Befragung des Kartellamtes

Handel überwiegend fair und vertragstreu

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Das Bundeskartellamt hat Hersteller zu "unfairen Handelspraktiken" seitens des Lebensmittelhandels befragt. Die in der UTP-Richtline aufgeführten Verhaltensweisen kommen demnach kaum vor.

Die deutschen Lebensmittelhändler verhalten sich ganz überwiegend fair und vertragstreu gegenüber ihren Lieferanten. Das ist das Ergebnis einer Marktbefragung des Bundeskartellamts. Die Behörde hatte im Zuge ihrer Ermittlungen zum Fusionsverfahren SCP/Kaufland 400 Hersteller unter anderem zu den 15 einzelnen Verhaltensweisen befragt, die mit der EU-Richtlinie gegen "unfaire Handelspraktiken in der Lebensmittellieferkette" verboten werden sollen.

Darüber hinaus sollten die Hersteller ihr Verhältnis zu zwölf Lebensmittelhändlern auch in einer Gesamtnote bewerten. 301 Hersteller gaben Bewertungen ab. Das Geschäftsgebaren von Bartels-Langness, Aldi Nord/Süd, Tegut, Bünting, Norma, Globus, Rewe, Edeka und Kaufland/Lidl wird demnach ganz überwiegend positiv bewertet.

Mehrheit der Hersteller meldet keine Probleme

"Die Mehrheit der Lieferanten meldete keine Probleme in der Geschäftsbeziehung mit den LEH-Unternehmen", bilanziert die für den Einzelhandel zuständige zweite Beschlussabteilung des Kartellamts in der vergangene Woche veröffentlichten Kaufland-Entscheidung. "Insgesamt wurden die Händler recht positiv bewertet", heißt es im Beschluss der Behörde weiter.



Das Amt hatte die Hersteller nach eigenem Bekunden zu den unfairen Handelspraktiken befragt, weil Letztere ein Indiz für die Abhängigkeit der Lieferanten von den Lebensmittelhändlern sein können. "Wären solche bedenklichen Praktiken in den Lieferbeziehungen sehr verbreitet, könnte dies einen Anhaltspunkt dafür liefern, dass die Konzentration im deutschen LEH bereits ein solches Maß erreicht hat und die Abhängigkeit der Lieferanten von den Händlern so fortgeschritten ist, dass jede weitere Konzentration zu unterbleiben hat", heißt es in der Beschlussbegründung. Ein klarer Zusammenhang zwischen Größe der Handelsunternehmen und den von ihnen ausgeübten Praktiken lasse sich aus dem Umfrageergebnissen nicht ableiten, so die Beschlussabteilung.

Listungsgebühren und Werbekostenzuschüsse häufig genannt

Listungsgebühren, Preisnachlässe im Rahmen von Aktionen sowie Zahlungsverlangen für Werbemaßnahmen und für die Vermarktung wurden am häufigsten als problematische Verhaltensweisen benannt. Allerdings bewerten auch in diesem Bereich nur knapp 20 Prozent der Befragten die Verhaltensweisen als "negativ" beziehungsweise "sehr negativ".

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Die von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner auf die "Schwarze Liste" gesetzte Übernahme von Retourenkosten durch den Lieferanten wird von 0,2 Prozent der Befragten als "negativ" bewertet, keinmal als "sehr negativ. Auch die übrigen Handelspraktiken kommen nur im Fall der Zahlungsziele knapp über die Fünf-Prozent-Hürde der Negativ-Bewertungen.

Im Gesamturteil schneidet Bartels-Langness mit 92 Prozent positiver Bewertungen am besten ab. Lidl/Kaufland bilden das Schlusslicht, kommen aber immer noch auf 63 bzw. 65 Prozent "sehr positiv" bis "positiv" Beurteilungen. Einige der befragten Hersteller heben gegenüber dem Kartellamt hervor, dass die betreffenden Handelspraktiken in der Praxis zwar vorkommen, etwa Zahlungsziele über 30 Tagen. Der Handel halte sich aber grundsätzlich an die vertraglichen Vereinbarungen.

"Das Hauptproblem sei, dass die Lieferanten bei den Verhandlungen wenig bis keinen Spielraum hinsichtlich der Preise und Konditionen hätten", fasst das Kartellamt die Rückmeldungen der Hersteller zusammen. "Aus unserer Sicht spiegeln die aufgeführten Handelspraktiken das Problem indessen nicht realitätsnah wider", wird ein anonymer Hersteller zitiert. Die Schwierigkeiten würden in den Jahresgesprächen auftreten, in denen der Handel seine Marktmacht nutze, um Konditionen durchzusetzen. So fehle etwa die Drohung länderübergreifender Auslistungen auf der Liste der unerlaubten Praktiken.


Dieser Text erschien zuerst auf www.lebensmittelzeitung.net.

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