Kurz vor der Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens am Freitag in New York appelliert ein breites Spektrum von Verbänden an die Bundesregierung, die nationalen Klimaschutzziele verbindlicher zu fassen. Im Jahr 2050 müsse Ziel sein, mindestens 95 Prozent weniger CO2 im Vergleich zu 1990 freizusetzen. Dafür haben Umwelt- und Entwicklungshilfeorganisationen in ihrem „Klimaschutzplan 2050 der Zivilgesellschaft“ konkrete und rigide Maßnahmen zusammengestellt.

Klare Einschnitte kommen demnach auf die Tierhaltung in Deutschland zu: Die Tierbestände sollen bis zum Jahr 2050 halbiert werden. Bis 2020 ist ein Ende der Fleischexporte aus Deutschland als Zwischenziel genannt. Die Rückkehr zur flächengebundenen Tierhaltung soll einen Großteil der landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen beenden.

Rigid reduzierter Fleischverbrauch

Entsprechend soll auch der Fleischverzehr der deutschen Bevölkerung auf die Hälfte reduziert werden. Zugleich soll die „pflanzenorientierte Ernährung“ von einer nationalen Strategie gegen Lebensmittelverschwendung begleitet werden. Als Leitbild eines zukunftsfähigen Landwirtschaftssystems mit recht geschlossenen Nährstoffkreisläufen sei die ökologische Landwirtschaft bis zum Jahr 2030 um 20 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche auszubauen. Bereits bis 2020 sollen 10 Prozent der Agrarfläche ökologisch bewirtschaftete werden, fordern die Initiatoren in ihrem Klimaschutzplan.

Um die Böden verstärkt als Kohlenstoffspeicher zu nutzen, soll rund 1 Mio. ha Moore wieder vernässt werden und die Grünlandfläche wieder auf 5,5 Mio. ha ausgeweitet werden von derzeit 4,7 Mio. ha. Mit Hilfe von Fruchtfolgeauflagen soll die Landwirtschaft zu einer deutlich verstärkten Humusbildung beitragen. Eine Stickstoffüberschussabgabe soll die Effizienz der Stickstoffdüngung fördern. Bis 2050 sollen sich die Stickstoffüberschüsse rechnerisch auf Null belaufen.

Diese Maßnahmen sind aus Sicht des Bündnisses erforderlich, um die Pariser Klima-Beschlüsse einzuhalten, mit denen sich die Weltgemeinschaft auf eine Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad, und wenn möglich unter 1,5 Grad Celsius, geeinigt hat. Einen Beitritt der Bundesregierung zur Global Alliance for Climate-Smart Agriculture sehen die Herausgeber des „Klimaschutzplans 2050 der Zivilgesellschaft“ als falschen Weg an.

Kohleausstieg bis 2035

Weitere Teile des ambitionierten Klimaschutzplans richten sich auf die Energieweirtschaft, Industrie und Gewerbe, Verkehr und auch den Gebäudesektor. So sei unter anderem ein zusätzliches Abschalten von Braunkohlekraftwerken notwendig. Das Bündnis forderte die Bundesregierung darüber hinaus auf, noch in dieser Legislaturperiode den Kohleausstieg bis 2035 gesetzlich festzuschreiben. Ein geregelter Kohleausstieg gewährleiste Planungs- und Investitionssicherheit und ermögliche die Einleitung des notwendigen Strukturwandels in den betroffenen Regionen.

Vorbildrolle für Entwicklungsländer

Thilo Hoppe, entwicklungspolitischer Beauftragter bei Brot für die Welt, fordert die Bundesregierung auf, beim globalen Klimaschutz weiterhin eine Vorreiterrolle einzunehmen: „Damit das Pariser Abkommen Wirkung entfaltet, brauchen wir globale Vorreiter. Die Bundesregierung hat als Mitglied der Koalition der Ehrgeizigen einen großen Beitrag geleistet, die verletzlichsten Staaten für das Paris-Abkommen zu gewinnen. Diese werden genau beobachten, ob Deutschland auf nationaler Ebene umsetzt, was es in den globalen Klimavertrag hineinverhandelt hat.“

Bei den Pariser Klimaverhandlungen sei die Verankerung des 1,5 Grad-Erderwärmungslimits entscheidend dafür gewesen, dass auch die vom Klimawandel am stärksten betroffenen Entwicklungsländer das Abkommen mitgetragen hätten. „Ein halbes Grad weniger Erderwärmung bedeutet für die Menschen in verletzlichen Ländern weniger Zerstörung durch Wetterextreme wie Dürren und Hurrikans und schlicht eine höhere Chance, zu überleben“, so Hoppe. (brs)
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