus der EU durch den schwachen Euro begünstigt. Für diese Woche hat die EU Exportlizenzen über 427.000 t erteilt. An ihnen war Deutschland mit 152.000 t beteiligt. Ägypten hat 120.000 t Weizen gekauft, sich jeweils zur Hälfte auf die USA und Kanada verteilen. Der Irak hat seinen Weizentender über 300.000 t in Kanada gefüllt.
 
Mais: Die festeren Sojabohnennotierungen färbten auch auf die Chicagoer Maiskurse ab, die nach stetigen Käufen der Fonds wieder zulegen konnten. Die offenen Positionen der Chicagoer Maisfutures wachsen weiter an und haben inzwischen den höchsten Stand seit Juni 2011 erreicht.
Spekulationen über eine kleinere Maisernte Chinas bestimmen die internationalen Märkte. In China haben die Maispreise ein Rekordniveau erreicht. Amerikanische Händler hoffen auf größere Maiskurse Chinas, denn immer mehr Analysten halten die offiziellen Zahlen Chinas über die eigene Maisernte für maßlos überzogen. Auch die Hoffnungen Chinas, die staatlichen Reserven durch Aufkäufe auf den Binnenmarkt aufzustocken, zeigen sich wenig erfolgreich. Die Ankäufe bleiben weit hinter den Erwartungen zurück.
 
In dem festeren Umfeld zogen die Maisnotierungen an der Matif für Juli um 2,75 €/t an. Strategie Grains hat seine Prognose für die kommende europäische Maisernte auf 64,6 Mio. t nach oben korrigiert. Nach dieser Einschätzung würde die europäische Maisernte aber immer noch 1,2 Mio. t kleiner als im Vorjahr ausfallen.
 
Sojakomplex: Die Sojabohnenfutures schwenkten nach dem Intermezzo der Vortage wieder in ihre Aufwärtsbewegung ein. Stimmungsmache für die Bohnen an der  Chicagoer Börse, Hoffnungen auf große Bohnenexporte nach China und gedrückte Aussichten für die südamerikanische Ernte bestimmten den Sojakomplex. Die wöchentlichen US-Exportzahlen für Sojabohnen waren mit 1,3 Mio. t zudem beachtlich. Der größte Teil davon betrifft die neue Ernte. Man hofft, von den kleiner südamerikanischen Bohne ernten profitieren Sie können. In Südbrasilien sollen die Sojabohnenerträge enttäuschen und in Argentinien ist die Ernte durch heftige Regenfälle unterbrochen.
 
Mit den kräftig steigenden Sojabohnennotierungen wuchsen auch die offenen Positionen weiter an. Allein in den vergangenen fünf Handelstagen nahmen sie für Sojabohnen an der Chicagoer Börse um mehr als 54.000 Kontrakte zu. Dahinter steht ein Volumen von über 7,4 Mio. t. Sie haben inzwischen den Höchststand seit elf Monaten erreicht.
 
Raps: Die Rapsrallye an der Matif hält an. Der Schwung geht von der alten Ernte aus, für die sich die Kurse um 4,50 €/t befestigten. Der Mai schloss bei knapp 482 €/t, der August setzte mit 460 €/t neue Hochs. Damit nehmen die Rapsnotierungen in Paris die 10-Euro-Hürden im Eiltempo. Bemerkenswerterweise haben sich die offenen Positionen in den vergangenen Tagen kaum bewegt. Dies lässt vermuten, dass an der Matif derzeit klassische Hedge-Aktivitäten dominieren.
In Winnipeg legte Canola-Raps mit dem festen Sojakomplex zweistellig zu.
 
Rohöl: In einer turbulenten Sitzung brachen die Rohölnotierungen kurzzeitig ein. Auslöser für die Turbulenzen waren Gerüchte über Freigaben der staatlichen Ölreserven nach einem Treffen Obamas mit dem britischen Premier Cameron. Die Gerüchte wurden allerdings postwendend dementiert. Die  Rohölnotierungen konnten sich wieder etwas erholen, schlossen aber mit roten Vorzeichen. Die Internationale Energieagentur IEA sieht zudem eine Überversorgung mit Rohöl. Nach ihrer Einschätzung übersteigt die Ölproduktion der OPEC-Länder die Nachfrage um 1,3 Mio. t pro Tag. (St)
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