Tageskommentar Rohstoffe: USDA-Schätzung bringt Börsennotierungen nach oben

Die neue USDA-Schätzung hat an den Warenterminbörsen einen neuen Preisschub ausgelöst. Die Weizennotierungen zogen sowohl an der Matif als auch in Chicago an. Auch Mais und der Sojakomplex profitierten mit Kursgewinnen. Für Raps gab es nur ein moderates Minus, denn rückläufige Rohölnotierungen drücken auf die Kurse.
 
Weizen: Mit einer Rückstufung von 15 Mio. t hat das USDA die globale Weizenproduktion überraschend stark nach unten korrigiert. Nach Bekanntwerden der Zahlen stiegen die Weizenpreise in Chicago und an der Matif deutlich an. Die Matif schloss mit Kursgewinnen von bis zu 7,50 €/t, in Chicago war der Preisanstieg zwischenzeitlich sogar noch höher. Gewinnmitnahmen zum Börsenschluss ließen den Dezember-Weizen in Chicago aber doch nur knapp 7 US-$/t fester schließen.
Der Rückgang der globalen Weizenproduktion resultiert erwartungsgemäß aus den kleineren Ernten Russlands und der Schwarzmeer-Region. Aber auch für die EU gehen die amerikanischen Analysten von einer niedrigeren Weizenernte aus. Mit 137,5 Mio. t würde sie nach der Schätzung über 1 Mio. t kleiner als im Vorjahr ausfallen. Die globalen Endbestände von fast 175 Mio. t lassen allerdings keine Versorgungsengpässe erwarten.

An den Exportmärkten bleiben die Aktivitäten rege. Die wöchentlichen US-Exportzahlen waren mit 1,3 Mio. t beachtlich. Laut USDA-Report wollen in die US-Amerikaner in der laufenden Saison 8,7 Mio. t Weizen mehr als im Vorjahr exportieren. Die EU hat in dieser Woche Exportlizenzen von 261.000 t zugeschlagen. Deutschland war daran nur mit einer unwesentlichen Menge beteiligt. Dafür hat Jordanien 100.000 t Weizen in Deutschland gekauft.
 
Mais: Die Prognose des USDA über eine neue US-Rekordmaisernte  von knapp 340 Mio. t hat Chicago wenig beeindruckt. Die Kurse ließen sich von festeren Weizenpreisen mitziehen. Trotz der großen Ernte fällt das Verhältnis von Endbeständen zu Verbrauch in den USA für die kommende Saison unter 10 Prozent und lässt kein komfortables Polster warten. Die Hoffnung auf größere Maisexporte durch das kleinere globale Weizenaufkommen animierte die Fonds zu lebhaften Käufen. Das USDA hat die Exportprognose für den US-Mais für 2010/11 auf 52 Mio. t nach oben korrigiert. Nach Ansicht von Analysten könnten die Exporte jedoch weitaus höher ausfallen.
An der Matif marschierten die Maisnotierungen mit Weizen über 5 €/t nach oben.
 
Sojakomplex: Bei Sojabohnen in Chicago ein ähnliches Bild. Trotz der prognostizierten US-Rekordernte für Sojabohnen von 93,4 Mio. t zogen die Preise in Chicago an. Für Sojaschrot fielen sie mit einem Plus von mehr als 9 US-$/t noch stärker als für Sojabohnen aus. Neben den höheren Weizennotierungen regten die sehr großen wöchentlichen US-Exportzahlen von 2,6 Mio. t Sojabohnen die Fonds an. Ein Zehntel davon entfiel noch auf die alte Ernte. An den Exporten für die neue Kampagne ist China zu zweidrittel beteiligt. Nach der USDA-Schätzung wird der chinesische ‚Hunger‘ nach Sojabohnen anhalten und China wird in der kommenden Kampagne voraussichtlich 52 Mio. t Bohnen importieren. Dies wird den Sojamarkt fundamental stützen.
 
Raps: Raps konnte von der festere Stimmung nur bedingt profitieren, denn rückläufige Rohölnotierungen drücken auf die Rapspreise. An der Matif wurde Raps nur in einer engen Bandbreite gehandelt, die Notizgewinne von 1 €/t für November und Februar hätten sich in Grenzen. Der Markt zeigte Kontinuität, blieb aber vor und nach dem USDA-Bericht in Wartestellung und das Volumen war kleiner als an den Vortagen. In der Wochenmitte haben sich die offenen Positionen beim Matif-Raps zudem um rund 6.000 Kontrakte abgebaut und dürften den spekulativen Einfluss etwas verringert haben.
In Winnipeg gab es leichte Notizverluste für Canola-Raps. Die Aussichten auf eine bessere kanadische Canola-Ernte und fehlende Exportaufträge drückten auf die Stimmung.
 
Rohöl: Die Rohölnotierungen gaben am dritten Tag hintereinander nach und schlossen erneut mit deutlicheren Kursverlusten. Die Kurse fielen auf unter 76 US-$/t. Auslöser der Talfahrt waren der festere Dollarkurs, gedrückten Aktienmärkte und Umschichtungen an den Kapitalmärkten. Schlechte Zahlen vom US-Arbeitsmarkt belasteten die Rohölnotierungen zusätzlich. (St)
 
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