Tageskommentar Rohstoffe: Weizenkurse bewegen sich nach oben


Die Weizenkurse in Chicago und in Paris schlossen fester. Ursächlich hierfür sind etwas gedrücktere Aussichten für die Weizenernte in den USA und Russland. Mais verbuchte technische Kursgewinne. Der Sojakomplex unterbrach seine Liquidationsphase und schloss fester. Vor allem die Sojaschrotnotierungen zogen wieder kräftig an. Raps profitierte vom festeren Sojakomplex mit Notizgewinnen. Rohöl schloss uneinheitlich.
 
Weizen: In den USA scheint es für die Winterweizenernte doch nicht ganz so optimal auszusehen, wie zuletzt geschätzt. In Kansas, dem Kernland der Produktion für Hard-Red-Winterweizen war das Wetter zuletzt anscheinend  zu gut und es fehlt an Niederschlägen. Eine mögliche US-Rekordweizenernte wird inzwischen mit einem Fragezeichen versehen. Die schlechtere Bonitierung der US-Feldbestände löste Shortabdeckungen aus. Die Weizenkurse in Chicago profitierten davon mit Kursgewinnen. Der Frontmonat Juli schob sich mit einem Schlusskurs von 223 US-$/t wieder über die Marke von 6 US-$/Bushel. Auch in Russland scheint es an Niederschlägen zu fehlen und die Ertragsaussichten für Weizenernte werden skeptischer beurteilt.
In Paris schlug sich die feste Stimmung beim Weizen in Gewinnen von 4 €/t auf fast allen Termin wieder. Der November notierte kurzzeitig wieder bei 200 €/t. Die etwas schwächere Tendenz der Vortage wurde zumindest korrigiert. Die Notierungen reihten sich wieder in eine gewohnte Bandbreite ein.
Tunesien erwartet mit 2,5 Mio. t im extremen Gegensatz zum Nachbarland Marokko die besteWeizenernte seit Jahrzehnten. Kasachstan will noch einmal richtig Gas beim Export geben und bis Anfang September 3 Mio. t Weizen und 1 Mio. t Weizenäquivalent als Mehl exportieren.
 
Mais: Die Chicagoer Maisnotierungen profitierten von einem überverkauften vorderen Markt mit technischen Kursgewinnen. Es keimen zudem erste Wettermarkt-Einflüsse auf, denn im südlichen US-Maisgürtel soll es etwas zu trocken sein. Auch die zurückgenommene Bonitierungen für den US-Winterweizen wirkten sich positiv auf die Mais ausgewirkt haben.
An der Matif nahm Mais die festen Vorgaben vom Weizen und aus Chicago an und schloss bei vergleichsweise lebhaftem Handel bis zu 2,50 €/t im Plus.
 
Sojakomplex: Mit einer technischen Erholung unterbrach der Sojakomplex die Liquidationsphase der Vortage. Die Sojaschrotnotierungen zogen nach Gerüchten über Kaufinteresse Chinas an alterntigen Sojabohnen fast 10 US-$/t an. Die Vogel schoss allerdings Sojaschrot ab, die Kurse befestigten sich um 15 US-$/t. Schrot profitiert vor allem von der schwachen argentinischen Ernte, denn Argentinien ist der größte Exporteur von Sojaschrot. Die argentinische Sojabohnenernte verzögert sich zudem durch Regenfälle. Heute Morgen deuten schwache Vorgaben in Chicago an, dass sie Konsolidierungsphase Sojabohnen noch nicht beendet sein muss.
In Brasilien haben die Farmer nach Auswertungen von brasilianischen Analysten bereits 83 Prozent ihrer diesjährigen Sojabohnenernte verkauft. Dies deutet nicht unbedingt auf Vertrauen in weiter steigende Sojabohnenpreise hin.
 
Raps: Festere Sojabohnenkurse ermöglichen auch dem Raps an der Matif eine Kurskorrektur nach oben. Die vorderen Termine schlossen bis zu 4,50 €/t fester. Die Rapsernte in der EU schmilzt zusehends, denn in seinem jüngsten Bericht geht das Hamburger Analystenhaus Oilworld nur noch von einer EU-Rapsernte von 18,1 Mio. t aus. Der Deutsche Raiffeisenverband erwartet für Deutschland eine Rapsernte von 4,3 Mio. t und damit zum zweiten Mal hintereinander ein unterdurchschnittliches Ergebnis. Die schwachen Vorgaben der elektronischen Börse in Chicago könnten die Rapsnotierungen heute Morgen erneut belasten.
In Winnipeg schoben sich die Canola-Notierungen im Sog der festeren Sojabohnen um die 8 Can-$/t nach oben.
 
Rohöl: Die Rohölnotierungen zeigen tendenziell weiter nach unten, auch wenn Brent Crude Öl mit leichten Kursgewinn schloss. Die Nordsee-Ölsorte profitierte von guten Konjunkturdaten aus Deutschland. Entgegen den Erwartungen wuchs die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal dieses Jahres um 0,5 % und verhinderte damit ein Abgleiten der Eurozone in die Rezession. WTI notiert dagegen schwächer. Die Neuwahlenin Griechenland und die Finanzprobleme in Spanien sowie die Überversorgung an Rohöl lassen erst einmal Druck auf die Kurse erwarten. (St)
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