Die Zahl kleinerer und unabhängiger Rinderfarmer in den USA hat in den vergangenen Jahren merklich abgenommen, während Großrancher und vor allem die multinationalen Fleischkonzerne ihre Marktmacht immer weiter ausgebaut haben. Dem Bauernverband National Farmers Union (NFU), der sich vor allem für Klein- und Familienbetriebe stark macht, ist diese Entwicklung ein Dorn im Auge, berichtet AgE. Die NFU hat sich deshalb jetzt in einem offenen Brief an US-Präsident Donald Trump gewandt. Darin fordert NFU-Präsident Roger Johnson den Präsidenten auf, bei der angekündigten Neuverhandlung der Nordamerikanischen Freihandelszone (Nafta) die „Interessen der heimischen Rinderfarmer und Konsumenten bestmöglich durchzusetzen und die Souveränität über die US-Landwirtschafts- und Ernährungspolitik zurückzugewinnen“.

Mexiko und Kanada verhinderten Kennzeichnung

Ein wesentlicher Faktor dafür sei die Wiedereinführung der verpflichtenden Ursprungskennzeichnung (Country-of-Origin-Labeling - COOL) für Fleisch, damit die Konsumenten die heimische Ware bewusst kaufen könnten, um die eigenen Rindermäster zu unterstützen. Nach jahrelangem Streit und erfolgreichen Klagen von Mexiko und Kanada vor der Welthandelsorganisation (WTO) musste die 2008 eingeführte und 2013 novellierte Herkunftskennzeichnung Anfang 2016 wieder abgeschafft werden. Seitdem müssen Erzeuger und Verarbeiter in der gesamten Kette nicht mehr aufzeigen, wo das Tier geboren, aufgezogen und geschlachtet wurde.

Kaufentscheidung zum Wohle der Erzeuger

Laut Johnson nutzen die großen Fleischkonzerne die Freiheiten der Nafta dazu, die Rinder aus Kostengründen in Mexiko und Kanada zu mästen und dann in den USA schlachten zu lassen. Dadurch hätten zahlreiche US-Rindermäster aufgeben müssen. Mit einer klaren Herkunftsangabe würde dieses Verhalten transparent werden und eine Kaufentscheidung der Verbraucher zum Wohle der eignen Erzeuger möglich. Der NFU-Präsident stritt nicht ab, dass Nafta auch höhere US-Rindfleischexporte ermöglicht habe, doch sei der negative Handelssaldo von 1993 bis 2015 um 131 Prozent auf mehr als 2,7 Mrd. US-$ (2,4 Mrd. €) angewachsen. Die vier größten Schlachtkonzerne hätten in dieser Zeit ihren Marktanteil auf 85 Prozent ausgebaut, während die familiengeführten Rinderbetriebe zu den Verlierern gehörten. (az)
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