Tageskommentar Rohstoffe: Wettermärkte geben dem Weizen Auftrieb

Die Notierungen für Weizen haben sowohl in Chicago als auch in Paris erneut zugelegt. Auslöser für die Rallye sind Wettermärkte in den USA, vor allem aber Befürchtungen über eine kleinere Getreideernte in Russland. Die Maisnotierungen schlossen sich der Weizenrallye an und notierten ebenfalls fester. Der Sojakomplex orientierte sich trotz Schwankungen wieder nach oben. Nach den kräftigen Kursverlusten zur Wochenmitte konnte sich Raps wieder etwas erholen. Die Rohölpreise tendierten weiter schwach.
 
Weizen: In Chicago legten die Weizenkurse in den vergangenen Tagen eine regelrechte Rallye hin. Im Wochenverlauf stiegen die Kurse 23 US-$ an. Auslöser sind einsetzende Wettermärkte und Shortabdeckungen der Fonds. Zum einen fehlen in den US-Plains Niederschläge, zum anderen spricht man von deutlich kleineren Getreideernten am Schwarzen Meer. In Südrussland, den wichtigsten Weizen Produktionsgebiet der russischen Republik, schwindet die Aussicht auf eine gute Weizenernte mit der heißen und trockenen Witterung. Erste pessimistische Einschätzungen gehen bereits von irreversiblen Schäden der russischen Weizenernte aus. Die Analysten von SovEcon erwarten für 2012/13 einen Rückgang der russischen Getreideexporte auf 20 Mio. t und damit um 28 Prozent. Dabei würde es sich weitgehend um Weizen handeln. In seinem jüngsten Report geht das USDA ebenfalls von erheblich kleineren russischen Getreideexporten aus. In Australien verzögert sich die Weizenaussaat aufgrund der trockenen Bodenbedingungen.
 
An der Matif schlugen die Wettermärkte ebenfalls mit Kursgewinnen zu Buche. Im Wochenverlauf zogen die Weizennotierungen in Paris für den November 11,50 €/t an. Hinzu kommen niedrigere Einschätzungen für die kommende europäische Ernte. So erwartet Strategie Grains nur noch eine europäische Weichweizenernte von 122,7 Mio. t und hat seine vorangegangene Prognose um 4,2 Mio. t nach unten korrigiert. Vor allem in Deutschland und in Polen sehen die französischen Analysten deutlich schlechtere Weizenernten auf sich zukommen. Die europäischen Weichweizen-Exporte haben das Tempo vom Monatsanfang nicht halten können. In dieser Woche hat die EU-Kommission nur neue Exportlizenzen über 120.000 t erteilt.
 
Mais: Die Maiskurse in Chicago bewegten sich in den vergangenen Tagen ebenfalls deutlicher nach oben. Zur Wochenmitte waren neue Maiskäufe Chinas die Auslöser, denn das USDA hat einen Export von 900.000 t Mais nach China bekannt gegeben. Am Vortag profitierte Mais von den Wettermärkten für Weizen. Argentinien geht offiziell von einer Maisernte von 20,1 Mio. t aus und liegt damit 1,4 Mio. t unter der jüngsten USDA-Schätzung.
China erwartet nach halboffiziellen Einschätzungen eine neue Rekord-Maisernte von 197,5 Mio. t. An der Prognose dürfte jedoch ein großes Fragezeichen stehen. Gleichzeitig sprechen chinesische Analysten von einem erheblich größeren Importbedarf, den sie auf 8 Mio. t Mais quantifizieren. Falls China in größerem Umfang seine Maisbestände aufstocken sollte, halten Analysten allerdings Maisimporte von 12 bis 20 Mio. t durchaus für denkbar.
 
In Paris konnte der Mais der Weizenrallye nicht sonderlich viel abgewinnen, schloss sich aber mit leichten Kursgewinnen der festeren Tendenz des Weizens an.
 
Sojakomplex: Der Sojakomplex zeigt wieder Anzeichen von Stabilisierung. Seit Dienstag dieser Woche ziehen die Kurse wieder an. Größere chinesische Sojabohnenkäufe für die alte Ernte werden als Grund herangezogen. Auch die festeren Mais-und Weizennotierungen gaben den Sojakursen Aufwind. China hat in dieser Woche 480.000 t alterntige Sojabohnen in den USA gekauft. Für die laufende Kampagne scheint sich nach halboffiziellen chinesischen Einschätzungen mit 58 Mio. t ein 2 Mio. t größerer Importbedarf einzustellen, als zuletzt erwartet.
Argentinien rechnet offiziell mit einer Sojabohnenernte von 41,5 Mio. t. Das USDA hatte zuletzt die argentinische Ernte gegenüber den gängigen Einschätzungen noch auf 42,5 Mio. t taxiert. China erwartet im laufenden Jahr eine Sojabohnenernte von 13 Mio. t und damit ein Minus von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
 
Raps: Nach dem neuerlichen Preiseinbruch der Rapsnotierungen zur Wochenmitte mit einem Minus von 8,50 €/t zeigten die Rapskurse gestern wieder Stabilisierungstendenzen. Sie schlossen auf den späteren Terminen bis zu 5 €/t fester. Die Reaktion auf die schwachen Sojabohnenkurse zur Wochenmitte scheint etwas überzogen gewesen zu sein und die Kursverluste dürften auch auf Gewinnmitnahmen basieren. Der Markt bleibt erst einmal  sehr volatil und höchst empfänglich gegen negative Impulse.
Die Fundamentaldaten sind weiterhin fest. Ohne extreme Einflüsse der Finanzmärkte, vom Sojakomplex oder vom Rohöl scheint es nur eine Frage Zeit zu sein, bis die kräftige Delle bei den Rapspreisen wieder ausgebügelt wird. In Australien leidet der Raps unter Trockenheit und die Aussichten auf eine neuerliche Rekordernte werden inzwischen wieder revidiert. Analysten taxieren die Rapsernte Australien derzeit nur noch auf 3 Mio. t. In der Ukraine zeichnet sich nur noch eine Rapsernte von 950.000 t ab, die damit rund ein Drittel niedriger als im Vorjahr ausfallen wird. Das Exportpotenzial für Raps aus der Ukraine in die EU schrumpft damit erheblich.
In Winnipeg zogen die Rapsnotierungen nach vorangegangen Kursverluste wieder kräftig an.
 
Rohöl: Die Rohölnotierungen fallen weiter. Am Vortag gab es vor allem für Brent Crude deutliche Verluste und die Notierungen bewegen sich heute Morgen unter 107 US-$/Barrel. Ein fester US-Dollarkurs, erhebliche Sorgen um die Eurozone, die Unsicherheit in Griechenland und Spekulationen auf ein schwächeres Rating für Spanien drücken kräftig auf die Kurse. WTI-Öl ist auf den niedrigsten Stand seit mehr als 6 Monaten gefallen und notiert heute Morgen unter 92 US-$/Barrel. In der Seaway-Pipeline in den USA fließt seit gestern Rohöl vom US-Andienungsort Cushing an den Golf von Mexiko und damit in umgekehrter Fließrichtung. Die Preisreaktion ließ aber noch auf sich warten. Mit der sogenannten Umkehr-Pipeline könnten sich die Rekordlagerbestände von 45,1 Mio. t in Cushings abbauen, erwarten Analysten. (St)
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