Tageskommentar Rohstoffe: Talfahrt der Matif-Notierungen setzt sich fort

Die Weizen-, Mais- und Rapsnotierungen an der Matif standen erneut unter massivem Verkaufsdruck und die Liquidationswelle führte zu weiteren deutlichen Notizverlusten. Die Stimmung ist schwach und ein Ende des Drucks ist noch nicht abzusehen. Das Erdbeben in Japan hat die Tendenz zusätzlich verstärkt. In Chicago konnten sich die Notierungen allerdings etwas erholen und schlossen für Getreide und Soja mit leichten Notizgewinnen. Die Rohölnotierungen blieben nahezu unverändert, doch der Preisanstieg scheint vorerst gebremst zu sein.
 
Weizen: An der Matif öffneten und schlossen die Weizenkurse schwach. Die Mainotierungen verlor mehr als 6 €/t. Der November fiel im Schlusskurs unter 200 €/t. Die Verkaufswelle hielt an und ein Ende der Korrekturphase lässt sich derzeit noch nicht erkennen.
In Chicago konnten sich die Weizennotierungen nach schwachem Start leicht erholen und endeten im grünen Bereich. Der US-Wettermarkt zeigte wieder Wirkung, denn in großen Teilen der Plains ist es weiterhin zu trocken.
Die Schäden des Erdbebens auf die Infrastruktur und Häfen im nördlichen Japan lassen erhebliche Verzögerungen bei der Abwicklung der Getreideimporte erwarten. Nach Einschätzung japanischer Handelshäuser wird es mehrere Wochen dauern, bis die Getreidelogistik wieder einigermaßen hergestellt ist.
 
Mais: Durch die Verwüstungen der Infrastruktur in den Erdbebengebieten erwarten Analysten kurzfristig eine Reduktion der japanischen Maiseinfuhren von 500.000 t bis zu 1Mio. t. Japan ist der größte Maisimporteur am Weltmarkt und führt jährlich etwa 16 Mio. t Mais ein. Im nördlichen Japan gibt es eine starke Konzentration der Mischfutterindustrie, deren Produktionsanlagen erheblich beschädigt sein sollen. Japanische Händler erwarten, dass die Mischfutterindustrie erst in einem halben Jahr wieder mit voller Kapazitätsauslastung laufen wird.
In Chicago konnten sich die Maisnotierungen nach den schwachen Vortagen etwas erholen und schlossen mit Hilfe von Shortabdeckungen mit einem leichten Plus. Der Markt gilt als überverkauft. Durch die Regenfälle in Brasilien rechnet man mit einer verzögerten Maisernte, da dort nun vorrangig Sojabohnen geerntet werden. Der US-Attache in China geht von erheblich kleineren Maisbeständen in China aus, als offiziell verlautbart.
In Paris geriet Mais mit Weizen unter Druck und notierte für Juni 5,50 €/t schwächer. Seit Anfang der Vorwoche haben die Maiskurse rund 15 €/t eingebüßt.
 
Sojakomplex: Der Sojakomplex konnte bei leichten Kursgewinnen die negative Tendenz der Vortage unterbrechen. Der Verkaufsdruck in Chicago ließ etwas nach. Für Sojaschrot zogen die Notierungen 6 US-$/t für den Mai an. Die anhaltenden Regenfälle in Nordbrasilien sollen inzwischen zu ersten Qualitätsproblemen bei der brasilianischen Sojabohnenernte führen. Es sind weitere Regenfälle angekündigt.
Japan wird kurzfristig seine Einfuhren an Sojabohnen und Sojaschrot reduzieren, so die Einschätzungen von Analysten. Pro Jahr importiert Japan etwa 3,4 Mio. t Sojabohnen und 2,5 Mio. t Sojaschrot.
 
Raps: Die Talfahrt der Rapspreise hat sich ungebremst fortgesetzt. Massiver Verkaufsdruck und die anhaltende Liquidationswelle ließen die Preise an der Matif bis zu 18 €/t in den roten Bereich fallen. Mit einem Minus von 11,50 €/t für den Mai und 9,50  €/t für den August fielen die Notizverluste bei Börsenschluss nicht ganz so extrem aus. Die Aktivitäten waren lebhaft und es wurden über 700.000 t Raps gehandelt. Seit Anfang der Vorwoche sind die Kurse für Mai um 43 €/t in der Summe eingebrochen. Die Suche nach fundamentalen Erklärungsansätzen für den Einbruch ist müßig.  
Die Canola-Notierungen in Winnipeg gaben um die 3 Can-$/t nach. Man befürchtet rückläufige Rapsimporte Japans, das üblicherweise 1,8 bis 2 Mio. t Raps in Kanada kauft.
 
Rohöl: Die Rohölkurse haben sich trotz Schwankungen unterm Strich kaum bewegt. Ein schwächerer US-Dollarkurs dürfte die Abwärtsbewegung etwas abgemildert haben. Die Unruhen und der Militäreinsatz Saudi-Arabiens in Bahrain sollen stützend auf die Rohölkurse gewirkt haben. Das Erdbeben in Japan hat den Auftrieb der Rohölpreise kurzfristig ausgebremst. (St)
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