Klimaschutz

Verschärftes Düngerecht gefordert

Der Wissenschaftliche Beirat für Agrar- und Waldpolitik beim Bundesagrarministerium (BMEL) hat am vergangenen Freitag sein Klimaschutz-Gutachten  vorgelegt. Vorwiegend geht es in dem Gutachten um den Beitrag der Land- und Ernährungswirtschaft, die Treibhausgase (THG) zu senken. Derzeit werden in Deutschland rund 900 Mio. t/Jahr THG produziert, bis 2050 sollen die Emissionen um 80 Prozent gesenkt werden. Die Landwirtschaft trägt 11 Prozent zu diesen Emissionen bei. Deshalb fordern die Wissenschaftler die Verantwortlichen dazu auf, stärkere Anstrengungen zu unternehmen, um weniger THG zu produzieren.

So empfehlen die Wissenschaftler den Schutz landwirtschaftlich genutzter Moore und des Grünlandes, die Verbesserung der Stickstoffeffizienz der Düngung und den Anbau von schnellwachsenden Baumarten. Auch Stickstoffdünger seien eine Ursache landwirtschaftlicher THG-Emissionen. Deshalb müsse die Düngeverordnung dringend von der Bundesregierung auf den Weg gebracht werden. Eine immer wieder diskutierte Stickstoffsteuer halten die Wissenschaftler für überlegenswert.

Der Anbau landwirtschaftlich basierter Biomasse wie Raps oder Mais zum alleinigen Zweck einer energetischen Nutzung stelle dagegen keine sinnvolle Klimaschutzmaßnahme dar. Die derzeitige Förderung von Biogas und Biokraftstoffen aus heimischen Kulturen sollte abgeschafft werden.
Die Wissenschaftler gehen sogar noch einen Schritt weiter und fordern Verbraucher dazu auf, weniger Fleisch zu essen und keine Lebensmittel wegzuwerfen. Man wolle keine Verringerung des Pro Kopf-Verbrauches, sondern die Verlagerung des Konsums auf klimafreundliche Lebensmittel und mehr öffentliche Gemeinschaftsverpflegung. So stellt sich der Beirat eine klimafreundliche Ernährung vor.

Umstellung dauert Jahre

"Wir sind uns bewusst, dass die notwendige Transformation zu einer Landwirtschaft und Ernährung mit erheblich reduzierten Treibhausgasemissionen Jahrzehnte beanspruchen wird. Sie sollte daher als langfristiger Lern- und Anpassungsprozess aufgefasst werden“, sagte abschließend Prof. Harald Grethe von der Humboldt-Universität. Deshalb sei zügig mit der Umsetzung zu beginnen.

Äußerst kritisch sieht der DBV eine "Bevormundung der Verbraucher" beim Konsum von Lebensmitteln. Steuern und Maßregelungen hätten in erster Linie fiskalische Effekte, aber keine Lenkungswirkung. Ferner erwarte der DBV, dass bei der vorgeschlagenen Moorschutzstrategie die Eigentumsinteressen der Landwirte und Grundeigentümer gewahrt und Lösungen gemeinsam entwickelt werden, die auch in Zukunft eine wirtschaftliche Nutzung der Flächen ermögliche. Vom Vorschlag einer Abgabe auf Stickstoffdünger hält der Branchenverband werde. Diese würde nur zu einer Verteuerung der Betriebsmittel führen, aber keine Lenkungsfunktion erfüllen. (da)
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