Tierwohl-Gutachten

Verstärkte Kritik der Verbände


Die Schlussfolgerungen aus dem in der vergangenen Woche dem Bundesministerium übergebenen Gutachten stoßen in der Fachwelt auf großes Unverständnis. Agrarökonomen sollten wertneutral über Prozesse auch in der Nutztierhaltung urteilen, meint Dr. Henning Ehlers. Im Gespräch mit agrarzeitung.de  kritisiert der Generalsekretär des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV) im Gutachten verwendete Begrifflichkeiten wie beispielsweise die Formulierung: „Die Tierhaltung sei in großen Teilen nicht zukunftsfähig". Vom Beirat werde unzureichend zum Ausdruck gebracht, dass in den vergangenen Jahren bereits sehr viele Ansätze gestartet worden seien, um kritische Fragen in der Tierhaltung sachgerecht zu lösen. Gerade am Standort Deutschland werde seit Jahren intensiv an den Fragen geforscht. Die Standards hierzulande gehörten zu den besten weltweit. Grundsätzlich sei die Zusammenstellung des umfassenden Faktenmaterials jedoch zu begrüßen, sagte Ehlers.

Auch der Deutsche Bauernverband (DBV) unterstreicht seine bereits geäußerte Kritik. Es sei jedoch nicht akzeptabel, dass der WBA mit der Übergabe nun seine Aufgabe als erledigt ansehe, sagte DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken gegenüber agrarzeitung.de. Er fordere die Aufarbeitung der Aussagen in einem konstruktiven Dialog unter Beteiligung der angesprochenen Fachkreise. Auch müsse sich zeigen, wie Bundesagrarminister Christian Schmidt mit dem ihm vorgelegten Gutachten umgehen werde, so die Verbandsvertreter. Bisher gebe es aus dem Ministerium noch keine Reaktionen. Beide Verbände zeigte sich auch überrascht, dass Schmidt bei der Überreichung des Guachtens persönlich nicht anwesend gewesen sei. Dies sei bei einem derartigen Anlass erstmalig der Fall gewesen. (jst) 
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