Tageskommentar Rohstoffe: Wettermärkte treiben Notierungen nach oben

Trockenes und heißes Wetter im Mittleren Westen der USA lassen die Mais-, Weizen- und Sojanotierungen an der Chicagoer Börse mit deutlichen Gewinnen schließen. Der Matif profitiert bei Weizen ebenfalls von der festeren Entwicklung in Übersee. Die Rapsnotierungen ziehen sogar kräftig an. Rohöl notiert dagegen wieder schwächer und bleibt unter Druck. Die festen vorbörslichen Vorgaben bei Sojabohnen in Chicago lassen heute Morgen für Raps weitere Aufwärtsimpulse erwarten.
 
Weizen: Die Weizennotierungen an der Chicagoer Börse standen ganz im Zeichen der festen Maiskurse. Mit ihrer Hilfe schloss Weizen mit zweistelligen Notizgewinnen. Hinzu kam eine Gegenreaktion auf die technischen Kursverluste vom vergangenen Freitag und eine insgesamt freundlichere Stimmung an den Agrarmärkten. In den USA ist die Winterweizenernte bereits zur Hälfte abgeschlossen.
Im südlichen Russland zeichnen sich zudem durch die Trockenheit der Vorwochen wesentlich niedrigere Weizenerträge als im vergangenen Jahr ab. In der Wolgaregion befürchtet man einen Ertragsrückgang von 25 bis 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die Matif profitierte von den festeren US-Weizenbörsen mit Kursgewinnen von bis zu 3,75 €/t. Die Handelsaktivitäten in Paris waren allerdings unterdurchschnittlich.
 
Mais: Sehr warmes und trockenes Wetter in weiten Teilen des Mittleren Westens der USA ließen die Maisnotierungen fast 11 US-$/t in die Höhe schießen. Shortabdeckungen begünstigten die Rallye. Die Regenfälle vom Wochenende waren dürftig ausgefallen und die trockensten Ecken im US-Maisgürtel sollen trocken geblieben sein. In den südlichen Teilen der USA und den zentralen Maisanbauregionen kommt der Mais bei trockenem und heiße Wetter in die Blütephase. Die Wetterprognosen der kommenden Tage verheißen keine Änderung. Das US-Landwirtschaftsministerium USDA hatte in der Vorwoche bereits von einer ungewöhnlichen Trockenheit in Teilen des mittleren Westens gesprochen. In der wöchentlichen Bonitierung der Feldbestände wurden die US-Maisflächen schlechter als in der Vorwoche bewertet und die Einstufung in den Kategorien ‚gut bis exzellent‘ um 3 Prozent nach unten korrigiert.
Auch in Nordchina soll es den Maispflanzen an Niederschlägen fehlen. China ist nach den USA der mit Abstand größte Maiserzeuger auf dem Globus.
In Paris bewegten sich die Maisnotierungen mit den festen Vorgaben von Chicago und mithilfe des Weizens bis zu 2 €/t nach oben. Für die späteren Termine gab es bei kleinen Aktivitäten sogar noch größere Notizgewinne.
 
Sojakomplex: Der Sojakomplex geriet wieder in den Sog der Wettermärkte, denn in den kommenden Tagen soll es trocken und sehr warm in Mittleren Westen werden. Die deutlichen Kursgewinne für Sojabohnen wurden von den Schrotnotierungen noch getoppt. Die Sojaschrotnotierungen zogen für die späteren Termine rund 15 US-$/t an. Der Zustand der heranwachsenden US-Sojabohnenbestände in den Kategorien ‚gut bis exzellent‘ wurde gegenüber der Vorwoche um 3 Prozent nach unten korrigiert. Da es auch in Teilen des US-Weizengürtels recht trocken ist, mehren sich Zweifel an einer erfolgreichen späten und zweiten Sojabohnenaussaat auf den abgeernteten Weizenflächen.
 
Raps: Die starken Schwankungen der Rapsnotierungen an der Matif setzen sich fort. Zum Wochenanfang stiegen sie mit einem Plus von 6 €/t wieder an. Dennoch bewegen sie sich in einem breiteren Preiskorridor seitwärts. Die Impulse kommen weitgehend von den Sojabohnen. Heute Morgen zeichnen sich in Chicago erneut größere Kursgewinne für Bohnen ab. Dies dürfte auch die Rapsnotierungen an der Matif zu Kursgewinnen animieren.  
In Winnipeg zogen die Canola-Notierungen ebenfalls kräftig an.
 
Rohöl: Die Rohölnotierungen profitierten nur kurzzeitig vom Wahlausgang in Griechenland. Nach kurzem Anstieg gaben sie wieder nach - für Brent Crude Öl stärker als für WTI-Öl. Obwohl sich in Griechenland eine Regierungsbildung abzeichnet, bleiben die Probleme die alten. Der Fokus richtet sich auf Spanien, wo die Finanz- und Bankenkrise eine weitaus größere Dimension einnimmt. Die Konjunkturaussichten für die EU bleiben gedrückt und werden sich in einem niedrigen Rohölverbrauch niederschlagen. So erwartet die EU-Kommission im laufenden Jahr für die Union einen Rückgang der Rohölnachfrage von 340.000 Barrel pro Tag und geht auch für 2013 von einem Minderverbrauch von 230.000 Barrel pro Tag aus. Die spekulativen Anleger ziehen sich verstärkt aus den Rohren-Futures zurück und haben nach einem Bericht der Commerzbank ihr Engagement auf den niedrigsten Stand seit September 2010 zurückgefahren. (St)
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