Landvolk Niedersachsen

Ungelöste Probleme bei Ringelschwänzen

Das Landvolk Niedersachsen warnt vor zu hohen Erwartungen an das Ringelschwanz-Projekt. „Wir haben großen Respekt vor allen Betriebsleitern, die sich an dem Projekt Ringelschwanzprämie beteiligt haben", erklärt Hermann Wester. Die Ergebnisse könnten aber noch nicht als Erfolgsgarant für alle 6.000 Schweine haltende Betriebe gesehen werden, sagt der Vorsitzende im Landvolk-Veredelungsausschuss. Rund 100 Höfe und etwas mehr als 100.000 Tiere waren bislang in die einjährige Testphase des Landes eingebunden.
Ringelschwanzprämie zu niedrig
Deutlich zu niedrig ist nach Meinung des Landvolks die Prämie von 16,50 € je Schwein mit intaktem Ringelschwanz. Insbesondere bei der Tierbeobachtung und Beschäftigung müssten die Halter von Schweinen mit langen Ringelschwänzen einen erheblichen Mehraufwand leisten. Die Prämie sollte daher um rund 13,50 € je Tier aufgestockt werden. Niedersachsen sei auf einem missionarischen Weg, die Tierhalter zur Umstellung zu bewegen. Schon deutschlandweit sei das Tempo sehr ambitioniert, aber bereits im europäischen Ausland sei der Ringelschwanz in den meisten großen Erzeugungsländern kein Thema.

Tierhalter sehen enormen Forschungsbedarf

„Leider wurden nur Mastbetriebe berücksichtigt, es müssen auf jeden Fall Sauen- und Ferkelaufzuchtbetriebe mit einbezogen und an der Prämie beteiligt werden, darauf haben wir wiederholt hingewiesen“ ergänzt Lars Prigge für den Arbeitskreis Sauenhaltung im Landvolk Niedersachsen. Die Tierhalter sehen noch enormen Forschungsbedarf. „Die Politik muss den aktiven Tierhaltern Lösungen anbieten, wie sie mit dem Thema Ringelschwanz auch echten Tierschutz betreiben können“, sagt Prigge. Er sieht das Interesse der Tierhalter, sich auf erfolgreichen Höfen umzuschauen und von dort Anregungen für den eigenen Betrieb mitzunehmen. Als Erfolg wertet er auch die äußerst geringen Verletzungen bei QS-konform kupierten Tieren.

Umbauten kollidieren mit dem Baurecht

Selbst wenn alle Faktoren nach heutigen Erkenntnissen stimmig seien, könne die Caudophagie Tierhalter überraschen. „Das Risiko trägt allein der Bauer!“, verdeutlicht Prigge. Weitere Tierwohlangebote machten auch weitere Umbauten erforderlich und kollidierten dann zumeist mit dem Umwelt- und Baurecht. „Die Tierhalter wollen Tierwohl umsetzen, müssen dazu aber auch Gelegenheit, Zeit und Baugenehmigungen für entsprechende Ställe erhalten“, sagt Hermann Wester. Dafür seien schnell Regelungen erforderlich. (SB)
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