Berliner Runde

Vierte Revolution im Ackerbau

Bereits zum zweiten Mal trafen sich die Spitzen der im VDMA organisierten Landmaschinen- und Traktorenhersteller kürzlich im Rahmen eines Parlamentarischen Abends in Berlin mit Abgeordneten des Deutschen Bundestages. „Wir sind uns absolut darüber im Klaren, wie wichtig leistungsstarke und verlässliche Agrartechnik für die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Landwirtschaft ist", so Peter Bleser, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesagrarministerium (BMEL). 

 

Virtuelle Visionen

Der Landwirt von morgen wird mithilfe von intelligent vernetzter Computertechnik laut Dr. Hermann Garbers, Vorsitzender des VDMA Landtechnik, nicht nur in die Lage versetzt, seinen Maschinenpark präzise zu steuern. Vielmehr werde er künftig sein gesamtes Betriebsmanagement virtuell abbilden können. „Insofern lässt sich mit einer gewissen Berechtigung von einer sich abzeichnenden ‚Landwirtschaft 4.0‘ sprechen, wenn man die ackerbaulichen Revolutionen, beginnend mit der Dreifelderwirtschaft über die Erfindung des Kunstdüngers bis hin zu Precision Farming, als Glieder eines konsequent fortschreitenden Evolutionsprozesses betrachtet", resümierte Garbers.

Dass der Erfolg des Landmaschinengeschäfts jedoch nicht nur von technischen, sondern auch von ökonomischen Rahmenbedingungen abhängt, machte Garbers insbesondere mit Blick auf den gegenwärtig „erheblich eingeschränkten Aktionsradius auf dem russischen Landtechnikmarkt" deutlich. Da das Land für die innovativen Hersteller in Deutschland und Europa zu den wichtigsten Wachstumsmärkten überhaupt gehört, liege den Landtechnikherstellern einiges daran, den verlorenen Anschluss möglichst bald wiederzugewinnen. „Schließlich konnten wir im Mittel der vergangenen fünf Jahre Ausfuhren von rund 600 Millionen Euro per annum realisieren, was einem Anteil von beachtlichen acht Prozent am deutschen Produktionsumsatz entspricht", erläuterte Garbers. 

 

Protektionismus lähmt

Der seit zwei Jahren immer stärker durchdringende Protektionismus des Landes beschränke somit nicht nur das „beachtliche Entwicklungspotential der russischen Landwirtschaft"; er beschädige auch „das Wohlstandsniveau der Menschen vor Ort".

Deshalb sei es essenziell, gegen den „glasklaren WTO-Verstoß Moskaus mit aller Entschiedenheit und allen verfügbaren Rechtsmitteln" vorzugehen - eine Forderung, die auf Seiten der Politik trotz der gegenwärtigen geopolitischen Verwerfungen große Zustimmung fand. „Seien Sie sich gewiss, dass wir alle Register ziehen werden, um den Freihandel in Europa und weltweit mit aller Kraft voranzutreiben", versicherte Bleser in Berlin. (Sz)
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