Tageskommentar Rohstoffe: sprunghafte Kursgewinne für Soja und Raps


Die Wettermärkte in den USA lassen die Sojanotierungen und Rapspreise kräftig ansteigen. Das ‚hot and dry‘ Szenario gewinnt erheblich an Dynamik und scheint erst einmal die Richtung an den Agrarmärkten vorzugeben. Die Maisnotierungen in Chicago ziehen ebenfalls deutlich an. Weizen marschierte in dem festen Umfeld mit nach  oben. Die Weizenkurse werden zusätzlich von der Trockenheit in weiten Teilen Russlands angeregt. Rohöl notiert durchwachsen und der Einfluss auf die Agrarmärkte schwindet derzeit.
 
Weizen: Sowohl in Chicago als auch in Paris profitierten die Weizenkurse von der Ölsaaten-Rallye und den strammen anziehenden Maisnotierungen. Chicago notierte für den Septemberweizen ein Plus von 7,50 US-$/t. Der Kursanstieg in Chicago wurde durch einen schwachen US-Dollarkurs zusätzlich forciert. Die Matif legte für den November 2,75 €/t zu, konnte aber ihre Spitzengewinne von zeitweise 5 €/t nicht halten.
 
Auch Weizen gerät verstärkt in den Sog der Wettermärkte. Vor allem die Aussichten auf eine kleinere russische Getreideernte machen sich bemerkbar. Inzwischen sind weite Teile Russlands vom trockenen Wetter betroffen. Die Zone soll sich über die Wolga und den Ural hinaus bis nach Sibirien ausgeweitet haben. Die Regenfälle kamen für wichtige russische Getreideanbaugebiete zu spät. Die Analysten von SovEcon haben ihre Schätzung für die russische Getreideernte um 3,5 Mio. t auf 85 Mio. t und der Weizenernte um 3 Mio. t auf 50 Mio. t nach unten korrigiert. Danach würde  Russland über 6 Mio. t Weizen weniger als im Vorjahr ernten und auch weniger Weizen exportieren können.
Die argentinische Regierung hat 6 Mio. t Weizen für den Export in der Saison 2012/13 freigegeben
 
Mais: Die Maiskurse zogen in Chicago mit dem ‚hot and dry‘-Szenario mit einem Plus von zwölf US-$/t für den September weiter an. Die Wettermärkte lassen in den kommenden Tagen ist keine Änderung des heißen und trockenen Wetters erwarten. Rund die Hälfte des mittleren Westens der USA soll von dem trockenen Wetter betroffen sein. Dort droht den US-Maisbeständen in der ertragsbildenden Blütephase Wassermangel. Die Aussicht auf Spitzenerträge schwindet zusehends. Analysten gehen davon aus, dass die vom USDA unterstellten Durchschnittserträge von 166 bushel/acre (10,4 t/ha) nicht erreicht werden können. Die sehr optimistische USDA-Ertragsschätzung war bereits im Vorfeld angezweifelt worden. Am Wochenanfang hatte das USDA die Bonitierung der Feldbestände bei Mais stärker als erwartet nach unten revidiert.
Die Matif profitierte von dem festen Umfeld mit überschaubaren Kursgewinnen für die alte Ernte, für die neue Ernte zogen die Maisnotierungen bis zu 5,75 €/t an.
 
Sojakomplex: Am heftigsten schlug der Wettermarkt beim Sojakomplex zu Buche, auch wenn der Mais zu Beginn der Blütephase stärker als die Bohne betroffen ist. Signifikante Kurssteigerungen von mehr als 18 US-$/t für die Sojabohnen und über 16 US-$/t für Sojaschrot waren die Folge. Zeitweise lagen die Kursgewinne noch deutlich darüber. Die Fonds finden mit dem Wettermarkt ein neues Betätigungsfeld und die Händler in Chicago preisten weitere Risikoprämien in Futures ein. Am Montag hatte das USDA nachbörslich die Bonitierung der heranwachsenden Sojabohnenbestände für die Kategorien ‚gut bis exzellent‘ um 4 Prozent nach unten korrigiert. Danach fallen nur noch 56 Prozent der Feldbestände in diese Klassifizierung. Hinzu kommt die enge US-Sojabilanz der alten Ernte. So geht Oilworld inzwischen nur noch von US-Endbeständen von 4,2 Mio. t Sojabohnen in dieser Kampagne aus.
Die Getreidebörse in Rosario hat ihre Schätzung für die argentinische Sojabohnenernte auf 40,5 Mio. t zurückgenommen. Andere Analysten sehen die argentinische Ernte unter 40 Mio. t.
 
Raps: Die Ölsaatenrallye und die äußerst festen Vorgaben vom Sojakomplex ließen die Rapsnotierungen an der Matif sprunghaft ansteigen. Während der Sitzung zogen sie zeitweise bis zu 14,50 €/t für den August an. Die Fonds sollen auch verstärkt in die Rapsfuturs an der Matif eingestiegen sein, wird im Markt vermutet. Mit Eröffnung der Chicagoer Börse verlagerten sich die Aktivitäten in Richtung Chicago, und die Spitzengewinne bei Raps bröckelten ab. Mit einem Plus von gut 10 €/t für den August blieb der Preisanstieg bei Börsenschluss dennoch beachtlich. Die Rallye ging einher mit äußerst lebhaften Handelsaktivitäten. So wurden über 17.200 Kontrakte mit einem Gesamtvolumen von mehr als 861.000 t Raps an der Matif gedreht.   
Auch in Winnipeg kam es für Canola-Raps zu größeren Kursgewinnen.
 
Rohöl: Die Rohölnotierungen schlossen durchwachsen. Der Einfluss auf die Agrarmärkte schwindet kurzzeitig. Einem überschaubaren Plus für WTI-Rohöl stand ein leichtes Minus bei Brent Crude Öl gegenüber. Die Brent Crude Notierungen sind durch die ungelösten Probleme der europäischen Schuldenkrise belastet. Bei WTI-Öl schlugen sich die Spekulationen auf eine neue Finanzspritze der amerikanischen Notenbank positiv auf die Notierungen nieder. (St)
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