Tageskommentar Rohstoffe: Späte Paukenschläge in Chicago

An der Chicagoer Börse sorgten kräftige Kursgewinne zum Börsenschluss für einen neuerlichen Sprung der Sojabohnen- und Sojaschrotkurse. Auch Weizen und Mais schlossen sich der späten Rally an, wenn auch mit etwas moderateren Notizgewinnen. Die Sitzungen verliefen äußerst volatil. Im Mittleren Westen bleibt es überwiegend heiß und trocken. Vereinzelte Niederschläge im zentralen und westlichen Maisgürtel bringen wenig Linderung der hitzegeplagten Mais- und Sojabohnenbestände. Für Weizen verschlechtern sich die Ernteprognosen in der Schwarzmeerregion.
An der Matif stand der Handel im Zeichen von Gewinnmitnahmen. Weizen und Mais notierten schwächer, Raps gab sogar stärker nach. Nach den festen Vorgaben der Chicagoer Börse vom Vortag dürften das ‚rote‘ Intermezzo und die kleine Kurskorrektur in Paris heute schon wieder beendet werden. Rohöl bewegt sich trotz eines reichlich versorgten Marktes stetig nach oben.
 
Weizen: An der Matif gaben die Weizennotierungen nach Gewinnmitnahmen nach und legten einen weiteren Konsolidierungstag an. Der November notierte 4,50 €/t im Minus. Auch die zwischenzeitlich schwächeren Weizennotierungen an der Chicagoer Börse drückten auf den Matif-Weizen.
In Chicago schlossen sich die Weizennotierungen nach zwischenzeitlichen Verlusten der Mais-und Sojabohnenrallye an legten zu. Der Frontmonat September sprang erstmals über die Marke von 9 US-$/Bushel oder umgerechnet 330 US-$/t.  
Die Analysten von SovEcon zeichnen ein ziemlich düsteres Bild für die russischen Weizenexporte. Sie erwarten nur noch Ausfuhren von 10 Mio. t. Die gesamten Getreideexporte sehen sie nur noch bei 14 Mio. t. In der vergangenen Saison hatte Russland fast doppelt so viel Getreide exportiert.
Kasachstan befürchtet ebenfalls eine unterdurchschnittliche Getreideernte. Offiziellen Schätzungen zufolge erwartet das Land nur noch eine Getreideernte von 14 Mio. t. Dies wäre gegenüber der Rekordernte des Vorjahres ein Minus von 48 Prozent. Aber auch der langjährige Durchschnitt von 17 Mio. t würde damit deutlich verfehlt werden.
 
Mais: Heiß und trocken bleibt es in den zentralen und westlichen Teil des Mittleren Westens. Temperaturen bis zu 40 °C treiben die Stressfaktoren für die US-Maisbestände weiter in die Höhe und kleinere Niederschläge bringen keine Milderung. In den östlichen und südlichen Teil des Maisgürtels hat es zwar etwas geregnet, doch die Blütephase bei Mais ist dort weitgehend abgeschlossen und der Regen kommt zu spät. Nach einer Reuters- Umfrage rechnen Analysten nur noch mit einem Durchschnittsertrag von 137,2 Bushel/acre. Trotz der gedrückten Ernteaussichten hat die US-Energiebehörden EPA unterstrichen, an ihrem Ethanol Mandat festzuhalten.
Die Maiskurse in Chicago bewegten sich nach einem volatilen Handel zum Börsenschluss nach oben. Der Frontmonat September schloss nur knapp unter dem Allzeithoch. In nur einem Monat haben die Notierungen knapp 50 Prozent zugelegt und reichlich Kapital mobilisiert. In vergangen 14 Tagen sind die offenen Positionen für Mais in Chicago um über 133.000 Kontrakte angestiegen. Hinter dem Anstieg verbirgt sich ein Gesamtvolumen von fast 17 Mio. t.
In Paris hielten sich die Notizverluste für Mais mit einem Minus von 1,50 €/t für den November in Grenzen. Der Frontmonat August gab etwas stärker nach.
 
Sojakomplex: Beim Sojakomplex in Chicago setzte es zum Börsenschluss Paukenschläge. Die Bohnennotierungen schossen mehr als 16 US-$/t und die Sojaschrotnotierungen 22 US-$/t nach oben. Die Sitzung war höchst volatil, die Bohnen wurde einer Bandbreite von 21 US-$/t gehandelt. Die Wettermärkte halten den Sojakomplex im Griff, denn in den kommenden 14 Tagen sieht es bei sehr heißen Temperaturen in mittleren Westen icht sonderlich gut für viele Bohnenbestände aus. Auch der Sojakomplex kann über mangelnden Kapitalzufluss nicht klagen. Die offenen Positionen für Bohnen haben inzwischen das Volumen der von Südamerika ausgelösten Frühjahrs-Rallye übertroffen.
 
Raps: Die Rapsnotierungen an der Matif standen im gesamten Tagesverlauf unter Druck von Gewinnmitnahmen. Zum Börsenende verschärften sich die Verluste sogar noch deutlich, obwohl die Chicagoer Sojabohnennotierungen bereits zur Rallye angesetzt hatten. Der November- und Februar-Raps notierten 7,50 €/t schwächer. Die ungewöhnliche Konstellation lässt die Vermutung aufkommen, dass die Gewinne an der Matif möglicherweise umgehend in die Sojabohnenfutures investiert wurden. Der Spuk und die kurze Korrektur dürften nach dem bombenfesten Börsenschluss der Bohnen heute schon wieder passé sein.
Auch in Winnipeg gaben die Canola-Futures etwas nach.  
 
Rohöl: Die Rohölnotierungen bewegen sich weiter nach oben. Festere Aktienmärkte und niedrige US-Lagerbestände bei Rohöl und Benzin animierten die WTI-Notierungen. Für die Kursgewinne bei Brent Crude Öl muss weiterhin der Iran herhalten. China wird nach Einschätzung von Analysten im laufenden Monat seine Rohöleinfuhren aus dem Iran kräftig erhöhen und im die Hälfte seiner derzeitigen Rohölexporte zu vergleichsweise billigen Preisen abnehmen. Nach Einschätzung der Commerzbank werden dadurch die Lieferressourcen anderer exportierender Länder geschont. Der globale Ölmarkt gilt trotz der jüngsten Preisanstiege als überversorgt. (St) 
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