Milchkrise

Verbände streiten um Lösungen


Einig sind sich alle Beteiligten, dass die Situation für die europäischen Milcherzeuger schwierig ist. Doch schon bei der Analyse, wie es zum aktuellen Preisverfall kommen konnte, gehen die Meinungen auseinander. Verbände wie der Bundesverband deutscher Milchviehhalter (BDM) und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) halten das Ende der Milchquote für den  entscheidenden Faktor. Dagegen verweist der Milchindustrieverband (MIV) darauf, dass auch in anderen Regionen der Welt die Produktion kräftig angekurbelt wurde. Die derzeitige Marktsituation sei deshalb kein nationales oder allein europäisches Phänomen, sondern das Ergebnis globaler Verflechtungen, erklärte der MIV heute. Stärkeren politischen Eingriffen auf europäischer oder nationaler Ebene steht der MIV kritisch gegenüber.

„Einfrieren" nützt Käsereien nicht

Das „Einfrieren“ der Milchpreise durch Teile des deutschen Einzelhandels wird vom MIV differenziert bewertet. Einerseits helfe jeder Euro, wenn Verbraucherpreise nicht weiter gesenkt werden. Andererseits sei wenig sinnvoll, wenn nur die Preise für Teilbereiche des Sortimentes „eingefroren“ würden und dies nur von einem Partner. Die Käsereien etwa litten unter den jüngsten Abschlüssen und könnten somit ihren angeschlossenen Milcherzeugern keine besseren Preise bieten.

Bonus für weniger Produktion

Für Georg Janßen, Geschäftsführer der AbL, steht dagegen fest, dass derzeit täglich mehr Milch erzeugt werde als „zu vernünftigen Preisen" abgesetzt werden kann. Die AbL rief heute die Minister der großen europäischen Agrarländer Frankreich, Deutschland und Polen auf, am Montag kommender Woche im EU-Agrarministerrat eine Bonuszahlung an Betriebe zu beschließen, die ihre Milchmenge in der jetzigen Phase kurzfristig um einige Prozent absenken. Bezahlt werden solle das aus den aktuell letztmalig erhobenen Superabgaben. Diese Abgaben müssen Betriebe zahlen, die im letzten Quotenjahr ihre Milchquote überschritten haben.

Bedrohung für die Agrarstruktur

Eine zügige Mengenbegrenzung fordert auch Friedrich Ostendorff, der agrarpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag. Die anhaltend niedrigen Preise seien eine akute Bedrohung für die Landwirtschaft und die Agrarstruktur. Notwendig sei deshalb ein Umdenken im Bauernverband und bei Agrarminister Schmidt. „Die Milchmenge muss endlich runter, damit der Preis sich erholt“, so der Bundestagsabgeordnete.

Meyer fordert Schmidt zum Handeln auf

Kritik am Bundeslandwirtschaftsminister kommt aus Niedersachsen. Schmidt sollte sich endlich die vor Wochen vorgelegten Vorschläge der grünen Agrarminister aus Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg zu eigen machen, fordert der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer. Auch er will aus den Einnahmen der Superabgabe Maßnahmen zur Mengendrosselung finanzieren.

Milchprodukte besser kennzeichnen

Faire Milchpreise und eine bessere Kennzeichnung von Milchprodukten fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). „Die Haltung von Milchkühen darf nicht weiter industrialisiert werden“, so der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Stärker gefördet werden sollte die Weidehaltung, fordert die Umweltorganisation. Der Bedarf an fair und ohne Gentechnik produzierter Milch und Weidemilch steige stetig. Ein wichtiges Instrument zum Erhalt der bäuerlich-ökologischen Milcherzeugung sei die transparente und verpflichtende Kennzeichnung von Milch, damit Verbraucher erkennen könnten, wie die Milch produziert worden sei, fordert die Organisation. (SB)




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