Ferkelkastration

Tierärzte fallen Schmidt in den Rücken

Vierte Lösung
Ab dem 1. Januar 2019 wird es in Deutschland verboten sein, Ferkel, die jünger als acht Tage alt sind, ohne Betäubung zu kastrieren.
Als "vierte Lösung" befürwortete kürzlich Agrarminister Christian Schmidt (CSU) die Kastration von nur lokal nakotisierten Ferkeln. Die Branche hatte bisher drei mögliche Praktiken ab 2019 diskutiert: Ebermast, Immunokastration oder die Kastration unter Vollnarkose.
Deutliche Kritik an der von Agrarminister Christian Schmidt (CSU) propagierten vierten Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration übt Dr. Uwe Tiedemann, Präsident der Bundestierärztekammer (BTK). In einer heute veröffentlichten Pressemitteilung zeigt er sich "enttäuscht und befremdet". 

Lokale Betäubung ist anspruchsvoll

Fakt sei, dass derzeit keine Methode zur Verfügung stehe, die gleichzeitig die Ansprüche an Tiergerechtheit, Praktikabilität, Sicherheit für Tier, Mensch und Umwelt, Verbraucherakzeptanz und Wirtschaftlichkeit erfülle, heißt es in der Mitteilung. Mit der vom Bundeslandwirtschaftsminister als „vierten Weg“ bezeichneten Lokalanästhesie hat Tiedemann seine Probleme. Tiedemann warnt davor, die Anwendung durch Tierhalter zu erlauben: „Jede Anästhesie – das gilt auch für die lokale Betäubung – ist eine anspruchsvolle und risikobehaftete tierärztliche Tätigkeit! Das fehlerhafte Verabreichen eines Lokalanästhetikums kann verheerende Folgen bis hin zum Tod des Tieres haben. Aus diesem Grunde lehnen wir dies ausdrücklich ab.“ 

Aber nicht nur die Anwendung durch Laien, sondern auch die Methode selbst sieht die Bundestierärztekammer als kritisch an. Nach den bisherigen wissenschaftlichen Untersuchungen gebe es den veterinären zufolge deutliche Nachteile. „Die Belastung der Tiere durch Fixation und mehrfache Injektionen ist ähnlich wie bei der betäubungslosen Kastration und der Schmerz wird je nach Applikationsart nur teilweise ausgeschaltet." Das gelte besonders für den einzigen für das Schwein zugelassenen Wirkstoff Procain. Auch werden Probleme mit einer präzisen Injektion und Wundheilungsstörungen als weitere Komplikationen angeführt. (kbo)
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