Vogelgrippe

Virus breitet sich weiter aus

Die Vogelgrippe verbreitet sich weiter. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), wo alle infizierten Vögel untersucht werden, sieht Indizien für eine beträchtliche Kontamination von Tieren mit dem H5N8-Erreger. FLI-Leiter Prof. Thomas Mettenleiter sagte gegenüber dem Norddeutschen Rundfunk (NDR), man beobachte ein sehr dynamisches Geschehen mit starken Ausbreitungstendenzen. 

Mehr Fälle als vor zehn Jahren

Der Infektionsdruck aus der Natur in die Ställe sei sehr hoch. Es gebe deutlich mehr positiv getestete tote Wildvögel als bei der Vogelgrippe vor zehn Jahren, sagte Mettenleiter. Tote infizierte Wasservögel würden in der Natur von Räubern wie Füchsen, Mardern oder auch Greifvögeln geöffnet. Damit könnten Innereien, die hohe Viruslasten tragen, verschleppt und der Erreger weiter verbreitet werden. 

Bislang gibt es laut Mettenleiter keinen Nachweis, dass Säugetiere an dem Virus H5N8 erkranken. Es müsse jedoch davon ausgegangen werden, dass infizierte Wildvögel in der Inkubationszeit oder solche, die gar keine Krankheitssymptome bekommen, als "mobile Virusträger" die Ausbreitung forcieren. Seinen Angaben zufolge handelt es sich um eine Epidemie unter Wildvögeln mit gelegentlichen Einträgen in Nutzgeflügelbestände.

Verdacht in Niedersachsen

Aber gerade die erneuten Funde in Nutztierbeständen erhöht die Nervosität von Tierhaltern und Politikern. Heute wurden zwei Fälle von Geflügelpest in geschlossenen Geflügelställen in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern bekannt. Betroffen ist in Niedersachsen ein Mastputenbestand mit rund 16.000 Tieren im Landkreis Cloppenburg. Das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) hat den Verdacht bestätigt. Der Landkreis Cloppenburg hat auf Grundlage der Geflügelpest-Verordnung die Tötung der 16.000 Tiere angeordnet.

Flächendeckend hat sich die Geflügelpest in Mecklenburg-Vorpommern ausgebreitet. Nutztierbestände sind in den Landkreisen Vorpommern-Rügen und Vorpommern-Greifswald betroffen. "Mit Stand von heute haben wir in M-V sieben Ausbrüche der Geflügelpest durch das hochpathogene H5N8-Virus und zwei weitere Fälle durch niedrigpathogene aviäre Influenzaviren des Subtyps H5 festgestellt. Alle Fälle traten in kleinen Geflügelhaltungen und in einem kleinen Tierpark auf der Insel Rügen auf, teilte das Agrarministerium in Schwerin mit. In Mecklenburg-Vorpommern müssen in den Sperrbezirken Hunde an die Leine und Katzen im Haus bleiben, um eine Verbreitung zu meiden. Ferner sind Fälle von Vogelgrippe in Nutztierbeständen in Schleswig-Holstein aufgetreten.

Heute Eilverordnung erwartet

Wegen der Vogelgrippe gilt in vielen Bundesländern bereits eine Stallpflicht. Für den Menschen ist der Erreger ungefährlich. Allerdings haben einige Drittländer bereits ein Exportstopp von Geflügel aus Deutschland verhängt. Seit Montag, 21. November ist eine Eilverordnung in Kraft, mit der auch kleine Betriebe verpflichtet werden, Biosicherheitsmaßnahmen zum Schutz vor der Geflügelpest zu treffen. Diese ergänzt die bestehende Geflügelpestverordnung. Der Krisenstab im Bundesagarministerium (BMEL) hat gestern getagt, aber keine bundesweite Stallpflicht angeordnet. Ein BMEL-Sprecher erklärte gegenüber agrarzeitung.de, das BMEL nehme die Situation sehr ernst und beobachte das Geschehen genau. Über die aktuellen Entwicklungen und Maßnahme werde das BMEL informieren.

Geflügelverband nimmt Länder beim Wort

Friedrich-Otto Ripke, Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V. (ZDG), verlangt für die Betriebe den notwendigen Schutz. Da eine Dringlichkeitsverordnung des Bundes nicht realisiert werde, sieht der ZDG umso mehr die Bundesländer in der Verantwortung. "Alle Länder, die noch keine Regelungen zur Stallpflicht erlassen haben, sollten hier dem Vorgehen anderer Länder folgen", fordert Ripke. "Wir haben die Länder gestern im Zentralen Krisenstab so verstanden, dass sie sich ihrer Verantwortung bewusst sind. Wir nehmen sie da gerne beim Wort." (da)
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