Freiwillige Initiativen reichten nicht, um den Landwirt gegenüber dem Lebensmittelhandel besser zustellen. Darin waren sich die Minister auf ihrem informellen EU-Agrarrat in Bratislava einig. Da der Handel auf dem gemeinsamen Binnenmarkt aktiv sei, müsse das Problem auch auf EU-Ebene angegangen werden, forderte der österreichische Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter und stimmte damit mit der Mehrheit seiner Ministerkollegen überein.

Osteuropäer beklagen Preisdumping

Vor allem osteuropäische EU-Mitgliedstaaten beklagen ein Preisdumping durch die Supermärkte. Der Landwirte bekomme zur Zeit 11 Cent/Liter Milch und der Verbraucher müsse 1 €/Liter bezahlen, empörte sich der rumänische Landwirtschaftsminister Achim Irimescu. Dieser Unterschied sei nicht mehr zu rechtfertigen und weise auf die schwache Stellung der Landwirtschaft innerhalb der Vermarktungskette hin, so Irimescu.

Hogan kritisiert unfaire Handelspraktiken

EU-Agrarkommissar Phil Hogan kritisierte ebenfalls unfaire Handelspraktiken. Mit der Vorlage eines Gesetzes will er allerdings noch warten. Zunächst soll das Ergebnis der Arbeitsgruppe unter der Leitung ehemaligen niederländischen Landwirtschaftsministers Cees Veermann abgewartet werden, erklärte Hogan. Auch wenn die EU-Kommission im kommenden Jahr einen Vorschlag vorlegen sollte, wird er nur einen Rahmen für die EU-Mitgliedstaaten abstecken. Zu unterschiedlich sind die Probleme der Landwirtschaft mit dem Handel in der EU. Als vorbildlich gilt eine nationale Gesetzgebung in Spanien gegen unfaire Handelspraktiken, die unter anderem die Möglichkeit zur Klage einräumt.

Erzeuger in der Wertschöpfungskette stärken

„Unser gemeinsames Ziel muss es sein, die Position der Erzeuger in der Wertschöpfungskette weiter zu stärken, um künftig zu vermeiden, dass die Landwirte alleine die Marktrisiken schultern müssen, forderte der deutsche Agrarminister Christian Schmidt im Anschluss an das Treffen. Eine faire Verteilung der Lasten auf alle Beteiligten der Lebensmittelversorgungskette sei für ihn von essentieller Bedeutung.

Vorhandene Instrumente besser nutzen

Die Gemeinsame Marktordnung eröffne den Wirtschaftsbeteiligten eine Reihe von marktwirtschaftlichen Instrumenten zur vertikalen und horizontalen Zusammenarbeit im Rahmen von Erzeugerorganisationen und Branchenverbänden, so Schmidt weiter Die Wirtschaftsbeteiligten werden vom Minister aufgefordert, von diesen freiwilligen Angeboten möglichst intensiv Gebrauch zu machen, um die Erzeugung zum Wohle der landwirtschaftlichen Produzenten an die jeweiligen Gegebenheiten des Marktes anzupassen. (Mö/SB)
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