Die Diskussion um mehr Transparenz bei der Produktion und den Inhaltstoffen von Lebensmitteln gehe vollkommen „am Verbraucher vorbei“, glaubt Stephan Becker-Sonnenschein, Geschäftsführer des Vereins „Die Lebensmittelwirtschaft“.
Prof. Achim Spiller von der Universität Göttingen untersuchte Erwartungen und das Informationsbedürfnis der Verbraucher in einer repräsentativen Studie.


Prof. Achim Spiller von der Universität Göttingen untersuchte Erwartungen und das Informationsbedürfnis der Verbraucher in einer repräsentativen Studie. Danach fällt 38 Prozent der Verbraucher spontan nichts zu dem Begriff Transparenz bei Lebensmitteln ein. 53 Prozent fühlen sich ausreichend informiert und ein Drittel hat kein Interesse an zusätzlichen Infos oder sieht bereits eine Informationsflut.

„Die Mehrheit der Verbraucher möchte gerne Informationen über Herkunft, Inhalte, Zusatzstoffe und ähnliche Aspekte von Lebensmitteln erhalten können. Gleichwohl werden die bereits vorhandenen Informationen von der Mehrheit der Verbraucher nicht genutzt oder als entscheidungsrelevant für den Einkauf wahrgenommen“, erläutert Spiller die Studienergebnisse.

Das Transparenzparadoxon

Die Studie zeigt zudem, dass Verbraucher in Deutschland Transparenz sehr unterschiedlich definieren und ihre Informationsbedürfnisse stark voneinander abweichen. „Generell gilt: Verbraucher wollen nicht mehr Informationen, sondern ein besseres Verständnis komplexer Prozesse und Vorgänge, das zu einem tatsächlichen Wissenszuwachs führt. Eine Flut an Details verwirrt und führt nicht zu mehr Verständnis“, so Becker-Sonnenschein.

Bei knapp der Hälfte der Deutschen richtet sich der Transparenzwunsch vor allem auf Produkte tierischer Herkunft wie Fleisch, Eier, Fisch und Milchprodukte. Zudem ist nur ein Fünftel der Verbraucher bereit, für ein Mehr an Information einen höheren Preis zu bezahlen.

Und noch ein Ergebnis offenbart die Studie: „Die Politik darf nicht darüber entscheiden, was ich essen darf“. Das fordern 70 Prozent der Befragten. Dem Verbraucher muss in Bezug auf Transparenz seine Selbstbestimmung gelassen werden. (hed)
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