Tageskommentar Rohstoffe: Überschaubare Preisbewegungen vor USDA-Schätzung


Vor dem heutigen USDA-Report hielten sich die Preisbewegungen an den meisten Märkten in Grenzen. Das Abwarten auf die neuen Zahlen bestimmte das Börsengeschehen. Die Stimmung bei Weizen und Mais war unterschwellig etwas schwächer, die Kursverluste blieben überschaubar. Der Sojakomplex unterstrich seine derzeitige Ausnahmestellung mit neuerlichen Kursgewinnen. Raps notierte gut behauptet. Beim heutigen USDA-Report könnte den südamerikanischen Ernteschätzungen eine Schlüsselrolle für die kurzfristige Preisentwicklung zukommen. Ein Teil der kleineren Ernteerwartungen bei Sojabohnen dürfte allerdings schon eingepreist sein. Der Markt rechnet damit, dass in der neuen Schätzung die globalen und US-Endbestände bei Sojabohnen, Mais und auch bei Weizen nach unten korrigiert werden. Rohöl legte weiter zu und lässt keine nachhaltige Schwächetendenz erkennen.
 
Weizen: Mit kleinen Kursverlusten schlossen die Weizenkurse an der Matif für die alte Ernte. Die neue Ernte notierte neutral. In Spanien zeichnen sich aufgrund der Trockenheit zunehmend Probleme bei heranwachsenden Wintergetreidebeständen ab. Die EU-Kommission hat in dieser Woche neue Exportlizenzen über 269.000 t Weichweizen erteilt, von den 143.000 t in Deutschland gezogen wurden. In der Summe haben sich die EU-Weichweizenexporte auf knapp 9,4 Mio. t in dieser Kampagne summiert. Dem stehen allerdings auch erhebliche Weizenimporte von 4,5 Mio. t entgegen. 3,75 Mio. t davon sind Futterweizen. Im Februar wurden in der EU Importlizenzen über 155.000 t Weizen minderer Qualität aus den USA beantragt, davon 42.000 t in Deutschland.
 
In Chicago gaben die Weizennotierungen leicht nach. Freundlichere externe Vorgaben wurden von stärkeren Verkäufen der Fonds überlagert. Auch der Verkauf von 60.000 t US-Weizens nach Ägypten konnte die Stimmung nicht drehen. Die Wettbewerbsfähigkeit des US-amerikanischen Weizens an den internationalen Märkten hat zugenommen. Allerdings sind die Verladungen in den Schwarzmeerhäfen aufgrund von Eisbehinderungen noch behindert.
 
Mais: Die Maisnotierungen an der Chicagoer Börse schlossen durchwachsen mit einem etwas schwächeren Unterton. Die Fonds waren mit Positionsbereinigungen vor dem heutigen USDA-Report auf der Verkäuferseite.
An der Matif notierte Mais nur unwesentlich verändert. Die Drittlandsimporte an Mais haben gegenüber den Vorwochen wieder zugenommen und es wurden neue Importlizenzen über 176.000 t gezogen.
 
An den internationalen Märkten werden erhebliche Zweifel an der angeblichen chinesischen Rekord-Maisernte von 191 Mio. t laut. Viele Analysten halten die Zahlen Chinas für maßlos übertrieben und gehen davon aus, dass die tatsächliche Maisernte zwischen 10 und 24 Mio. t kleiner als die offizielle Prognose ausgefallen ist. Dies würde einen höheren Bedarf an chinesischen Maisimporten suggerieren. Nach eigenen Aussagen hat China allerdings genügen Maisbestände und will keine große Maismengen importieren. Allerdings rechnet auch schon die chinesischen Marktanalyse-Behörde CNGOIC nur noch mit einer Maisernte von 185 Mio. t.
 
Sojakomplex: Der Sojakomplex setzte sich mit Kursgewinnen von rund 4 US-$/t für die Bohnen und von 3 US-$/t für Schrot erneut von den übrigen Agrarfutures ab. Vor allem die florierenden Sojabohnenexporte stützen den Markt. Die wöchentlichen US-Exportzahlen für Sojabohnen fielen mit 1,65 Mio. t außerordentlich hoch aus. Davon betreffen 1 Mio. t die alte Ernte, rund die Hälfte geht nach China. Der ferne Osten bleibt der Nachfragefaktor ‚Nummer Eins‘ für Sojabohnen. Der US-Landwirtschaftsattache in China rechnet für die kommende Kampagne mit chinesischen Rekordeinfuhren von 59 Mio. t Sojabohnen.
In Argentinien hält der Streik der Hafenarbeiter an und verzögert die Schiffsladungen bei Sojaschrot und Getreide. Rund 20 Schiffe sollen sich dadurch inzwischen schon verspätet haben.
 
Raps: Raps blieb ohne größere Anregungen. Die festeren Sojabohnen- und Rohölnotierungen ließen die alte Ernte neutral und die neue Ernte mit kleinen Kursgewinnen schließen. Die weiter Aufwärtsbewegung scheint dem Matif-Raps allerdings schwer zufallen.
Auch in Winnipeg notierte-Canola Raps etwas fester.
 
Rohöl: Aussichten auf eine erfolgreiche Umschuldung Griechenlands ließen die Rohölpreise erneut ansteigen. Inzwischen sollen knapp 86 Prozent der Gläubiger dem Schuldenschnitt und der Umwandlung der restlichen Bonds in Staatsanleihen mit anderen Laufzeiten und niedrigeren Zinsen zugestimmt haben. Im Iran scheinen sich die Embargos inzwischen auf die Rohölproduktion auswirken Agenturberichten zufolge ist die iranische Rohölförderung im Februar auf 3,45 Mio. t/Tag und den niedrigsten Stand seit Juli 2002 gesunken. In den USA bauen sich dagegen neue Lagerbestände auf. Die wöchentliche US-Statistik weist seit sechs Wochen fast immer steigende Rohölbestände auf. (St)
stats