Eklat um Animal Peace

Tierschützer gehen auf Abstand


Nachdem die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und die Kreisbauernschaft Oberbergischer Kreis bereits Strafanzeige erstattet haben, gehen nun auch der Deutsche Tierschutzbund und der agrarpolitische Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, Friedrich Ostendorff, auf Abstand zu den Äußerungen der Tierrechtsorganisation Animal Peace.

Als „furchtbare Entgleisung“ wertete Ostendorff die Aussagen der Tierrechtler im Gespräch mit agrarzeitung.de. Zuvor hatte der Politiker in einer offiziellen Stellungnahme festgehalten, dass „solche Darstellungen“ eine „menschenverachtende Dummheit unter dem Deckmantel des Tierschutzes“ offenbarten, „mit der die Grüne Bundestagsfraktion und ich nichts zu tun haben wollen“. Ostendorff, der selbst Landwirt ist, reagierte auch aus persönlichem Mitgefühl gegenüber der Familie des verstorbenen Landwirts, wie er agrarzeitung.de erläuterte: Seine Familie verfüge über langjährige Erfahrung in der Bullenhaltung; er wisse daher um die Risiken, welche diese Form der Tierhaltung berge.

Auslöser der aktuellen Auseinandersetzung ist die Reaktion der Tierrechtsorganisation Animal Peace auf einen tragischen Unfall Anfang Januar. Bei dem Unfall war ein Landwirt aus dem Oberbergischen Kreis im Stall von einem Bullen tödlich verletzt worden. Auf ihrer Webseite hatte Animal Peace den Unfall mit einem Artikel unter der Überschrift „Und wieder steht ein Held aus unserer Mitte auf: Ein Bulle nimmt Rache“ kommentiert. Das Tier habe „seinen Sklavenhalter angegriffen und tödlich verletzt“, heißt es dort weiter. Die Organisation bezeichnete auf der Webseite die Reaktionen aus den Landwirtschaftsverbänden, Strafanzeige gegen sie zu erstatten, als „bauernschlaue Hetzkampagne von Hasspredigern“.

Tierschutzbund beklagt Verallgemeinerungen

Auf Abstand zu diesen Äußerungen geht auch Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes: „Wir distanzieren uns von den Äußerungen der Organisation Animal Peace. Unser Mitgefühl gilt der Familie des Landwirts“, teilte Schröder agrarzeitung.de mit. Schröder wandte sich zugleich gegen Verallgemeinerungen in einigen Medien und sozialen Netzwerken unter Überschriften wie „Tierschützer verhöhnen Landwirt“. Er erwarte da „Differenzierungen“, sonst entstünde der Eindruck, „die Verallgemeinerung ist politisch gewollt“, erläuterte Schröder auf Anfrage von agrarzeitung.de. Er bekräftigte, dass es sich sowohl beim Deutschen Tierschutzbund als auch bei dessen NGO-Partnern um „seriöse, vertrauensvolle Tierschutzorganisationen“ handele, und Verallgemeinerungen daher „nicht angemessen“ seien.

Schröder betonte weiter, dass der Tierschutzbund bei seiner täglichen Arbeit auf den Dialog mit Landwirten setze: Unter anderem mit dem vom Bundeslandwirtschaftsministerium unterstützten Tierschutzlabel zeige der Verein, dass er „mit den Landwirten zusammen mehr Tierschutz in die Ställe bringen“ wolle.

Der Grünen-Politiker Ostendorff sieht unterdessen nicht die Gefahr, dass die Äußerungen von Animal Peace die gesamtgesellschaftliche Debatte über die Tierhaltung in eine Schieflage rücken. „Das glaube ich nicht“, sagte er gegenüber agrarzeitung.de. (pio)
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